02/28/13

Streik der Kaffeebauern – mehr als nur eine Krise der Landwirtschaft

28.02.2013 | von Ann-Seline Fankhauser

Am 25. Februar 2013 traten die kolumbianischen Kaffeeproduzenten in einen unbefristeten Streik. In 10 Departementen kam es zu Protesten und Strassensperren, welche durch die Sicherheitskräfte teils gewaltsam aufgelöst wurden. Kleine und grössere Kaffeproduzenten fordern von der Regierung umfassende Unterstützung und Subventionen für die Produktion sowie ein Importverbot, um das Überleben des Sektors zu garantieren.

Der Kaffeesektor, der in der Vergangenheit massgeblich zur Entwicklung der ländlichen Regionen beitrug und in der Gegenwart immer noch das am besten angesehene kolumbianische Exportprodukt ist, liegt in Ruinen.[1] Die Erträge sind seit einigen Jahren kontinuierlich zurückgegangen und die Exporte innerhalb der letzten 20 Jahre drastisch gesunken. (1993 17 Millionen Säcke; 2012 7,7 Millionen Säcke). [2] Der Handelspreis für Kaffe fiel 2012 an der New Yorker Börse um 30%. Heute deckt der auf dem Markt erzielte Preis die Produktionskosten der kolumbianischen Kaffeeproduzenten nicht mehr.

Für die aktuelle Krise lassen sich den Kaffeeproduzenten zufolge drei Hauptfaktoren ausmachen: 1) Die Öffnung der Märkte und die Sistierung des internationalen Kaffeeabkommens 1989[3], welches fixe Quoten für die Exportländer festlegte; 2) der massive Preiszerfall der letzten Jahre auf dem Weltmarkt; 3) die Aufwertung des kolumbianischen Peso gegenüber dem Dollar; 4) sinkende Produktivität und Erträge, welche teils durch klimatische Veränderungen bedingt sind.

Der Kongressabgeordnete Jorge Robledo, der seit mehr als einem Jahr versucht, die Regierung auf die Kaffeekrise aufmerksam zu machen, betont dass es sich hier nicht um eine Krise eines Landwirtschaftssektores handelt, sondern um eine nationale Krise.[4] Der Kaffeesektor ist heute immer noch der grösste Arbeitsgeber in der Landwirtschaft. Von der Krise betroffen sind nicht nur die 560 000 Produzentenfamilien, sondern gleichwohl Händler, Transporteure, etc. Seitdem der Kaffeepreis und somit die Kaffeeproduktion durch die Nachfrage bestimmt wird (1989), sind die Preise ständig gesunken. Produzentenländer wie Brasilien und Vietnam passten sich besser an die neuen Bedingungen an. Fehlentscheide der kolumbianischen Regierungen und der Führungsgremien der Federación de Cafeteros, in denen unter anderem auch der heutige Präsident Santos und der aktuelle Landwirtschaftsminister Juan Camilo Restrepo sassen, führten dazu, dass der Kaffee für den nationalen Konsum heute importiert werden muss.

Aufgrund der fehlenden Unterstützung der kleinen und mittleren Produzenten durch die kolumbianische Regierung wurde im Februar 2012 das Movimiento Nacional por la Defensa y la Dignidad Cafetera (MNDDC) gegründet. In einem Forderungskatalog an die kolumbianische Regierung fordern die Kaffeeproduzenten unter anderem technische und finanzielle Unterstützung des Sektors durch den Staat, eine Lösung des Verschuldungsproblems, sowie die Garantie für höhere und stabile Kaffeepreise. Zudem sprechen sich die Produzenten gegen das aktuelle Wirtschaftsmodell und die Freihandelsabkommen aus. Seit August 2012 kam es zu verschiedenen Protesten und Kundgebungen, ohne jedoch eine Antwort der Regierung auf die gestellten Forderungen zu erhalten.

In ersten Reaktionen auf den nationalen Streik versuchte die Regierung die schwere der Krise herunterzuspielen, die Proteste wurden als nicht legitim bezeichnet und es wurden Anspielungen auf eine mögliche Infiltrierung der FARC gemacht. Die Antwort der Regierung war somit einmal mehr eine militärische, sowie die Deslegitimation des sozialen Protestes. Die Regierung erklärte sich zwar bereit mit der Federación de Cafeteros zu verhandeln, den Kaffeeproduzenten zwei weitere Jahre zu geben, um ihre Schulden bei der Banco Agraria zu bezahlen, sowie weitere Unterstützungszahlungen zu leisten.[5] Die streikenden Kaffeeproduzenten sehen sich durch die Federación de Cafeteros jedoch nicht vertreten und fordern  keinen Aufschub ihrer Schulden sondern eine nachhaltige Lösung für die Kaffeekrise in Kolumbien.

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[1] El Espectador, 27.02.2013, Lo que dice el paro cafetero. http://www.elespectador.com/opinion/editorial/articulo-407367-dice-el-paro-cafetero

[2] Prensa Rural, 26.02.2013, Violenta represión a la protesta de campesinos cafeteros y cacaoteros en Colombia. http://prensarural.org/spip/spip.php?article10317.

[3] El Espectador, 27.02.2013, De la bonanza a la crisis, un siglo de economía cafetera.

 http://www.elespectador.com/noticias/nacional/articulo-407222-de-bonanza-crisis-un-siglo-de-economia-cafetera

[4] Semana, 26.02.2013, „Santos, deje la soberbia y hable con los cafeteros“ http://www.semana.com/nacion/articulo/santos-deje-soberbia-hable-cafeteros/334785-3

[5] El Tiempo, 25.02.2013, El paro sigue; Gobierno solo dialogará con Federación de cafeteros, http://www.eltiempo.com/politica/paro-cafetero-gobierno-solo-dialogara-con-la-federacion-de-cafeteros_12618291-4

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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

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www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com