Kolumbien von Schwarzer Liste wegen Drogenhandel gestrichen

Seit 20 Jahren war Kolumbien auf der Beobachtungsliste des International Narcotics Control Board (INCB) in Wien aufgeführt, ab 2011 erscheint nun Kolumbien nicht mehr auf dieser schwarzen Liste. Damit würden die Anstrengungen Kolumbiens im Kampf gegen Drogenanbau und Drogenhandel honoriert, so ein Sprecher des Board. Es heisse aber nicht, dass Kolumbien nicht weitere Anstrengungen unternehmen müsse. Trotzdem erstaunt die Ankündigung, ist doch Kolumbien immer noch der mit Abstand grösste Kokainproduzent.

Die Kolumbianische Regierung nahm die Streichung von dieser unrühmlichen Liste mit grosser Befriedigung entgegen. Innenminister German Vargas Lleras strich den auch die „Erfolge“ Kolumbiens im Kampf gegen den Drogenanbau hervor: So seien 2010 146‘660 Hektaren illegale Pflanzungen ausgerottet worden, und die Cocafläche sei von 163‘290 Hektaren im Jahr 2000 auf 68‘025 Hektaren im Jahr 2009 gesunken. Diese Zahlen alleine zeigen aber schon auf, wie fragwürdig die chemische Bekämpfung der Coca ist: So wurde also 2010 die doppelte Fläche der angeblich noch existierenden Cocafläche besprüht. Das zeugt einerseits, wie mobil die Cocapflanzungen sind und wie sie in immer neue Gebiete vordringen, und dass längst nicht alle besprühten Cocaflächen auch wirklich absterben. Andererseits lassen diese Zahlen aber auch Zweifel an deren Richtigkeit aufkommen.

Das INCB betont denn auch, dass Kolumbien weiter genau evaluiert werde, dass aber mit der Entfernung von der Liste das Engagement Kolumbiens honoriert werde und es auch Ansporn sein soll, die Anstrengungen weiter zu führen. Regierungsvertreter Kolumbiens betonen denn auch, dass Kolumbien weiterhin mit allen politischen, gesetzlichen und militärischen Mitteln gegen den Drogenhandel ankämpfen werde. Der Innen- und Justizminister kündigte auch an, dass die Direktion für Rauschmittel (Dirección de Estupefacientes) aufgelöst und durch zwei neue Behörden ersetzt werde: mit einer Agentur zur Bekämpfung der Drogen und einer dem Finanzministerium unterstellten Behörde zur Verwaltung der den Drogenhändlern konfiszierten Güter.

Die angesichts der riesigen Anstrengungen doch bescheidenen Fortschritte in Kolumbien werden zudem dadurch getrübt, dass es deutliche Anzeichen gibt, dass sich nebst Peru und Bolivien nun auch in Ecuador, Venezuela und Brasilien die Kokainproduktion immer mehr zu etablieren beginnt. Zwar ist Kolumbien mit 400 Tonnen Kokain immer noch der grösste Produzent, aber das INCB wird in den nächsten Jahren das Augenmerk v.a. auf Peru und Bolivien lenken, dann auch auf die neuen Produktionsländer der Region. Camilo Uribe, Sprecher des INCB, erklärte, Ziel sei, dass in fünf Jahren kein Land der Region mehr auf der Liste erscheine. Das heisse nicht, dass es in fünf Jahren keine Pflanzungen, keinen Drogenhandel und keinen Konsum mehr gebe. Es bedeute aber, dass bis dahin eine klare Stärkung der staatlichen Institutionen und der Justiz stattgefunden, und dass Anbau, Handel und Konsum von Drogen sich nachhaltig reduziere.

Der Jahresbericht 2010 kann hier abgerufen werden: http://www.incb.org/incb/en/report_launch_2011.html

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08.12.2016


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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

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