15.10.2013

Die kolumbianischen Kleinbauern leiden an Armut, Unterernährung und schweren Menschenrechtsverletzungen

15.10.2013

Diese Woche werden weltweit die Gedenktage für die Landfrauen, der Welternährungstag und der Gedenktag für den Kampfg gegen die Armut begangen. Die Krise des ländlichen Raumes in Kolumbien, wo rund die Hälfte der kolumbianischen Frauen lebt, wurde in den letzten Monaten durch die breite Mobilisierung der Kleinbauern und den Nationalen Agrarstreik sichtbar gemacht. Die Landbevölkerung ist durch hohe Armutsraten und sogar Hunger geprägt, 65% der ländlichen Bevölkerung ist davon betroffen.

Gemäss offiziellen kolumbianischen Daten und Angaben der Vereinten Nationen hat die absolute Armut der Landbevölkerung Kolumbiens schon 30% erreicht. Hinzu kommt, dass 70% der Landarbeiter weniger als den gesetzlichen Mindestlohn verdienen. Die gewaltsamen Vertreibungen in diesem Land haben schon 5,5 Millionen Personen übertroffen und es gibt keine Hoffnung, dass diese Zahl bald zurück geht oder zumindest aufhört anzusteigen. Gemäss Angaben von Unicef und FAO leidet Kolumbien an einem Hungerproblem, das vor allem die kleinbäuerliche, indigene und afrokolumbianische Bevölkerung betrifft, also besonders die ländliche Bevölkerung. 600’000 Kinder leiden an Unterernährung und mindestens 5’000 Kinder unter fünf Jahren sterben jährlich an Hunger.

Diese schwere Krise auf dem kolumbianischen Lande hat sich in den letzten Monaten durch das In-Krafttreten von verschiedenen Freihandelsabkommen, die Kolumbien mit anderen Staaten unterzeichnet hat, verschärft. Zu erwähnen ist auch die Landverknappung durch grosse nationale und internationale Unternehmen, die Ländereien aus Staatsbesitz, die an landlose Kleinbauern verteilt werden sollten, durch Betrug  aufkaufen. Das Problem des nicht formalisierten Landbesitzes betrifft insbesondere die Frauen, da gerade sie besonders häufig keine Besitztitel haben.

Das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Kolumbien trat am vergangenen 1. August in Kraft, noch bevor es von allen 28 Mitgliedsländern der EU angenommen worden wäre. OIDHACO möchte deshalb ihrer tiefen Sorge Ausdruck verleihen, dass europäische Unternehmen Megaprojekte im Bereich Agroindustrie, Bergbau und natürliche Ressourcen auf Land starten könnten, das in Blut getränkt ist, oder diese ihr Auftreten in ländlichen Gebieten zu mehr Vertreibungen und anderen Menschenrechtsverletzungen führen könnte. “Deshalb möchten wir die europäischen Länder aufrufen, dafür zu sorgen, jegliche Investitionen in Regionen oder Territorien, in denen es Konflikte mit der lokalen Bevölkerungen geben könnte, zu verhindern”, sagt Vincent Vallies, Sprecher dieser Organisation mit Sitz in Brüssel.

Die Situation der Frauen auf dem Land ist besonders prekär. Sie sind Opfer des Krieges und der gewalttätigen Vertreibungen, weshalb die UNO sowie kolumbianische, europäische und internationale Organisationen ihnen besondere Beachtung schenken.  Frauen und Kinder machen fast die Hälfte aller Vertriebenen aus. Im Jahr 2011 wurden jeden Tag 52 Frauen Opfer von sexueller Gewalt, aber trotzdem bleibt die Mehrheit dieser Verbrechen unsichtbar und straflos.

Die Morde an Indigenen und Anführern von Landrückgabeforderungen hören nicht auf. Ein trauriges Beispiel ist der Mord an der 36-jährigen Adelina Gómez Gaviria, einer dreifachen Mutter, am 30. September 2013; Adelina war aktiv in der Bewegung des Proceso de Mujeres Maciceñas und im Comité de Integración del Macizo Colombiano (CIMA). In den letzten Monaten war sie wesentlich für die Durchführung  des Umwelt- und Bergbauforums in der Gemeinde Almaguer zuständig, an dem 1’500 Indigene und Kleinbauern teilnahmen. Ein anderes kürzlich begangenes Verbrechen ist der Mord eines Paares - Milciades Cano Trujillo und Nancy Vargas  - durch Auftragskiller. Sie waren Überlebende der ausgelöschten Partei Unión Patriótica und Anführer des vergangen Streiks des Kaffeebauern und beide waren Mitglied der Vereinigung der Landarbeiter (Asociación de Trabajadores del Campo). “Wir verlangen von den europäischen Ländern, dass sie dazu beitragen, die kolumbianische Landbevölkerung zu schützen, da diese das Hauptopfer des Krieges und der Folgen von Agroindustrie und Bergbau ist“, fügt Vallies hinzu.

Pressemitteilung Deutsch

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