04/30/14

Cauca: Die Bauern und Bäuerinnen fordern Anerkennung ihres Status

30.04.2014 | Von Regula Fahrländer

Dieser Bericht basiert auf dem Artikel „El reclamo campesino en el censo agrario“ von Edinson Arley Bolaños, erschienen am 6. April im El Espectador.[1]

Seit 43 Jahren wird in Kolumbien erstmals wieder eine nationale landwirtschaftliche Erhebung durchgeführt. Darin nicht spezifisch erwähnt werden erstaunlicherweise die Bauern und Bäuerinnen. Nun haben diese zur Einforderung ihrer Rechte und Anerkennung ihres Status angesetzt.

Seit vergangenem November ist das Statistikdepartement Kolumbiens DANE daran, diverse Daten zur landwirtschaftlichen Gegebenheit des Landes zu sammeln. Bei dieser nationalen landwirtschaftlichen Erhebung, dem Censo Nacional Agropecuario, sollen strategische und aktualisierte Statistiken zu Landwirtschaft, Wasser, Wald und Umwelt aus dem ganzen Land zusammengetragen werden. Auch mit einbezogen werden Faktoren wie Produktion, Inventar und Kredite. Insgesamt 3,9 Millionen Grundstücke, 182 kollektiv betitelte Ländereien von afrokolumbianischen Gemeinschaften und 770 indigene Reservate werden darin eruiert. Eine Erhebung in diesem Umfang gab es in Kolumbien seit 43 Jahren nicht mehr, erste Resultate sollen im Oktober 2014 bekannt gegeben werden. Diese sollen anschliessend von der Regierung im Anschluss als Ausgangslage für die Erarbeitung einer integralen Landwirtschaftspolitik verwendet werden.  

Landwirtschaftliche Erhebung ohne spezifische Erwähnung der Bauern und Bäuerinnen
Nachdem Anfangs April 2014 ein erster Entwurf des Umfragebogens bekannt wurde, haben sich 13 soziale Organisationen aus dem Cauca zusammen gegen dieses Formular aufgelehnt. Denn im umstrittenen Dokument werden die Bauern und Bäuerinnen weder als signifikante Gruppe noch als Rechtssubjekt anerkannt. Aufgeführt sind einzig Indigene, AfrokolumbianerInnen, Roma und Raizales, die BewohnerInnen der Karibikinseln San Andrés, Providencia und Santa Catalina.
Erklärt wird dieses Auslassen mit dem Mangel einer klaren Definition der Bauern und Bäuerinnen, so César William Díaz, Sprecher der Mesa Campesina del Cauca. Weil es keine genaue, konsolidierte Meinung gäbe, wer alles in die Kategorie Bauer/Bäuerin fällt, konnte dieser Gesellschaftssektor bei der Erhebung nicht berücksichtigt werden, habe ihnen die Regierung gesagt. Aníbal Fernández de Soto, Vizeminister des Departementes für ländliche Entwicklung betont ferner, es gehe bei der Erhebung nicht um die Bevölkerung, sondern um die ländlichen Gegebenheiten.
Nichtsdestotrotz belegt ein vom November 2013 datiertes und unterschriebenes Protokoll eine andere Vereinbarung zwischen der Bauernschaft und der Regierung. Im Rahmen des damaligen Agrarstreiks kam es zur Abmachung, dass die Regierung zusammen mit dem Statistikamt Mechanismen konstruieren werden, um die Bauernschaft in die statistische Erhebung miteinzubeziehen und sie darin als Rechtssubjekt aufzuführen. Diese Vereinbarung erachten die Bauern und Bäuerinnen nun als gebrochen, wie sie in mehreren Schreiben an diverse Regierungsstellen kundgetan haben.
Die Bauernschaft überlegt sich zwei mögliche, weitere Vorgehen. Eines davon ist die acción de tutela, einen Einspruch mit der Unterstützung von der Rechtsverwaltung des Departement Cauca (Procuraduría judicial del Cauca). Die zweite Option ist die Teilnahmeverweigerung an der Erhebung all jener Bauern und Bäuerinnen, die noch nicht erhoben wurden.
Die Bauern und Bäuerinnen berufen sich bei ihren Forderungen auch auf das Urteil T-763 des Verfassungsgerichtes aus dem Jahr 2012. Darin hat das Gericht die Wichtigkeit der Anerkennung des Bauernstandes und dessen Kultur betont. Der Zugang zu Land für die Bauern und Bäuerinnen sei notwendig und schützenswert, genauso wie kulturell andere Lebensformen. Die Regierung wollte zudem die Internationale Erklärung der Bauernrechte der Vereinten Nationen befolgen, wie sie in einer Sitzung vergangenen November erklärte.

Nicht nur eine Definitionsfrage
Der Umfang dieser Erhebung ist beachtlich, wie auch die finanziellen und personellen Aufwände. 20'000 Personen sind an der Arbeit der Erhebung beteiligt, sei es mit Umfragen, Koordination, Datenverarbeitung oder Anderem. Die Arbeit ist bereits angelaufen. Dass dem Statistikamt sehr daran gelegen ist, sie zu Ende zu führen, liegt auf der Hand. Eine Änderung der Methodologie zu veranlassen, nachdem die Umfragen in vielen Regionen bereits abgeschlossen sind, ist eine nahezu unmögliche Sache. Für die Bauern und Bäuerinnen ihrerseits geht es nur in erster Linie um die Definition in diesem Fragebogen. Vor allem geht es um die Anerkennung als – einer seit langem marginalisierten – Gesellschaftsgruppe und ihrer Rechte. Gerade im Cauca führen Landfragen immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Gemeinschaften verschiedener Herkunft. Grundlegend ist dabei der Anspruch einer jeden Gemeinschaft, ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Seit anfangs Woche ist in ganz Kolumbien erneut ein Agrarstreik im Gange, der genau diese Forderung stellt. Der Ausgang dieses ist wohl noch länger offen, könnte aber auch die Debatte um die statistische Erhebung beeinflussen.

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[1] El Espectador, 06.04.2014, El reclamo campesino en el censo agrariohttp://www.elespectador.com/noticias/nacional/el-reclamo-campesino-el-censo-agrario-articulo-485306

 

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26.10.2016

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