30.11.2018

Wo Kolumbiens Wasser fliesst: nationale Wasserstudie 2018

30.11.2018 | Von Fabian Dreher

Alle vier Jahre veröffentlicht das Institut für Hydrologie, Meteorologie und Umweltstudien (IDEAM) des Umweltministeriums (Minambiente) von Kolumbien eine nationale Wasserstudie. Nach 2014 ist momentan die Wasserstudie 2018 in Arbeit. Ein im November 2018 publizierter Vorabbericht[1] ermöglicht eine Übersicht über Oberflächen- und Grundwasser, Wassernutzung sowie Risiken und Gefahren für den Menschen im Umgang mit Wasser.

 

Wasser ist lebensnotwendig. Für uns Menschen, für Tiere, für Pflanzen. Ohne Wasser haben wir nichts zu essen, es gibt keinen Wirtschaftszweig, der ohne Wasser auskommt. Entsprechend wichtig ist es für moderne Gesellschaften, den Wasserkreislauf und seine Herausforderungen zu verstehen. Das kolumbianische Umweltministerium erstellt deswegen alle vier Jahre eine aktualisierte Version der Wasserstudie, die ein Gesamtbild des Wassers in Kolumbien darstellt. Ziel ist es, die notwendigen Informationen für wissenschaftlich fundierte Entscheide bereitzustellen.

 

Kolumbien ist reich an Wasser. Obwohl das Land nur gerade 0,7 Prozent der Landmasse ausmacht, verfügt es über schätzungsweise fünf Prozent der weltweiten Wasserressourcen. Dieser Wasserreichtum ist aber ungleich verteilt. Während ein Grossteil der Pazifikküste auch in trockenen Jahren genügend Wasser zur Verfügung hat, leidet ein Grossteil der Guajira auch in regenreichen Jahren unter Trockenheit. Im Durchschnitt verfügt ein Grossteil des Landes über genügend Wasser. Aber gerade urbane Räume um die Grossstädte Cali, Neiva, Bogotá, Montería, Cartagena, Tunja, Cúcuta und Bucaramanga weisen oft ein Wasserdefizit auf. So auch etwa 15 Prozent der Karibikregion sowie beinahe die gesamte Guajira. 391 Gemeinden in Kolumbien leiden unter Wasserknappheit, sei es weil zu wenig Wasser zur Verfügung steht, oder die Infrastruktur für die Bedürfnisse der Bevölkerung nicht ausreicht. In den Departementen La Guajira, Magdalena, Cesar, Tolima, Bolívar, Quindío, Santander, San Andrés und Providencia und Valle del Cauca leiden über 50 Prozent der Gemeinden unter Wasserknappheit.

 

Verheerende Überschwemmungen zerstören immer wieder Strassen und Häuser und kosten Menschenleben. Über 191‘000 km2 der Landesfläche von Kolumbien (ca. 17 Prozent) sind potenziell von Überschwemmungen bedroht. In diesen Gebieten leben über 3,2 Millionen Menschen. In den Departementen Casanare und Arauca machen diese sogenannten Schwemmflächen über 50 Prozent des Gebiets aus, weitere grössere Flächen befinden sich in den Departementen Sucre, Bolívar und Magdalena. Die Natur ist in diesen Gebieten an steigende und sinkende Wasserpegel angepasst. Probleme entstehen dort, wo der Mensch in solchen Gebieten siedelt oder wirtschaftlichen Aktivitäten nachgeht.

 

42 Prozent der Oberflächengewässer Kolumbiens (Seen, Lagunen, Sümpfe und Stauseen) befinden sich in der hydrologischen Region Orinoco, 30 Prozent in der Region Magalena Cauca und weitere 26 Prozent im Amazonas. Pazifik- und Karibikregion weisen nur sehr wenige Oberflächengewässer auf. 76 Prozent der Sümpfe Kolumbiens befinden sich in der Region Magdalena Cauca. Schlecht steht es um die Gletscher Kolumbiens. Wiesen diese 1980 eine Fläche von noch 87 km2 auf, so sind sie bis 2017 auf 37 km2 zusammengeschrumpft. Alleine zwischen 2016 und 2017 haben die Gletscher auf Grund des Klimaphänomens El Niño 6,4 Prozent ihrer Fläche eingebüsst. Man rechnet, dass Kolumbien bis Mitte des Jahrhunderts keine Gletscher mehr aufweisen kann.

 

Die Wasserqualität ist in Kolumbien stark unter Druck. Messungen entlang der Flüsse Cauca und Magdalena weisen eigentlich an keinem Punkt eine gute oder schon nur akzeptable Wasserqualität auf. Meist schwankt sie zwischen mässig (regular) und schlecht (malo). Sehr schlecht steht es um die Wasserqualität im Rio Magdalena kurz nach dem Zusammenfluss mit dem Rio Bogotá in Girardot. Gemessen wird die Wasserqualität anhand von sechs Variablen[2]. Für die Verschmutzung sind vor allem Industrie und Privathaushalte verantwortlich, in einigen Gebieten auch die Landwirtschaft. Letztere vor allem durch den Pestizideinsatz. Am meisten werden organische Phosphorverbindungen als Insektizide eingesetzt.

 

Im Vergleich wenig erforscht ist in Kolumbien das Grundwasser. Grundsätzlich ist die Nutzung von Grundwasser in weiten Gebieten des Landes möglich, allerdings überschneiden sich diese Gebiete oft mit denjenigen, die ebenfalls reich an Oberflächenwasser sind. Von den 61 heute bekannten Grundwassersystemen sind 43 noch zu wenig erforscht für eine Nutzung. 66 Prozent des heute genutzten Grundwassers wird von der Landwirtschaft verbraucht, weitere 22 Prozent von der Industrie. Hier hat Kolumbien sicherlich Nachholbedarf in der Erforschung lokaler und regionaler Grundwassersysteme. Denn eine Übernutzung bringt mittel- und langfristig viele negative Auswirkungen (Erosion, Absinken der Böden, Unfruchtbarkeit, Verschmutzung, etc.) mit sich.

 

Der Wasserverbrauch in Kolumbien ist gemäss der Studie in den letzten vier Jahren gestiegen. Am deutlichsten ist die Zunahme bei der Energieproduktion, dies kann mit der Inbetriebnahme des Staudamms Hidrosogamoso (Santander) erklärt werden. Erstaunlich ist der Rückgang bei der Landwirtschaft, die 2008 noch für 54 Prozent der Wassernutzung verantwortlich war, 2018 nur noch für 43 Prozent. Über 90 Prozent des in der Landwirtschaft genutzten Wassers stammt auch noch heute vom Regen, 10 Prozent wird über Bewässerungsanlagen verbraucht. Am meisten auf Bewässerung angewiesen sind dabei Ölpalmen und Zuckerrohr sowie Reis.

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