01/28/14

Kolumbianische Regierung zieht bei Drummond die Schrauben an

28.01.2014 | von Stephan Suhner

Die letzten 12 Monate waren keine guten Monate für Drummond in Kolumbien. Am 13. Januar 2013 ereignete sich ein Unfall mit einer Barkasse, wobei eine grössere Menge Kohle bei Santa Marta ins Meer gelangte. Fast ein Jahr danach, als schon beinahe niemand mehr daran glaubte, wurde Drummond am 19. Dezember 2013 mit einer als historisch qualifizierten Busse belegt. Zudem erreichte Drummond ihre Exportziele unter anderem wegen eines fast zweimonatigen Streiks nicht, und auch der Hafenumbau hin zu direkter Beladung über gedeckte Förderbänder, der am 1. Januar 2014 zwingend hätte starten sollen, erreichte Drummond nicht termingerecht. Ende Dezember 2013 sah es noch so aus, dass die kolumbianische Regierung Hand bieten würde, um den Betrieb des Hafens mit Barkassen bis im März 2014 zu verlängern. Nach einem Besuch des Hafens am 8. Januar 2014 verhängte die kolumbianische Umweltministerin Luz Helena Sarmiento ein dreimonatiges Exportverbot, bis die fehlenden Installationen fertig gestellt sind. Lediglich fünf Tage Zeit erhielt Drummond, um die restliche im Hafen liegende Kohle zu verschiffen. Es wird geschätzt, dass bis zu sechs Millionen Tonnen Kohle in dieser Zeit nicht exportiert werden können und ein täglicher volkswirtschaftlicher Schaden von ca. 1 Mio. Euro entsteht. Die Umweltministerin, die offensichtlich mit dem Rückhalt von Präsident Santos handelt, sagte, sie seien sich der wirtschaftlichen Konsequenzen bewusst, aber es gehe um ein Abwägen auch zugunsten der Umwelt und um die Glaubwürdigkeit der Regierung.

RegierungsvertreterInnen gingen davon aus, dass Drummond in der Zwischenzeit zumindest einen Teil der Kohle über den neuen Hafen von Glencore Prodeco würde exportieren können. Glencores Puerto Nuevo arbeitet aber unter voller Auslastung seiner Kapazitäten und kann keine zusätzliche Kohle verschiffen. Ein weiteres Problem ist auch, dass die Zugslinie zwar sowohl den Hafen von Drummond und den von Glencore bedient, dass aber die Be- und Entladung der jeweiligen Güterwaggons anders ist, was eine Nutzung des Glencore-Hafens durch Drummond erschwert hätte.[1] So erklärte Drummond gegenüber seinen Abnehmern Force majeure. BranchenvertreterInnen und WirtschaftsanalystInnen kritisierten das Exportverbot fast einhellig, es sei eine wirtschaftlich sehr schädliche Massnahme, und es hätte über Strafzahlungen andere Lösungen gegeben.[2] Schon 2013 war ein schwarzes Jahr für die Kohle, wegen Streiks, Attentaten auf Eisenbahnlinien und Exportstopps wegen dem Unfall der Drummond-Barkasse wurde die prognostizierte Produktion von 110 auf 85 Millionen Tonnen reduziert, und angesichts all der Untersuchungen, die gegen sämtliche Kohlenexporteure am laufen sind, könnte 2014 noch schwieriger ausfallen.  Die Nationale Bergbauagentur geht davon aus, dass bis zu 20% der Royalties betroffen sein könnten.[3]   

Dabei könnte bald noch weiteres Ungemach auf Drummond zukommen: Mitte Januar kündigte der Rechnungsprüfungshof (Contraloria) an, dass zwei Verfahren wegen Steuerfragen im Wert von ungefähr 70 Millionen Franken am laufen seien, sowie eine weitere Untersuchung im Wert von 50 Millionen wegen der unsachgemässen Bezahlung der Royalties. Hintergrund der Untersuchungen über die Steuerpflicht von Drummond ist einerseits eine nicht bewilligte Verlängerung der Verladestation des Hafens um mehr als das dreifache, und zweitens die Verwendung von Schiffen mit einer viel höheren Transportkapazität als bewilligt. So hätte Drummond Schiffe mit einer Kapazität von bis zu 160‘000 Tonnen beladen und dafür den Tarif für Schiffe bis 70‘000 Tonnen bezahlt.[4]    

Verliert Drummond ihre soziale Lizenz?         

