01/21/16

Studie belegt: In den Llanos ist kleinbäuerliche Landwirtschaft möglich und rentabel

21.01.2016

Im Monatsbericht 12/2015 haben wir über die Sonderzonen für die soziale und wirtschaftliche ländliche Entwicklung ZIDRES berichtet, die eher einseitig auf die Agroindustrie ausgerichtet sind und Kleinbauern und -Bäuerinnen nur in Allianz mit dem Kapitel, nicht aber als eigenständige Wirtschaftssubjekte sehen. Eines der Hauptargumente ist, dass die Böden in den Llanos (Departemente Meta und Vichada) sehr nährstoffarm seien, ohne Humus, fast nur Aluminiumoxyd und Kieselsteine[1] bestehen, weshalb grosse Geldsummen notwendig seien, um diese produktiv werden zu lassen. Da das Gebiet zudem schlecht mit Infrastruktur erschlossen sei, sei es für Kleinbauern und –Bäuerinnen nicht möglich, wirtschaftlich vorwärts zu kommen. Dass es aber auch anders geht, beweisen zehn Kleinbauernfamilien, die sehr diversifizierte Familienhöfe aufbauten, wie eine Studie der Universidad Javeriana zeigt[2].      

Acht der zehn untersuchten Familienbetriebe verfolgen einen agroökologischen Ansatz, der einen nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen anstrebt. Eines der Erfolgsrezepte ist es, den Anbau verschiedener Pflanzen zu kombinieren, Waldstücke auf der Finca zu konservieren und auch verschiedene Tierarten zu halten. Diese Bauernfamilien können eine Vielzahl von Produkten auf den lokalen und regionalen Märkten verkaufen, und so 3,7 Mal mehr Einkommen erzielen, als wenn sie das Land wie von der Agroindustrie vorgeschlagen an ebendiese verpachten würden. Die Arbeitskräfte stammen primär von der eigenen Familiengemeinschaft.

Auf den Grundstücken Las Delicias, El Rodeo, Las Leonas und Los Caballeros werden 132 Gemüsesorten angebaut. Ninfa Daza baut auf ihren drei Hektaren der Finca Las Leonas beispielsweise 73 Produkte an. Durch die grosse Anzahl von Pflanzen die sie anbauen diversifizieren sie die Risiken des Wetters oder von Schädlingen, sind praktisch selbstversorgend und können verschiedene Überschüsse verkaufen. Zudem betreiben die Bauern und Bäuerinnen untereinander Tauschhandel, z.B. Saatgut gegen Milchprodukte.[3] Lediglich eines der zehn untersuchten Beispiele, das wenig intensiv traditionelle Landwirtschaft betreibt, erzielt nur ein Einkommen, das bei 50% der Armutslinie liegt.   

Die Studie der Universidad Javeriana zieht die Schlussfolgerung, dass die familiäre Landwirtschaft nicht nur möglich, sondern auch rentabel und v.a. nachhaltig ist und insbesondere auch Sozialkapital bildet. Die familiäre, kleinbäuerliche Landwirtschaft könne sich gut ohne die Bevormundung durch die grossen Agrarunternehmen entwickeln, und ohne kommerzielle oder produktive Allianzen mit ihnen eingehen zu müssen.[4] Die AutorInnen verstehen die Studie nicht als gegen die Agroindustrie gerichtet, wollte aber aufzeigen, dass es nicht der einzig mögliche Weg ist.

Wenn diese Studie belegt, dass selbst in eher abgelegenen Regionen mit schlechten Böden rentable fincas campesinas möglich sind, heisst das, dass in Gegenden mit günstigerem Klima, besseren Böden und näher an Märkten die Bedingungen für Campesinos und Campesinas noch besser sind, und die kolumbianische Regierung endlich die kleinbäuerliche Landwirtschaft zumindest gleich stark berücksichtigen sollte wie die Agroindustrie. Eine einseitige Förderungen des Grossgrundbesitzes und der Agroindustrie und das Schlechtreden der Campesinos und Campesinas sind definitiv nicht friedensfördernd.

Download als pdf


[1] Alejandro Reyes im Fernsehprogramm Las Claves vom Canal Capital, vom 25. November 2015, siehe: https://www.youtube.com/watch?v=ehyVMzcCsf4 Ca. ab Minute 9.

[2] Jaime Forrero und andere, “La viabilidad de la agricultura familiar en la altillanura colombiana”, siehe: https://de.scribd.com/doc/267322800/La-Viabilidad-de-La-Agricultura-Familiar-en-La-Altillanura

[3] 2Orillas, En la Altillanura sí hay campesinos, 18. Juni 2015, n: http://www.las2orillas.co/las-diez-familias-campesinas-sobreviven-en-la-altillanura/

[4] Maria Alejandra Medina, Agricultura familiar sí es posible, 27. Mai 2015, in: http://www.elespectador.com/noticias/economia/agricultura-familiar-si-posible-articulo-563068

 

Aktuell

08.12.2016


Spenden an die ask!

Wir leisten unsere Arbeit für die kolumbianische Zivilgesellschaft mit viel Herzblut. Um unsere Kosten zu decken, sind wir auf Spenden angewiesen.

Wir freuen uns entsprechend über eine Spende auf:
PC-Konto 60-186321-2
(
IBAN CH33 0900 0000 6018 6321 2)

26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com