02/28/11

Beginn der Landrückgabe in den Montes de María

28.02.2011 | Ann-Seline Fankhauser

Im Rahmen eines Pilotprojekts für die Landrückgabe wurden Anfang Februar in den Montes de María 93 Grundbesitztitel an vertriebene Familien übergeben.
Doch die Rückkehr der Vertriebenen in diese, von der violencia gezeichnete Region, wird überschattet von der Unsicherheit und der Angst vieler Bauern.

Im Verlauf dieses durch die Kolumbianische Regierung inizierte Projekt zur Landrückgabe in den Montes de María sollen bis zu 1000 Besitztitel an vertriebene und enteignete Bauern übergeben werden. Es ist kein Zufall, dass gerade die Bewohner von Mampuján im Fokus des Regierungsprogrammes für die Landrückgabe stehen. Nachdem die Bewohner im Jahr 2000 nach Masakern durch die Paramilitärs geflüchtet waren, wurde im Juni 2010 in Mampuján im Rahmen des Gesetzes Justicia y Paz das erste Gerichtsurteil gesprochen.
Neben der im Gesetz vorgesehenen Alternativstrafe von 8 Jahren für die zwei Exparamiliär-Anführer Edward Cobos, alias ‚Diego Vecino’ und Úber Bánquez, alias ‚Juancho Dique’, sollten die Opfer entschädigt, sowie die Möglichkeit zur Rückkehr garantiert werden. Es wurde also nicht nur die Landrückgabe an die Vertriebenen zugesichert sondern auch die finanzielle Unterstützung und Investitionen durch die Regierung in der Region sollten gewährleistet werden.

Komplizierte Besitzverhältnisse

Nicht nur Flucht und massive Vertreibung sondern auch die traditionel unsicheren und informellen Landbesitz- und Nutzverhältnisse in der Region der Montes de María gestalten die Zuteilung des enteigneten oder verlassenen Landes jedoch sehr schwierig.
Der Besitzanspruch durch die Kleinbauern beruht mehrheitlich auf der seit Generationen betriebenen Bewirtschaftung des Landes und nicht auf formell eingetragenem Grundbesitz. Durch Enteignung und Vertreibung durch die Guerilla und die Paramilitärs wurden die informellen Besitzverhältnisse zusätzlich kompliziert. Auch versuchten viele Vertriebene ihr Land zu Tiefstpreisen zu verkaufen. Die Situation verschärfte sich zudem seit 2008 mit dem massiven Aufkauf von Land durch Agromultis für agroindustrielle Grossprojekte wie die Ölpalmenbepflanzung.

Es wird schnell klar, dass es also nicht nur darum geht Land an Vertriebene zurückzugeben. Vielmehr müssen Besitzverhältnisse geklärt werden, Grundbesitztitel formalisiert und eingetragen werden, sowie Investitionen getätigt und Agrarprojekte durch die Regierung angestossen werden.Mit einer integralen Landpolitik (política integral de tierras) verfolgt die Regierung denn auch zwei Hauptziele: einerseits die Landrückgabe an die Opfer von Vertreibung und Enteignung, andererseits die Schaffung von sogenannten zonas de reserva campesina.Mit der Etablierung dieser Zonen soll die Konzentration von Land zukünftig verhindert und gleichzeitig eine nachhaltige Agrarentwicklung ermöglicht werden.

Die zonas de reserva campesina

Die Idee der zonas de reserva campesina geht auf die Mobilisierungen der Bauern ende der 90er Jahre und der daraus entstandenen Asociación Campesina del Valle de río Cimitarra (ACVC) zurück. Die zonas de reserva campesina gingen als explizites juristisches Instrument aus den Verhandlungen mit der Regierung Pastrana hervor und bieten heute die Grundlage im Kampf der ACVC für die Anerkennung von Landrechten.
Die zonas de reserva campesina propagieren ein Modell der ländlichen und wirtschaftlichen Entwicklung, das auf Nachhaltigkeit und Subsistenzwirtschaft basiert. Durch die sogenannte Unidad Agrícola Familiar soll die Konzentration von Land und somit der Grossgrundbesitz verhindert und die sozialen Konflikte überwunden werden. Dieses Projekt steht jedoch in krassem Gegensatz zur neoliberalen Entwicklungspolitik mit ihren agroindustriellen Grossprojekten. Während der Regierungszeit Uribe’s wurden den zonas de reserva campesina unter dem Vorwand der Subversion denn auch die Legitimität abgesprochen.
Dass die Etablierung der zonas de reserva campesina, diese zentrale Forderung der Bauernvereinigungen nun im Regierungsprogramm zur Landrückgabe unter Santos einen prominenten Platz einnimmt, ist somit erstaunlich. Und es bleibt die Frage inwieweit diese legitimen Forderungen der Bauern durch die Regierung instrumentalisiert werden. Ob es gelingt, trotz allen guten Absichten, die Landkonzentration zu verhindern, bleibt abzuwarten. Dies hängt schlussendlich nicht nur von der Anerkennung von Landtiteln ab.

Die schwierige Rückkehr

Denn die Konsequenzen von Konflikt und Vertreibung sind weitreichender als dass die Probleme mit der Landrückgabe an die Kleinbauern gelöst wären.
Neben der massiven Kultivierung der Ölpalme durch Agromultis sind weite Landstriche nach 10 Jahren des Verlassens Ödland. Damit dieses Land wieder bewirtschaftet werden kann, braucht es Investitionen für die die Kleinbauern die Mittel schlicht nicht haben. Für viele ist es daher lukrativer ihr wiedererworbenes Land zu verkaufen als zurückzukehren. Ein weiteres Problem sind die über Jahre der Nichtbewirtschaftung ausgebliebenen Einkünfte wodurch Schulden und Zinse durch die Bauern nicht abbezahlt werden konnten. Auch in diesem Fall wird es schwierig sein, sich einer Kaufofferte seitens eines Agromultis oder eines Grossgrundbesitzers zu verweigern.
Auch schürt die Anwesenheit von kriminellen Banden und von narcos immer noch Unsicherheit und Angst in der Bevölkerung.

Die guten Absichten der Regierung die Ordnung in der Region wiederherzustellen und die ländliche und wirtschaftliche Entwicklung durch finanzielle und technische Unterstützung wieder anzukurbel, wurden jedoch bis jetzt noch nicht in konkrete Projekte umgesetzt. Die Angst der Bevölkerung von der Regierung erneut alleine gelassen zu werden, und dass sich die Geschichte wiederholen könnte, bleibt.

download pdf

Aktuell

08.12.2016


Spenden an die ask!

Wir leisten unsere Arbeit für die kolumbianische Zivilgesellschaft mit viel Herzblut. Um unsere Kosten zu decken, sind wir auf Spenden angewiesen.

Wir freuen uns entsprechend über eine Spende auf:
PC-Konto 60-186321-2
(
IBAN CH33 0900 0000 6018 6321 2)

26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com