Das investigative Internetportal La Silla vacía nahm diese Vorkommnisse zum Anlass, sich intensiver mit der Frage nach der sozialen Lizenz von Drummond auseinander zu setzen und neue Aspekte zu beleuchten. In diesem Zusammenhang gab auch Drummond ausführliche Stellungnahmen ab. Mit dem Dekret 3083 von 2007 wurde erstmals festgehalten, dass die Beladung ab Juli 2010 direkt zu erfolgen hat, über gedeckte Fliessbänder. Das Gesetz 1450 von 2011 legte dann fest, dass die neuen Systeme ab dem 1. Januar 2014 funktionieren müssten. Drummond argumentiert, dass sie 1986 mit den Wirtschaftlichkeitsstudien begann und den Hafen nicht dort bauen wollten, wo er jetzt ist (Ciénaga), dass sie aber vom Umweltministerium gezwungen wurden. Sie hatten eine Konzession für 30 Jahre bis 2023, in der das Verladen mit Barkassen inbegriffen war. Innerhalb der Laufzeit dieser Konzession wurde also Drummond gezwungen, sich den veränderten Spielregeln anzupassen, was das Unternehmen auch tat. Verschiedene Unsicherheiten für die Planung, verspätete Behördenbewilligungen, Einsprachen anderer Unternehmen etc. führten gemäss Drummond zu Rückständen auf den Zeitplan. Schliesslich war auch der zweimonatige Streik ein weiterer Verzögerungsgrund. Drummond habe die Bauarbeiten unbedingt überwachen müssen, dies sei ihr aber wegen des Streiks nicht erlaubt gewesen. Mit der Gewerkschaft Sintramienergetica sei keine Lösung möglich gewesen und auch das Arbeitsministerium habe nicht Hand geboten. Drummond habe frühzeitig auf die Verspätung hingewiesen und in mehreren Treffen mit der Regierung Lösungen gesucht. Noch am 20. Dezember 2013 habe die Umweltministerin dem CEO Garry Drummond versichert, dass eine Lösung gesucht werde, um den Betrieb mit Barkassen bis März 2014 zu verlängern. Nach einem Besuch derDirektorin des Amtes für Umweltlizenzen habe sie dann am 8. Januar 2014 plötzlich den Stopp der Beladung mit Barkassen verfügt.

Drummond fühlt sich falsch und ungerecht behandelt. So sei z.B. Prodeco mehrfach eine Verlängerung der Hafenkonzession erlaubt worden, auch mit Barkassen, Drummond nun nicht. Auch sagt Drummond, dass der Unfall mit der Barkasse, wo eine unbestimmte, umstrittene Menge Kohle ins Meer gelangte, überbewertet werde. Die Barkasse habe sich in der Nacht mit Wasser gefüllt, was erst am nächsten Morgen entdeckt worden sei. Beim Versuch, das Wasser auszuschöpfen, sei leider auch Kohle ins Wasser gelangt, 200 Tonnen. Verschiedene Studien hätten aber gezeigt, dass Kohle nicht sehr umweltschädlich oder giftig sei, nur kurzfristig Störungen am Ökosystem verursache, dieses jedoch nach einem Monat schon wieder mehrheitlich erholt sei. Zudem erwähnt Drummond verschiedene andere Unfälle, die schwerwiegender waren und nicht so hart sanktioniert wurden. Auch wehrt sich Drummond gegen die Auflage, Meeresboden und Strände säubern zu müssen. Die schwarzen Strände würden von natürlichem Gestein in Küstennähe herrühren, nur maximal 0.75% sei Kohle. Zudem stamme die wenige Kohle nicht nur von Drummond, wenn schon müssten sich alle Unternehmen daran beteiligen. Zudem stelle sich die Frage, ob die maschinelle Beseitigung der kohlehaltigen Sedimente am Meeresgrund nicht schlimmere Umweltfolgen habe, als die Kohle dort zu belassen.[5]

Bedeutet das staatliche Vorgehen gegen Drummond ein Ende der Laissez-faire Politik?

Drummond droht nun damit, einen Grossteil der Arbeitsverträge ausser Kraft zu setzen.[6] Der Arbeitsminister und der Vizeminister haben die Drohung Drummonds, die Arbeitsverträge ausser Kraft zu setzen, mit scharfen Worten brieflich zurückgewiesen. Sie halten fest, dass die Arbeiter, die den neuen Hafen bauen, nicht am Streik beteiligt waren, der Bau also dadurch nicht verzögert wurde. Die Arbeiter, die unter Sintramienergetica streikten, hätten mit der Verspätung des Hafenbaus nichts zu tun, weshalb eine Entlassung gesetzwidrig sei und Drummond mit allen Konsequenzen rechnen müsste.[7] Tatsache ist, dass Drummond seit Jahren wusste, dass sie auf direkte Beladung umstellen muss, weshalb eh fraglich ist, warum die Fertigstellung so knapp erfolgt. Ebenso stimmt aber, dass Drummond jetzt sehr hart bestraft wird, verglichen mit früheren Versäumnissen auch von anderen Unternehmen. Der Staat hatte lange nicht kontrolliert, keine oder nur symbolische Strafen ausgesprochen, Fristen verlängert und Auflagen und Umweltlizenzen angepasst. Seit dem Amtsantritt von Juan Manuel Santos haben sich die Kontrollen aller Behörden verbessert und sämtliche Firmen wurden verstärkt sanktioniert. Unter Uribe stand Drummond  besser da und hatte einen besseren Draht zu hohen Regierungsfunktionären.  

