Der Widerstand der Bevölkerung gegen die Auswirkungen der Erdölförderung

 | von Ann-Seline Fankhauser

Vom 9. bis 11. November fand in Yopal, Casanare, das erste regionale Erdölforum statt. Rund 32 Organisationen und Gemeinschaften haben dazu aufgerufen rund um den Titel "El negocio petróleo y su impacto en la región"  (Das Erdölgeschäft und dessen Auswirkungen auf die Region) zu diskutieren und alternative Lösungen zu erarbeiten.

Der von der Regierung gepriesene Bergbau- und Erdölboom der letzten Jahre, welcher für Wachstum, Entwicklung und Marktöffnung steht, wird von den Organisatoren des Erdölforums mit Umweltzerstörung, Ernährungsunsicherheit und Autonomieverlust der ansässigen Gemeinschaften gleichgesetzt. Vom Reichtum der Bodenschätze haben die Leidtragenden der direkten Konsequenzen der Erdölförderung bis anhin nicht profitieren können. Statt in Infrastruktur, Schulen und Gesundheit der ansässigen Bevölkerung zu investieren, hat der "neue Reichtum" der Gemeinden durch die regalías aus dem Erdölgeschäft parapolítica und Korruption befördert und den Konflikt um Land, Macht und Einfluss nur noch verschärft.  Obwohl die Gemeinden immer reicher werden, nehmen Armut und Ungleichheit in der Bevölkerung weiter zu. Eine weitere direkte Folge des Erdölbooms ist die Zunahme an Menschenrechtsverletzungen und die Kriminalisierung von Gemeinschaftsführern und sozialen Bewegungen, die sich gegen die Zerstörung ihres angestammten Lenbensraums und die Missachtung ihrer Rechte zur Wehr setzen.

Die negativen Folgen der Erdölförderung

Am ersten Tag des Forums wurde deutlich, welches die dringendsten Probleme sind mit denen die Bevölkerung als direkte Folge der massiven Oelförderung zu kämpfen haben:

·         Outsourcing der Arbeit und Präkarisierung der Arbeitsbedingungen. Die grosse Mehrheit der bei den Multinationalen Unternehmen angestellten Arbeitskräfte werden nicht direkt angestellt, sondern über Drittfirmen.

·         Individualisierung und Solidaritätsverlust innerhalb der Gemeinschaften. Der Bauer der vormals als Teil einer Gemeinschaft Land bebaut hat, tritt nun in ein individuelles Vertragsverhältnis und somit in Konkurrenz mit den anderen Gemeinschaftsmitgliedern.

·         Menschenrechtsverletzungen. Druch Drohungen, Vertreibungen und Morde werden soziale und politische Organisationen,die sich für das Wohl der Bevölkerung einsetzen eingeschüchtert wodurch sich ihre Mobilisierungsmöglichkeiten vermindern.

·         Paramilitarisierung. Als Strategie die durch die Multinationalen Unternehmen benötigten Böden zu enteignen.

·         Regalías (der Anteil am Gewinn der Erdölförderung/des Bergbaus, der in die Regionen zurückfliesst) fördern die Korruption der lokalen politischen Sektoren während es der Bevölkerung an den grundlegenden öffentlichen Dienstleistungen mangelt.

·         Massive Umweltzerstörung.

Die in Kolumbien eifrig vorangetriebene Erdölförderung und der Bergbau haben zweifellos unmittelbare ökologische, ökonomische, soziale, politische, kulturelle und menschenrechtliche Konsequenzen für die ansässige Bevölkerung. Die Forumsteilnehmer waren sich einig, dass sich seit der Ankunft der Oelmultis vor allem das kulturelle und soziale Leben der Gemeinschaften verändert habe. Die Konkurrenz in der Bevölkerung eine Arbeit auf den Oelfeldern zu ergattern, der zunehmende Rückgang landwirtschaftlicher Tätigkeit und eine neue Konsumkultur beeinflussen das Gemeinschaftsleben negativ. Auch der massive Eingriff in die Umwelt und deren physische Veränderung wird immer wieder betont. Flussläufe wurden verändert, teils sind die Flüsse ganz ausgetrocknet oder das übriggebliebene Wasser ist total verschmutzt. Auch Wälder wurden abgeholzt und kleine Gutsbetriebe sind den Oelquellen zum Opfer gefallen.

