09/29/11

COCOMOPOCA feiert die kollektive Titulierung seines Territoriums

29.09.2011

Erfolg für die von Suippcol unterstütze Kampagne „Land – Basis für Frieden“

Mit viel Hoffnung, Freude und Befriedigung hat der afrokolumbianische Gemeinschaftsrat COCOMOPOCA (Consejo Comunitario de la Organización Popular Campesina del Alto Atrato) den Landtitel erhalten, der die traditionellen Bewohner endlich zu Besitzern des Territoriums macht1. Aber die Mitglieder des Gemeinschaftsrates sind sich bewusst, dass die harte Arbeit nun erst beginnt: denn von den 73‘000 Hektaren des Landtitels sind 55‘000 Hektaren für Bergbaukonzessionen vergeben.

Der Gemeinschaftsrat COCOMOPOCA umfasst 2‘250 Familien, ca. 10‘500 Personen in über 50 Gemeinschaften. 12 lange Jahre dauerte das Warten, Jahre voll von bewundernswerter Hartnäckigkeit, mit unzähligen Behördengängen zur Überwindung von verschiedensten Problemen, und immer behielten sie die Hoffnung, endlich eine positive Antwort zu erhalten. Die Übergabe des Landtitels fand am Hauptsitz des COCOMOPOCA in Yuto im Beisein von etwa 500 Personen statt. Es nahmen soziale Führungspersonen aus der Region, Vertreter von Regierungsinstitutionen und NGOs, Kirchenvertreter und Journalisten an der Übergabezeremonie teil.

Die durch die zuständigen Behörden verzögerte Titulierung des Territoriums des Gemeinschaftsrates COCOMOPOCA wurde im Oktober 2010 in der Kampagne „Land – Basis für Frieden“ des Schweizer Friedensförderungsprogrammes SUIPPCOL aufgegriffen.2 Dem Anliegen dieser afrokolumbianischen Gemeinschaften wurde von der Schweiz aus durch Unterstützungsschreiben an die zuständigen kolumbianischen Behörden Nachdruck verliehen. Die internationale Öffentlichkeit und die Gespräche, die letzten Oktober geführt werden konnten, haben nach Ansicht der kolumbianischen Begleitorganisationen mit dazu beigetragen, dass der Landtitel nun endlich übergeben wurde.

Neue Ungewissheit trotz Titulierung

Der COCOMOPOCA erhält den Landtitel über ein Territorium, das nicht nur Präsenz bewaffneter Gruppen aufweist, sondern an staatlicher Vernachlässigung leidet. Die Bewohner haben keine Arbeitsplätze, es gibt keine guten Bildungsmöglichkeiten und die Gesundheitsversorgung ist ungenügend. Auch die Versorgung mit Basisdienstleistungen ist defizitär.

Nach der Titelvergabe über 73’000 Hektaren folgt nun eine viel schwierigere Arbeit der Begleitung, der Stärkung, der Verwaltung, des Schutzes und der Verteidigung des Territoriums, da vielfältige Interessen ein Auge darauf geworfen haben. Insbesondere die grossen mineralischen Reichtümer, die sich darauf befinden, wecken Begehrlichkeiten, die das Territorium und seine Bewohner gefährden können. Besondere Sorge bereitet die Tatsache, dass sich im Moment der Titelvergabe fremde Personen im Territorium befinden, die von der Landreformbehörde INCODER als Siedler, die in gutem Glauben Land besetzten, qualifiziert wurden3.

Die Titelübergabe hat so gesehen nur für ein kleines Aufschnaufen gesorgt, die Sorgen sind damit nicht wirklich verschwunden. Bei früheren Titulierungsprozessen im Chocó verstärkte sich die Gewalt parallel dazu: Es kam zu Morden, Vertreibungen und zum Verschwindenlassen von Hunderten von Personen. Deshalb ist es wichtig, dass dieser historische und wichtige Organisationsprozess des COCOMOPOCA weiter begleitet wird und die verschiedenen Realitäten im Umfeld dieses Prozesses sichtbar gemacht werden.

Der COCOMOPOCA hat in den letzten Jahren verschiedene Vertreibungen von Mitgliedern erlitten, genau wegen den Partikularinteressen über das Territorium, u.a. illegale Goldförderung. Der Staat trägt an dieser Gewalt eine grosse Mitverantwortung, da er Privatinteressen gefördert und gedeckt hat, ohne Rücksicht auf die Rechte der ursprünglichen Bewohner.

1 Dieser Artikel wurde mit geringfügigen Anpassungen aus dem Spanischen übersetzt. Das Original findet sich auf der Webseite des Netzwerkes der Basisinitiativen für den Frieden von Unten: http://www.pazdesdelabase.org/index.php?option=com_content&view=article&id=851:cocomopoca-ya-tiene-titulo-colectivo-&catid=57:fisch&Itemid=164

2 Zur letztjährigen Suippcol - Kampagne: http://www.suippcol.ch/joomla/index.php?option=com_content&view=article&id=52&Itemid=58 und http://www.askonline.ch/publikationen/monatsberichte/jahrgang-2010/land-basis-fuer-frieden/

3 Es handelt sich um Personen aus dem Landesinnern, z.B. „Paisas“ aus Antioquia, die sich auf dem von COCOMOPOCA beanspruchten traditionellen Land der Afros niederliessen, und z.B. illegalen Goldabbau oder Viehzucht betreiben. Das INCODER hat ihnen nun Rechte als Nutzer von Staatsland zugestanden, was zu zukünftigen Konflikten mit der lokalen afrokolumbianischen Bevölkerung führen könnte.

Aktuell

08.12.2016


Spenden an die ask!

Wir leisten unsere Arbeit für die kolumbianische Zivilgesellschaft mit viel Herzblut. Um unsere Kosten zu decken, sind wir auf Spenden angewiesen.

Wir freuen uns entsprechend über eine Spende auf:
PC-Konto 60-186321-2
(
IBAN CH33 0900 0000 6018 6321 2)

26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com