12.03.2013

Deutsche Stromversorger und umstrittene Kohlelieferanten

12.03.2013 | von Richard Klassen, FIAN

Heute vor zwölf Jahren wurden die kolumbianischen Gewerkschafter Valmore Locarno und Victor Hugo Orcasita ermordet. Sie arbeiteten für das US-Bergbauunternehmen Drummond, das in Kolumbien Steinkohle für den Export abbaut. Im Januar wurde Jaime Blanco Maya, einer der Hauptangeklagten, zu 38 Jahren Haft verurteilt. Blanco Maya war zum Tatzeitpunkt als Subunternehmer von Drummond tätig. Er und andere Mittäter belasteten das Unternehmen im Verlauf des Prozesses so schwer, dass das Gericht die Staatsanwaltschaft anwies, Ermittlungen gegen mehrere Führungskräfte von Drummond einzuleiten.

Obwohl FIAN die deutschen Stromversorger und den Verein der Kohlenimporteure Mitte Februar auf diese Entwicklung hinwies, hat bis heute keines der Unternehmen erklärt, die Geschäftsbeziehung mit Drummond zu unterbrechen, bis alle Vorwürfe vorbehaltlos aufgeklärt sind.

Parallel zu den Verfahren in Kolumbien, die sich gegen einzelne Personen richten, steht Drummond in den USA auch in zwei zivilrechtlichen Verfahren als Unternehmen vor Gericht. Dabei geht zum einen um die Morde an den Gewerkschaftern und zum anderen um den Vorwurf, Drummond habe die paramilitärische Einheit „Juan Andrés Alvarez“ über Jahre mitfinanziert und trage daher eine Mitverantwortung für die zahlreichen Morde dieser Einheit in den Jahren 1999 und 2006.

„Wer selbst in solch eklatanten Fällen nicht aktiv wird, handelt nicht mit der gebotenen Sorgfalt, wie dies die UN-Leitlinien für Wirtschaft und Menschenrechte vorsehen“, so Sebastian Rötters, Bergbau-Referent von FIAN Deutschland.

Die Zurückhaltung der Stromversorger verdeutlicht das Dilemma. Einerseits geben sie vor, die Lieferanten auf strenge Standards zu verpflichten, andererseits sind sie offenbar nicht dazu bereit, Konsequenzen zu ziehen, wenn diese Standards nicht eingehalten werden. Die unternehmensgeführte Initiative „Better Coal“ wird in dieser Hinsicht keine Abhilfe schaffen, weil das Grundproblem erhalten bleibt: Transparenz ist nicht erwünscht und Sanktionsmechanismen sind Fehlanzeige. Die Einhaltung von international anerkannten Sozial- und Umweltstandards muss durch einen entsprechenden politischen Rahmen sichergestellt werden.

Währenddessen bleibt die Lage vor Ort kritisch. Nachdem Aníbal Pérez Parra, der Präsident der Vereinigung der erkrankten Drummond-Mitarbeiter (Asociación de Trabajadores Enfermos de Drummond – ASOTREDP) im Januar aufgedeckt hatte, dass Drummond regelwidrig Kohle ins Meer gekippt und daraufhin für einige Wochen die Lizenz zur Kohleverschiffung entzogen bekommen hatte, berichteten kolumbianische Medien Anfang März, dass Pérez Morddrohungen erhalten habe.

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