02/27/15

Hoffnung für den Atratofluss und dessen AnwohnerInnen

27.02.2015 | Von Stephan Suhner

Vor kurzem konnten mehrere afrokolumbianische und Bauerngemeinschaften aus dem Departement zusammen mit der Menschenrechtsorganisation Tierra Digna einen Zwischenerfolg im Kampf um einen intakten Lebensraum feiern. Am 27. Januar 2015 hatte das Verwaltungsgericht von Cundinamarca beschlossen, eine Klage für den Erhalt der sauberen Umwelt und des Lebensraums am Atrato-Fluss und dessen Einzugsgebiet gutzuheissen.

Die Tutela (Grundrechtsklage) wurde von den sozialen Organisationen Consejo Comunitario Mayor de la Organización Popular Campesina del Alto Atrato (COCOMOPOCA), Consejo Comunitario Mayor de la Asociación Campesina Integral del Atrato (COCOMACIA), Foro Inter-étnico Solidaridad Chocó (FISCH) und der Asociación de Consejos Comunitarios del Bajo Atrato (ASCOBA) vertreten durch Tierra Digna, eingereicht. Beklagt werden mit der Tutela 14 staatliche Behörden und 12 politische Gemeinden in den Departementen Chocó und Antioquia. Mit der Tutela soll bezweckt werden, dass das Recht auf Leben, Gesundheit, Wasser, Territorium und Nahrung geschützt wird. Der Atrato-Fluss und sein Einzugsgebiet sollen als saubere Umwelt und Lebensraum erhalten bleiben und mit den dafür notwendigen hygienischen Grunddienstleistungen in den Gemeinschaften entlang des Atrato-Flusses ausgestattet werden.

Die Forderungen der Grundrechtsklage
Der Atrato-Fluss und seine Zuflüsse wurden durch verschiedenste Faktoren enorm in Mitleidenschaft gezogen: der (häufig illegale) Goldabbau hinterlässt zerstörte Landschaften und führt zu Erosion und Verlandung des Flusses, die masslose Verwendung von Quecksilber verschmutzt das Wasser. Zudem findet im Einzugsgebiet des Atrato viel (illegaler) Holzschlag statt und die Abfälle vom Holzschlag führen zu gefährlichen Stauungen der Flüsse. In den Dörfern entlang des Flusses fehlt es an einer gesicherten Trinkwasserversorgung und Abwassersystemen, ebenso fehlen Mülldeponien und es gibt keine geeignete Beseitigung der Abfälle. Dies alles bedroht das Leben und die Gesundheit der BewohnerInnen entlang des Flusslaufes und stellt eine Gefahr ihrer Rechte dar.
Mit der Tutela ist die Hoffnung verbunden, dass dringende Massnahmen ergriffen werden, um den wasserreichsten Fluss der Welt und seine Zuflüsse zu schützen. Über 15 Flüsse und 300 Bäche fliessen in den Atrato-Fluss. Beim Atrato und seinem Einzugsgebiet handelt es sich auf Grund der geographischen Lage um ein ökologisch äusserst wichtiges Gebiet an der Brücke zwischen Nord- und Südamerika und damit obligatorischen Weg für den Austausch der Biodiversität.
Im Einzelnen fordert die Tutela folgende Punkte ein: es soll ein interinstitutioneller Arbeitstisch einberufen werden, der mit den notwendigen Ressourcen ausgestattet ist, um integrale und sinnvolle Massnahmen treffen zu können, die die Bedrohung und Verletzung der Rechte der Gemeinschaft stoppen. Ebenso sollen ausführliche Diagnosen über den Gesundheitszustand der Anwohner des Flusses, auch über die psychosozialen Auswirkungen, z.B. des Goldabbaus und der prekären Lebenssituation hergestellt werden. Die Gemeinschaften verlangen auch die Erstellung einer umfassenden Studie über die Wasserqualität sowie Garantien für grundlegende Massnahmen der Siedlungshygiene und der Versorgung mit Trinkwasser. Weiter erwarten sie die Umsetzung eines Notfallplanes, der die Versorgung mit Lebensmitteln sowie deren Anbau sichert und garantiert, dass die Lebensmittel nicht verschmutzt sind. Zu guter Letzt wird ein Moratorium für sämtliche Aktivitäten gefordert, die den Atrato und seine Zuflüsse beeinträchtigen.

Erster Erfolg auf einem weiten Weg
Der Hintergrund der juristischen Aktion zur Rettung des Atrato-Flusses ist, dass Tierra Digna im Oktober 2013 zusammen mit den sozialen Basisorganisationen eine juristische Bildungsinitiative namens Cultivadores de Dignidad lancierten, wodurch Gemeinschaftsmitglieder zu MenschenrechtsverteidigerInnen ausgebildet und befähigt werden, ihre Rechte auch juristisch einzufordern. Als erste konkrete Aktion daraus entstand die Idee, eine juristische Aktion zum Schutz des Atratos als Lebensraum zu lancieren. Es handelt sich bei dieser Tutela um eine der komplexesten Eingaben, da damit eine Vielzahl von Akteuren zum Handeln bewogen werden sollen, und weil noch nie derart integrale Schutzmassnahmen für ein derart grosses Gebiet gefordert wurden. Die Umsetzung der Tutela selbst hätte für den bisherigen irrationellen Ressourcenabbau und auch für staatliche Akteure einschneidende Folgen. Umso erfreulicher ist es, dass die Tutela für gültig erklärt wurde, obwohl den beteiligten Gemeinschaften klar ist, dass sie noch einen sehr weiten Weg vor sich haben.

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26.10.2016

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