Lokaler Widerstand in Puerto Gaitán

Als jüngstes Beispiel für den Widerstand der lokalen Bevölkerung gegen die Auswüchse der Erdölförderung können die Proteste der Arbeiter von Campo Rubiales und der Bevölkerung von Puerto Gaitán im Departement Meta angesehen werden. Seit Juli haben die Oelarbeiter mehrer Male die Arbeit niedergelegt um gegen die prekären Arbeitsbedingungen beim kanadischen Oelmulti Pacific Rubiales Energy zu protestieren. Im Vordergrund steht die Forderung um sichere Anstellungsbedingungen. Bei der Betreiberfirma der Oelfelder von Campo Rubiales, Meta Petroleum, sind nur gerade 535 von 12 644 Arbeitern direkt angestellt. Die übrigen 12 109 sind über Drittfirmen mit den sogenannten contratos veintiocheros (28 Tage - Verträge) angestellt. Die Arbeiter, die meist aus anderen Regionen des Landes kommen, arbeiten 21 Tage am Stück, werden unter bedenklichen hygienischen Bedingungen untergebracht und Reisen dann für 7 Freitage nach Hause. Doch oftmals werden diese Verträge nach einem Monat nicht erneuert. Durch die Auslagerung der Anstellung an Drittfirmen entziehen sich die Oelmultis ihren arbeitgeberischen Verpflichtungen und zeichnen sich bei arbeitsrechtlichen Verletzungen nicht verantwortlich.

Die Arbeiter von Campo Rubiales und die lokal ansässige Bevölkerung haben mit der Unterstützung der nationalen Oelarbeitergewerkschaft USO (Unión Sindical Obrera de la Industria del Petroleo) einen Forderungskatalog eingereicht der Forderungen in den Bereichen Sozialinvestitionen, Arbeitssicherheit, gerechte Entlöhnung, Einstellung lokaler Arbeitskräfte, Umweltzerstörung, usw. enthält.

Die versprochenen Verhandlungen wurden von der Firmenleitung jedoch immer wieder aufgeschoben und die friedlichen Sitzblockaden der Arbeiter mit Hilfe der nationalen Sicherheitskräfte und unter Einsatz von Gewalt aufgelöst. An den Streiken beteiligte Arbeiter und Gewerkschaftsmitglieder wurden entlassen und solche die neu eingestellt werden wollen, werden gezwungen aus der USO auszutreten. Die Firmenleitung ging gar soweit in den Medien eine angebliche Einigung im Arbeitskonflikt bekannt zu geben. Die Einigung wurde aber mit den in der firmeneigenen Gewerkschaft organisierten Arbeitern erzielt, welche sich nie an den Streiks beteiligt hatten.

Dass sich eine Multinationale Firma ohne weiteres über gesetzliche Bestimmungen hinwegsetzen kann (denn die Arbeiter fordern nichts, was ihnen per Gesetz nicht zustehen würde) zeigt einmal mehr die Mittäterschaft des kolumbianischen Staates, der im Namen des Profits einiger Weniger eine arbeiter- und gewerkschaftsfeindliche Politik betreibt und unterstützt.

Die Wichtigkeit der Organisation und der Vernetzung der Zivilgesellschaft ist in diesem Kontext um so wichtiger um Druck gegenüber den Multinationalen Unternehmen wie auch gegenüber der kolumbianschen Regierung aufzubauen.

Genau dies war auch das Ziel des ersten regionalen Erdölforums in Yopal, nämlich die verschiedenen Organisationen zu vernetzen und die direkt betroffene Bevölkerung in die Ausarbeitung von Alternativen zum vorherrschenden Energie- Fördermodel mit einzubeziehen. In verschiedenen Arbeitsgruppen wurden Erfahrungen ausgetauscht um dann einen gemeinsamen Aktionsplan zu erarbeiten und alternative Handlungsansätze gegenüber der Vorherrschaft des Oelsektors im östlichen Kolumbien zu entwerfen.

 

Quellen:

http://notiagen.wordpress.com/2011/11/03/organizaciones-del-centro-oriente-colombiano-convocan-a-un-foro-para-construir-alternativas-a-los-impactos-de-la-explotacion-petrolera/

http://notiagen.wordpress.com/2011/11/10/culmina-el-primer-dia-del-foro-regional-petrolero-%e2%80%9cel-negocio-del-petroleo-y-su-impacto-en-la-region%e2%80%9d-en-yopal-casanare/

http://notiagen.wordpress.com/2011/11/11/segundo-dia-del-foro-petrolero-en-yopal-%c2%abla-llegada-de-las-empresas-petroleras-ha-cambiado-la-vida-cultural-y-social-de-las-comunidades%c2%bb/

http://usofrenteobrero.org/index.php?option=com_content&view=frontpage&Itemid=1

http://www.periferiaprensa.org/index.php?option=com_content&view=article&id=780:pacific-rubiales-un-enclave-en-puerto-gaitan&catid=90:contra-el-despojo&Itemid=134

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08.12.2016


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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com