05/29/15

Kolumbien stellt die Besprühungen mit dem Herbizid Glyphosat ein

29.05.2015 | Regula Fahrländer

Das Herbizid Glyphosat wurde als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Deshalb hat die Regierung Kolumbiens das Ende der Besprühungen mit Glyphosat auf die Koka-Plantagen bekannt gegeben. Ob damit ein Strategiewechsel im Kampf gegen die Drogen beginnt, muss sich erst zeigen.

Ende Oktober soll Schluss sein. Diese Ankündigung der kolumbianischen Regierung folgte auf einen Bericht der Expertengruppe der Weltgesundheitsorganisation, welche das Herbizid am 20. März als wahrscheinlich krebserregend eingestuft hatte. Der nationale Rat für Betäubungsmittel hatte darauf einem Antrag des kolumbianischen Gesundheitsministeriums stattgegeben, die Besprühungen mit Glyphosat einzustellen. National und international sorgte diese Nachricht schnell für Aufsehen. Ebenso schnell reagierten die GegnerInnen, allen voran der oberste nationale Staatsanwalt Alejandro Ordóñez. Ohne Glyphosat werde Kolumbien in wenigen Monaten zu einem Meer aus Coca, warnte er[1]. Es gäbe weder wissenschaftliche noch rechtliche Gründe, die Nutzung des Herbizides einzustellen. Noch vor dem Entscheid hatte Kevin Whitaker, US-Botschafter in Kolumbien in einem Gastkommentar in El Tiempo geschrieben, die Besprühungen wären ein sicheres und effizientes Mittel im Drogenkampf. Wer behaupte, die Auswirkungen auf die Gesundheit seien negativ, sei schlecht informiert[2].

Das Herbizid Glyphosat wird vom US-Unternehmen Monsanto hergestellt. Nachdem Afghanistan die Besprühungen von Drogenanbauflächen verboten hatte, blieb Kolumbien als letztes Land mit Lufteinsätzen übrig[3], finanziell und militärisch unterstützt von den USA. Von Vorteil für das Unternehmen ist, dass einzig die Besprühungen verboten wurden. Denn Glyphosat wird in Kolumbien vor allem in der Landwirtschaft benutzt.

Der Einsatz des Glyphosat, eine lange Geschichte
Die Besprühungen in Kolumbien begannen 1978 unter der Regierung Turbay. Damals wurden die Marihuana-Plantagen in der Sierra Nevada von Santa Marta aus der Luft zerstört[4]. Unter der Regierung von Belisario Betancur nahm der Einsatz von Glyphosat dann seinen Lauf. Unter Anregung des damaligen Gesundheitsministers Jaime Arias bat die Regierung noch internationale ExpertInnen um eine Studie über die Auswirkungen dieses Herbizides. Dieser Bericht kam zum Schluss, dass die Folgen des Glyphosats nicht einschätzbar waren und riet deshalb von der Verwendung ab. Weil es aber um die nationale Sicherheit ging, so die damalige Regierung, wurde der Einsatz des Herbizides dennoch legalisiert.

Seither haben die Besprühungen aus der Luft immer wieder für Kontroversen gesorgt. Bauerngemeinschaften, MenschenrechtsaktivistInnen, UmweltschützerInnen und nationale und internationale Regierung und Behörden, waren sich in der Bewertung der Auswirkungen nie einig. Dies wiederum hat all die Jahre zu Bauernprotesten, Toten, Wissenschaftsstreits, Diskussionen und rechtlichen Klagen geführt.

Die alternativen Lösungsansätze
Längst ist die Unmöglichkeit, bei den Einsätzen aus der Luft Koka-Plantagen von Nahrungsmitteln zu trennen, bekannt. Ebenso die erheblichen negativen Auswirkungen auf Gesundheit und Natur, wie auch die Tatsache, dass die Anbauflächen von Koka in Kolumbien dennoch zunehmen. Geändert hat sich zum einen nichts, weil die Lufteinsätzen auch eine Kriegsstrategie sind, und weil es bis anhin an einer guten Alternative mangelt. Die manuelle Entfernung der Kokapflanzen, die seit einigen Jahren auch Staatspolitik ist, hat einen hohen menschlichen Preis. Zwischen 2005 und 2013 haben dabei 200 Menschen ihr Leben gelassen, 800 wurden verletzt. Sie wurden Opfer von Personenminen, welche die Guerillas in den Kokaregionen strategisch legen. Einige Wissenschaftler haben nun Koka-fressende Schmetterlinge als Alternative vorgeschlagen[5]. Wie machbar diese Alternative ist, sei dahingestellt. Realistischer ist wohl, dass Glyphosat einfach mit einem anderen Herbizid ersetzt wird. Seitens der kolumbianischen Regierung heisst es, die Alternativen würden bald bekannt gegeben.  

Bei der Verwendung eines anderen Herbizides ist fraglich, inwiefern dies eine grundlegende Richtungsänderung wäre. Eine völlige Abkehr von Besprühungen aus der Luft dürfte auch deshalb schwierig sein, weil der Entscheid zu einem schwierigen Zeitpunkt kommt. Die Drogenpolitik ist eines der drei abgeschlossenen Teilabkommen am Verhandlungstisch. Dabei wurden im Mai 2014 diverse fundierte Alternativen zu den Besprühungen vereinbart, die den  militärischen Ansatz ersetzen. Eng verbunden mit dem Teilabkommen über Agrarpolitik liegt der Schwerpunkt dabei auf der Beteiligung der Gemeinschaften mit freiwilliger Ausrottung der Kokapflanzen, Förderungsprogramme zur Schaffung von Einkommensalternativen, Präventionsmassnahmen und die Nicht-Kriminalisierung der Kleinbauern und -bäuerinnen. Erst wenn weder die freiwillige noch die erzwungene Ausrottung der Kokapflanzen erfolgreich wäre, könnte es zu Besprühungen kommen[6].

Die Umsetzung dieses Abkommens wäre die ernsthafte Kursänderung. Aber aufgrund des Grundsatzes bei den Friedensverhandlungen, dass nichts gültig ist bis alles gültig ist, befindet sich das Teilabkommen in einem Limbo, das wiederum eine grundlegende Richtungsänderung in der Drogenpolitik erschwert.


[1] El Colombiano, 14.05.2015, “Dentro de pocos meses estaremos inundados y nadando en coca”: Procuradorhttp://www.elcolombiano.com/dentro-de-pocos-meses-estaremos-inundados-y-nadando-en-coca--procurador-YG1923573

[2] El Tiempo, 10.05.2015, La aspersión ha ayudado a Colombia,http://www.eltiempo.com/opinion/columnistas/la-aspersion-ha-ayudado-a-colombia-kevin-whitaker-columnista-el-tiempo/15722176

[3] La Silla vacía, 26.03.2015, El cáncer del glifosato,http://lasillavacia.com/historia/cancer-glifosato-y-el-gobierno-contra-las-cuerdas-49815

[4] El Espectador, 17.05.2015, La enredada historia del glifosato,http://www.elespectador.com/noticias/politica/enredada-historia-del-glifosato-articulo-561075

[5] El Colombiano, 20.05.2015, Mariposa come coca podría ser el reemplazo del glifosato,http://www.elcolombiano.com/mariposa-podria-ser-el-reemplazo-del-glifosato-AD1959615

[6] La Silla vacía, 30.04.2015, Suspender la fumigación con glifosato no es tan fácil,http://lasillavacia.com/historia/suspender-la-fumigacion-con-glifosato-no-es-tan-facil-50162   

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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

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