04/18/10

Der Traum von der panamerikanischen Autobahn und der Kampf um das Darien-Hindernis

18.04.2010 | von Sylvia Meyer

Ganz Amerika ist durch eine Autobahn verbunden. Ganz Amerika? Nein! Auf dem Isthmus von Darién, der Landbrücke von Mittel- nach Südamerika, hört die CAVIDA-Gemeinschaft nicht auf, Widerstand gegen die Zerstörung der Natur und ihres traditionellen Lebensraumes zu leisten.

Was an den berühmten Kampf des fiktiven Gallierdorfes gegen die Römer im Jahr 50 v. Chr. erinnert, ist seit Jahrzehnten Realität. Die vorwiegend afrokolumbianische CAVIDAGemeinschaft sowie Indigene und Mestizen müssen ihren Lebensraum erneut verteidigen. Nur zehn Jahre nachdem die Menschen nach gewaltsamer Vertreibung in ihre Heimat zurückkehren konnten, sind sie erneut bedroht. Sie wehren sich gegen den Bau des ca.100 Kilometer langen fehlenden Teilstücks der panamerikanischen Autobahn, der für sie und die Natur verheerende Folgen hätte. Der Streckenabschnitt auf kolumbianischer Seite der Grenzregion Darién im Chocó ist klammheimlich als Teil eines Megainfrastrukturprogramms geplant worden und soll innerhalb von vier Jahren realisiert werden. Das Regierungsdokument Conpes 3612 vom September 2009 enthält Pläne zu finanziellen Mitteln und Strategien zur Realisierung der so genannten Transversal de Las Américas. Im November
des gleichen Jahres gab es bereits eine öffentliche Ausschreibung des Transportministeriums, die verschiedene Aspekte von Brückenbau über Umwelt-Lizenzen und -Studien umfasste.

Erklärtes Ziel des Projekts ist die infrastrukturelle Erschliessung des Nordostens: Die Wettbewerbsfähigkeit des Landes soll so gesteigert, der Norden besser erschlossen, die Unfallrate gesenkt und der Tourismus wie auch die ökonomische Entwicklung gefördert werden. Regierungspläne zeigen, dass so letztlich eine Verbindung entlang der Nordostküste von der panamaischkolumbianischen Grenzen bei Palo de Letras bis nach Paraguachón an der kolumbianischvenezolanischen Grenze geschaffen würde.

Als größtes Hindernis für die so genannten Entwicklungspläne der Regierung kann dabei ironischer Weise der Tapón de Darién, die auf Deutsch aufgrund ihrer schweren Passierbarkeit Darién- Hindernis genannte Region, bezeichnet werden. Ökologische Gründe, aber auch die Rechte der autochthonen Bevölkerung sprechen klar dagegen, das letzte fehlende Teilstück der Panamericanazu bauen. Der Darién ist eine Region, die sich durch ihre einzigartige Flora und Fauna auszeichnet. Der dort in den 1970-er Jahren eingerichtete Nationalpark Los Katios wurde 1994 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Von den Pflanzen, die in dem Naturpark direkt an der Grenze zu Panama vorkommen, ist fast ein Viertel endemisch. Die Tierwelt, die dort beheimatet ist, zeigt den Wechsel der Arten von Nordamerika nach Südamerika, der vor Millionen vor Jahren begann und bis heute nachweisbar ist. So finden sich beispielsweise Mäusearten, die sonst nirgendwo in Südamerika vorkommen, aber für Mittelamerika charakteristisch sind. Erst im vergangenen Jahr entdeckten Forscher verschiedene, bislang unentdeckte Frosch- und Affenarten.Weil auch viele bedrohte Spezies dort noch heimisch sind, bezeichnen Umweltschutzorganisationen das Gebiet als „wahre Arche Noah“.

Der geplante, insgesamt 62 Kilometer lange Streckenabschnitt von Lomas Aisladas über Cacarica nach Palo de Letras würde unter anderem diesen Nationalpark durchqueren, der aus Tieflandsumpfgebieten und tropischem Bergregenwald besteht. Eine Trockenlegung der Sumpfgebiete wäre erforderlich, um die Strasse zu befestigen. Die Erschliessung bedeutet folglich einen massiven Eingriff in den Wasser- und CO2-Haushalt der Region und letztlich Auswirkungen auf das Klima. Ausserdem liegt ein Teil der Strecke im Territorium verschiedener autochthoner Bevölkerungsgruppen.

Erst im April 1999 war den Menschen am Cacaricafluss durch die damalige Agrarreformbehörde Instituto Colombiano de la Reforma Agraria (INCORA) das Land offiziell zugeteilt worden. Im Jahr 1997 waren in der Operation Genesis, die von Paramilitärs in Übereinkunft mit der Regierung durchgeführt worden war, dutzende Bewohner getötet worden. Insgesamt wurden bei der Massenvertreibung 3800 Menschen ihrer Heimat beraubt. Ab dem Jahr 2000 kehrten 2500 von ihnen in einem langwierigen Prozess zurück. Die Bewohner sehen heute ihre traditionelle Lebensweise nicht zuletzt bedroht, da sich ihre Fortbewegung auf die zahlreichen Wasserstrassen konzentriert. Sie beklagen, dass der Staat sich nicht an die von ihm 1991 ratifizierte ILO-Konvention 169 zum Schutz Indigener und in Stämmen lebender Völker gehalten habe. Zudem wurde ihr Recht auf vorherige Information über Bebauungspläne verletzt. Durch die infrastrukturelle Erschliessung der Region könnte sich der Druckauf die Bewohner erhöhen, denn im Gebiet des Rio Cacarica fliessen verschiedene Interessen zusammen. Das Land wird ökonomisch wertvoller und bereits jetzt sind zunehmende Aktivitäten ausländischer Investoren zu verzeichnen, die versuchen, Land zu erwerben. Ölpalmen und Bananenmonokulturen sind im Gespräch, aber auch der Holzschlag im industriellen Stil. Der infrastrukturelle Anschluss befördert ebenfalls die Ausbreitung illegaler Zuwanderung, Brandrodungund Landnutzung, wie entlang der Panamericana in der Region bereits zu beobachten ist.

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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

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