26.10.2011

Anspruch auf angestammtes Territorium von El Garzal in Gefahr

26.10.2011 | von Stephan Suhner

Die Kleinbauern von El Garzal[1] im Süden des Departement Bolívar sehen ihren Verbleib auf ihrem angestammten Territorium bedroht. Das Gericht in Simití versucht mit verschiedenen rechtlichen Handlungen die Besitztitel über dieses Land an die Erben des mutmasslichen Paramilitärs Manuel Enrique Barreto Esguerra zu übergeben, was einem legal-formalen Landraub gegenüber einer verletzlichen Bevölkerungsgruppe gleichkäme.

Ihren Anfang nahm die aktuelle verworrene Sachlage am 23. September 2011, als sich Justizfunktionäre und der Anwalt der Familie Barreto in den Weiler El Garzal begaben und die fraglichen Grundstücke begingen. Danach kündigten die Funktionäre die Durchführung einer gerichtlichen Inspektion an. Die betroffenen Kleinbauern, darunter der Präsident des Dorfrates (Junta de Acción Comunal), Salvador Alcántara[2], teilten den Funktionären mit, dass es keine Ankündigung dafür gegeben habe.

Gemäss Zeugenaussagen der Gemeinschaft kündigte der Richter an, dass er präsent sein werde, aber die in Augenscheinnahme nicht durchführe, dass mit der Vermessung der Parzellen begonnen werde und dass die Rechte der Personen, die sich auf ihrem Land befinden, anerkannt würden.

Trotzdem wurde dann bekannt, dass in der Woche vom 7. bis 11. Oktober 2001 die in Augenscheinnahme schon erfolgt war und dass der Richter erklärt habe, dass die Grundstücke der Familie Barreto existieren und diese nur noch vermessen werden müssten. 

Die Kleinbauern stiessen dann auf zwei Protokolle von richterlichen Inspektionen, welche auf den 23. September 2011 datiert  waren. In einem der Protokolle erschien der folgende Text: „Es wird bestätigt, dass für diese Amtshandlung weder der juristische Bevollmächtigte der Beklagten noch die Beklagten selber erschienen sind, obwohl sie mit genügend Vorlaufzeit über die Handlung informiert worden waren“. Diese Aussage im Protokoll ist falsch und legt die Absicht des Richters offen, die Kleinbauern von El Garzal vom Prozess fern zu halten. 

Aktuell fordern die Kleinbauern die Nichtigerklärung besagter in Augenscheinnahme, und verlangen gleichzeitig, dass die Landreformbehörde Incoder eine Kommission bestimme, die diese Amtshandlung durchführe. Zudem vertreten sie die Ansicht, dass die beschriebenen Handlungen des Gerichts eine Verletzung der Grundrechte und der moralischen Integrität und des Besitzes der Gemeinschaft darstellen.

 

Mehr Infos unter: http://www.pazdesdelabase.org


[1] Über El Garzal berichteten wir am 15. September 2010 in einem Artikel von Rafael Figueroa: http://www.askonline.ch/themen/natuerliche-ressourcen-und-agrarfrage/laendliche-entwicklung-und-agrarreform/land-basis-fuer-frieden/ 

[2] Salvador Alcántara war im Oktober 2011 im Rahmen der SUIPPCOL-Kampagne „Land-Basis für Frieden“ in der Schweiz zu Gast und hat über den Fall informiert.  

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