Im Grundsatz sind die nun verfügten Sanktionen richtig und notwendig, die Frage und damit auch die Kritik ist, wieso es der Staat überhaupt soweit kommen liess, wo die Kontrollen und die rechtzeitigen Interventionen und Korrekturen früher waren? Auch trotz diesen nun verhängten Massnahmen und Sanktionen ist die Problematik im Bergbausektor noch lange nicht behoben, nicht nur im Umweltbereich, und nicht nur bei Drummond. Auch die anderen grossen Kohleminen verstossen immer wieder gegen Umweltauflagen, wie die Schliessung einer Abbaufront bei Glencores Prodeco 2013 zeigte. Es ist zu hoffen, dass nun auch die anderen Kohlenminen gleich stark kontrolliert und nötigenfalls sanktioniert werden. Und dass auch die Fragen nach Ehrlichkeit bei Steuern und Royalties, nach dem Respekt der Gewerkschaftsrechte, nach einem korrekten Umgang mit den Gemeinschaften und nach einer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht endlich rigoros aufgearbeitet werden.

Ein Entscheid mit weitreichenden Konsequenzen

Drummond entgehen grosse Einnahmen, denn 86% der Reserven hat Drummond in Kolumbien, woher auch der grösste Teil von Umsatz und Gewinn stammt. Der Kohlepreis ist wegen dem Exportverbot schon um über 3% gestiegen, anderen Unternehmen profitieren davon. Kolumbien gehen aber viele Deviseneinnahmen verloren, ihre Exportziele können nicht erreicht werden. Nicht nur das Vertrauen in Drummond als zuverlässigen Lieferanten sinkt, sondern auch das Vertrauen in Kolumbien als Kohlelieferant und als Investitionsstandort, in dem klare Regeln gelten, führen verschiedene Analysten an. Einige BeobachterInnen kritisieren, dass gegen Drummond eine einseitige Schlammschlacht geführt werde, dass die positiven Aspekte verdrängt würden. Auch Drummond zählt in einer Stellungnahme an all die Vorzüge auf, die ihre Tätigkeit dem Land Kolumbien bringe, wie die sozialen Investitionen in Schulen, Spitäler, Infrastruktur, die Stipendien etc. Ebenso legt Drummond die mehren Tausend Arbeitsplätze, die Steuern und Royalties in Millionenhöhe in die Waagschale. Drummond wurde auch schon zum Wahlkampfthema, verschiedene PolitikerInnen und Parteien machen mit dem Versprechen nach schärferen Auflagen und Kontrollen Wahlkampf.[8] Der ganze Skandal um Drummond schürt auch die Antibergbaustimmung. Interessant ist, dass das härtere Vorgehen der Regierung gegen Drummond in engem zeitlichem Zusammenhang mit der Veröffentlichung eines weiteren Berichtes der Contraloria zum Bergbau steht, in dem v.a. der Kohlesektor sehr schlecht wegkommt. Es ist zu hoffen, dass daraus eine sinnvolle Neuordnung des Sektors, eine weitere Stärkung der Behörden und eine striktere Aufsicht sowie effiziente Kontrollen über den Sektor resultieren. Dann könnte am Schluss ganz Kolumbien gewinnen.

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[1] http://www.miningweekly.com/article/glencores-colombian-port-has-no-room-for-drummond-coal---source-2014-01-13

[2] http://www.mining.com/drummond-declares-force-majeure-in-colombia-as-glencore-denies-it-access-to-coal-port-33171/

[3] La Republica, Problemas de las firma carboneras proyectan otro año negro para el sector minero del país, 16. Januar 2014. http://www.larepublica.co/economia/problemas-de-las-firma-carboneras-proyectan-otro-a%C3%B1o-negro-para-el-sector-minero-del-pa%C3%ADs

[4] Semana, Más problemas se vienen para Drummond,18. Januar 2014, http://m.semana.com/nacion/articulo/drummond-investigada-por-la-contraloria/371164-3

[5] Drummond Ltd. responde con hechos y pregunta ¿por qué?, http://www.drummondltd.com/drummond-ltd-responde-con-hechos-y-pregunta-por-que/

[6] http://www.caracol.com.co/noticias/actualidad/drummond-evalua-suspension-de-contratos-si-le-suspenden-operacion/20140108/nota/2050889.aspx

[7]http://www.elespectador.com/noticias/economia/mintrabajo-no-suspendera-contratos-drummond-rafael-pard-articulo-465821http://www.mintrabajo.gov.co/enero-2014/2779.html

[8] http://lasillavacia.com/lasillaenvivo/esta-perdiendo-drummond-su-licencia-social-46392

Aktuell

08.12.2016


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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com