12/22/17

Die Wachspalme, Kolumbiens schutzloser Nationalbaum

22.12.2017 | Von Stephan Suhner

Zwischen den Departementen Tolima und Quindío liegt das Flusstal des Tochecito, wo der grösste Wald von Wachspalmen Kolumbiens steht. Auf 4‘500 Hektaren stehen ca. 600’000 Palmen von 700’000, die in ganz Kolumbien existieren. Dieses Gebiet liegt versteckt hinter Bergen und war jahrzehntelang durch den bewaffneten Konflikt isoliert. Die Wachspalme ist Kolumbiens Nationalbaum und ist als einzige Pflanze Kolumbiens individuell per Gesetz geschützt (Gesetz 61 von 1985). Dieses Gesetz sieht die Schaffung von Nationalparks und Schutzgebieten für die Palma de Cera

Die Palme wächst von Venezuela bis Bolivien. Tochecito ist in Kolumbien der einzige Wald mit einer bedeutenden Anzahl von Wachspalmen. Die meisten anderen Palmen stehen auf Weiden und haben schon ein beträchtliches Alter erreicht. Damit junge Palmen wachsen können, brauchen sie genügend Licht, aber keine direkte Sonne. Unter einer erwachsenen Palme können so Hunderte junge Palmen spriessen. Auf den Weiden können sich die Palmen ohne ausreichenden Schutz kaum fortpflanzen, da sie vom Vieh niedergetrampelt oder gefressen werden. Die Frage ist, was mit Grundstücken passieren soll, die in Privatbesitz sind, beispielsweise als Weide genutzt werden und wo es noch Palmen gibt. Der Staat hat keine ausreichenden Mittel, um solche Grundstücke aufzukaufen, also müssen Lösungen mit den Besitzern gefunden werden, die ihnen eine genügende Rentabilität und trotzdem den Schutz der Palme gewährleisten.      

Der Palmenwald von Tochecito ist ein wichtiger Korridor für die Fauna und versorgt die Tierwelt mit Nahrung, da jede Palme bis zu 24‘000 Früchte pro Jahr produziert. Der Stamm der Palme ist zudem auch Nistplatz des endemischen Vogels Loro orejiamarillo, der vom Aussterben bedroht ist. Naturschützer befürchten, dass Tochecito dasselbe Schicksal ereilt wie das Valle del Cocora in Quindio, das bisher bekannteste Tal mit Wachspalmen und eine Touristenattraktion. Die Mehrzahl der Palmen im Valle del Cocora sind erwachsen und stehen isoliert oder in Kleinstgruppen auf Weiden, wo sie sich nicht vermehren können. In den nächsten Jahrzehnten wird die Mehrheit der Palmen im Valle del Cocora eine Höhe von über 40 Meter erreichen und absterben, ohne das Jungpalmen aufkommen können.

In Tochecito leben Kleinbauern, viele sind Opfer des bewaffneten Konflikts. Der Palmenwald ist auch schon durch Vieh- und Landwirtschaft betroffen, könnte heute aber noch als einzigartiges Ökosystem geschützt werden. Die Frage ist, wie er geschützt werden soll. Wird er zum Nationalpark erklärt, kann die lokale Bevölkerung das Territorium nicht mehr nutzen, wird er lediglich zu einem Gebiet mit integralem Management (Distrito de Manejo Integrado (DMI)) erklärt, ist er z.B. nicht vor Bergbau geschützt. Die Lösung könnte die schützende Forstreserve (reserva forestal protectora) sein, eine Weiterentwicklung der traditionellen Forstreserve, wo eine nachhaltige Nutzung erlaubt wäre.

Das Minenunternehmen Anglo Gold Ashanti (AGA) verfügt in Tochecito über vier Bergbautitel. Die lokale Bevölkerung will keinen Bergbau, sondern Ökotourismus. AGA sagt, dass ihr die Notwendigkeit des Schutzes bewusst sei und sie in der Region Aufforstungsprojekte betreibe, unter anderem mit 3100 Wachspalmen. Zudem habe Anglo Gold Ashanti im Juli 2017 zwei Titel der nationalen Bergbauagentur zurückgegeben, zwei Titel seien juristisch angefochten, weshalb AGA keinerlei Recht über diese Titel ausüben könne. Vor dem Hintergrund der potentiellen Bedrohung durch den Bergbau wäre eine schützende Forstreserve die ideale Schutzform, die den Bergbau ausschliesst, Privatbesitz aber erlaubt und eine nachhaltige Nutzung, die die Palmen schützt, ermöglicht.[1]

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[1] El Tiempo, El lugar con más palmas de cera en el mundo está desprotegido, 4. Dezember 2017, in: http://m.eltiempo.com/vida/medio-ambiente/en-el-rio-tochecito-esta-el-lugar-con-mas-palmas-de-cera-en-el-mundo-que-esta-desprotegido-158072

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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

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