09/02/11

Zum nachhaltigen Bergbau im Pacífico Colombiano

02.09.2011 | von Gloria H. Reyes, Übersetzung aus dem Spanischen Julia Bangerter

Die Debatte rund um den nachhaltigen Bergbau in Kolumbien gewinnt sowohl auf nationalem wie internationalem Niveau immer mehr an Bedeutung. In den letzten Jahren hat der Bergbau in bis anhin unvergleichbarem Masse zugenommen. Nicht umsonst ist der Bergbau von der neuen Regierung Juan Manuel Santos zu einer der Lokomotiven der nationalen Wirtschaft erklärt worden. Unklar bleibt jedoch auch nach dem Ersten Forum zum nachhaltigen Bergbau, wie diese Bergbau-Politik in Kolumbien ökologisch nachhaltig umgesetzt und in Verträglichkeit mit den Rechten ethnischer Minderheiten (u.a. dem Recht auf vorgängige Konsultation) gebracht werden kann.

Das Erste Forum zum Nachhaltigen Bergbau im Pacífico am Mittwoch 27. und Donnerstag 28. Juli hatte zum Ziel, eine Diskussion über nachhaltigen Bergbau anzukurbeln: ein Bergbau, der zur Umwelt Sorge trägt und die Rechte der betroffenen Gemeinden respektiert, unabhängig von deren Ethnie. Das Forum suchte gleichsam einen Rahmen für den Dialog mit Kleinschürfern zu schaffen, deren Aktivitäten aktuell noch immer illegal sind. Am vom Vize-Umweltminister Carlos Castaño Uribe organisierten Anlass waren Vertreter diverser ethnischer Gruppen, Funktionäre der lokalen und nationalen Regierung, Repräsentanten von Minenunternehmen, internationale Experten u.a. anwesend. Debattiert wurde über (den) nachhaltigen Bergbau, Gemeinschaftsbergau, Umweltrichtlinien, sowie Konflikte zwischen den Parteien im Pacífico. Zudem sah man das Forum als Möglichkeit, einen Dialog zwischen den verschiedenen Parteien aufzubauen, um nach Lösungen für die diversen durch den Bergbau generierten Konflikte zu suchen - insbesondere im Bereich Menschenrechte.

Ein Beispiel dieser Konflikte ist die Verletzung des Rechts auf vorgängige Konsultation oder jenes auf eine saubere, intakte Umwelt. Jedoch zeichnete sich immer mehr eine Polarisierung zwischen der Zivilgesellschaft, den Minenarbeitern und der Regierung ab, je weiter das Forum fortschritt.  Am Ende wurden methodisch-organisatorische Defizite des Forums offensichtlich. Weder hatten alle vertretenen Interessensgruppen Raum zur Darlegung ihrer Position, noch blieb den Vortragenden genügend Zeit. Auch ein eindeutiger Mechanismus zur Nachbearbeitung und Verfolgung der geäusserten Vorschläge und Vorsätze konnte nicht definiert werden.

Im Beitrag des Umweltministeriums wurde über die Absichten eben dieses Ministeriums informiert, einen Plan zur gesetzlichen Regelung des Bergbaus zu entwickeln, Best Practices zu fördern, die technische Forschung im Bergbausektor voranzutreiben, einen Rahmen zur Internationalisierung der Kosten zu schaffen, sorgfältiger mit den durch den Bergbau entstandenen Altlasten umzugehen und Fortschritte in der Abschaffung und/oder Kontrolle des illegalen Bergbaus zu erreichen. Offen bleibt aber die Frage, wer die Erfüllung dieser Versprechen überwacht und nachprüft.

Neben den guten Absichten der Regierung wurden im Forum auch die verschiedenen Widersprüche sichtbar. So erklärte der Direktor des Centro de Investigaciones Ambientales del Pacífico, William Klinger, dass zur Erhaltung der biogeografisch wichtigen Region, wie es das Pazifische Forstreservat aufgrund seiner Biodiversität eine ist, „Praktiken, welche den sozialen und ökologischen Einzigartigkeiten des Chocó nicht genügend Rechnung tragen, verhindert werden müssen.“ Das Pazifische Forstreservat beherbergt neben 60 Gemeinden und 126 indigenen Gemeinschaften auch vier wichtige Ökosysteme – Feuchtgebiete und Sümpfe, Regenwälder, Wüsten und Páramos – und den grössten Endemismus des Planeten. Im Pacífico finden sich daher viele Arten,  die einen besonderen Schutz verdienen, da sie nur in dieser Region anzutreffen sind.Die unvereinbaren Widersprüche werden durch folgende Gegenüberstellung offensichtlich: Das Centro de Investigaciones del Pacífico schlägt vor, dass 12,31% des Forstreservats in seiner ursprünglichen Form zu konservieren sei, 31,24% für die nachhaltige Nutzung freigeben werden könnte, 54,93% unter Schutz zu stellen und 1,49% wiederaufzuforsten sei. 0,02% der Fläche solle der urbanen Entwicklung dienen. In derselben Region sind zum aktuellen Zeitpunkt 305 Bergbautitel vergeben und 2‘337 Anträge hängig. Dieses Gebiet der Bergbauanträge und Titel entspricht 56,7% des Reservats und wird nun in keiner Art und Weise nach dem ursprünglichen Ziel des Schutzes genutzt, sondern an den Bergbau abgetreten. Obschon das Forum eine wichtige Initiative darstellt, bleibt festzuhalten, dass es damit noch nicht getan ist; ein Zweites und Drittes muss folgen. Zudem ist es unabdingbar, dass solche Anlässe und Initiativen Mechanismen zur Nachverfolgung hervorbringen, die es erlauben, tatsächlich ein Modell des nachhaltigen Bergbaus zu entwickeln. Erst ein solches kann zu einer Gesamtentwicklung beitragen, in welcher der Bergbau als Entwicklungsmodell fungiert, das nicht nur einige wenige Unternehmen – und die Nationalregierung – bereichert, sondern zum Wohl(stand) der lokalen Gemeinschaften beiträgt.

Aktuell

08.12.2016


Spenden an die ask!

Wir leisten unsere Arbeit für die kolumbianische Zivilgesellschaft mit viel Herzblut. Um unsere Kosten zu decken, sind wir auf Spenden angewiesen.

Wir freuen uns entsprechend über eine Spende auf:
PC-Konto 60-186321-2
(
IBAN CH33 0900 0000 6018 6321 2)

26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com