Update Las Pavas: Konflikt mit Biopalmölhersteller Daabon verschärft sich

Der Landrechtskonflikt zwischen dem Konsortium El Labrador und den 123 Kleinbauernfamilien von Las Pavas ist weiterhin ungelöst. Angesichts ihrer sozialen Notlage haben die Kleinbauern nun beschlossen, auf das Land zurückzukehren. Entgegen der Ankündigung vom 28. Oktober 2010 ist Tequendama/Daabon weiterhin Teilhaberin am Konsortium El Labrador. Das Konsortium hat die Bauern beschuldigt, gewalttätig zu sein, illegalerweise Privatbesitz zu besetzen und den Frieden in der Region zu gefährden. Derweil schmückt sich Daabon weiterhin mit rund einem Dutzend Biosiegeln, unter anderem von Bio Suisse und tritt an Biomessen in Deutschland als umweltfreundliches und sozialverantwortliches Unternehmen auf.

Problematische Schönfärberei an Biomessen

Die kolumbianische Unternehmensgruppe Daabon – Produzentin von biologischen Tropenfrüchten - war an der Messe Fruit Logistica 2011 in Berlin und an der BioFach in Nürnberg als Ausstellerin vertreten. Dabei präsentierte sich Daabon als umweltfreundliches und sozialverantwortliches Unternehmen. Daabon ist durch mehrere europäische Unternehmen für den Bioanbau zertifiziert, u.a. von Bio Suisse, Ecocert und BCS Öko-Garantie. Verschiedene deutsche und Schweizer Biohersteller wie Allos, Rapunzel und Allnatura oder Coop (mit Bio Knospe) verwenden das biologische Palmöl der Marke Daabon Organics in ihren Produkten. Wegen des nach wie vor ungelösten Landrechtstreits mit einer Kleinbauerngemeinschaft in Kolumbien halten wir die Präsenz von Daabon an diesen Messen für nicht gerechtfertigt. Mehrere NGOs gemeinsam – ask, FIAN, Kolko, Rettet den Regenwald und pax christi - gelangten deshalb mit einem Brief an die beiden Messeleitungen, und forderten diese auf, Daabon keine Plattform mehr zu bieten. Bis jetzt haben die Messeveranstalter auf unsere Schreiben nicht reagiert.

Die Arbeitsgruppe Schweiz Kolumbien hat Biosuisse erneut kontaktiert und auf die schwierige Situation der Bauern aufmerksam gemacht. Eine erste Kontaktaufnahme mit Bio Suisse fand Anfang Mai 2010 statt, als der Präsident von ASCAB, der Kleinbauern von Las Pavas, Misael Payares, in der Schweiz weilte. Im Oktober 2010 sagte Bio Suisse ein Treffen mit kolumbianischen Bauernvertretern kurzfristig ab, da sie nicht über die notwendigen Informationen ihrer Partner verfügen würden und so ein Gespräch wenig Sinn mache. Seither vertröstet Bio Suisse damit, dass sie den Fall weiterhin aufmerksam evaluieren. Auch ein dringliches Schreiben vom 19. Februar 2011, worin wir Bio Suisse darüber informierten, dass der Palmanbau durch Daabon weitergeht und die Bauern von bewaffneten Zivilpersonen bedroht werden, blieb bisher unbeantwortet. Wir sind über diese Haltung von Bio Suisse enttäuscht.

Kurzer Rückblick auf den Konflikt um Las Pavas

Die ASK hat verschiedentlich über den seit über 2 Jahren dauernden schweren Landrechtsstreit zwischen Daabon und der kleinbäuerlichen Gemeinschaft von Las Pavas berichtet. Die Campesinos beantragten 2006 bei der kolumbianischen Landreformbehörde INCODER die Titulierung des Landes zu ihren Gunsten, worauf die INCODER begann, das Besitzrecht des vormaligen Besitzers zu widerrufen und das Land den Kleinbauern zuzuteilen. Dieser Prozess kam nur schleppend voran und die Behörden begingen zahlreiche Verfahrensfehler, was dem Besitzer ermöglichte, das Land noch rasch an das Unternehmenskonsortium El Labrador (Firmen CI Tequendama (Daabon) und Aportes San Isidro) zu verkaufen. Die Palmunternehmen machten geltend, das Land in gutem Glauben gekauft zu haben und liessen die Behausungen der Campesinofamilien am 14. Juli 2009 durch die Polizei gewaltsam räumen. Am 23. Februar 2010 erklärte die Landreformbehörde den ganzen Prozess zur Besitzrechtserlöschung und Titulierung an die Campesinos für nichtig, da die Behörde selber Fehler begangen habe. Somit wären Daabon/CI Tequendama und Aportes San Isidro die rechtmässigen Besitzer dieses Landes. Diese Verfügung des INCODER war jedoch absolut unausgewogen, legte sie das Recht doch einseitig zu Gunsten der Unternehmen aus und blendeten sämtliche Ansprüche der Bauern auf das Land, da sie in gutem Glauben beantragten, aus.

Die englische NGO Christian Aid und die Kosmetikfirma The Body Shop beauftragten dann eine unabhängige Expertenkommission mit der Begutachtung des Falles. Die wichtigsten Schlussfolgerungen dieser Kommission: Die Bauern haben seit Jahrzehnten auf und von diesem Territorium gelebt; es gibt für das Konsortium El Labrador keine Entschuldigung, von dieser Sachlage keine Kenntnis gehabt zu haben; der Staat hat das Recht der Campesinos auf das Land nicht garantiert; die polizeiliche Räumung vom 14. Juli 2009 war illegal; der Anbau von Palmen hat zu schweren Umweltbeeinträchtigungen geführt. Da sich Daabon weiterhin unnachgiebig zeigte und sagte, das Land gehöre legal ihnen und NGOs würden Firmen wie The Body Shop aufhetzen und Lösungen verhindern, kündigte das Unternehmen The Body Shop Ende September 2010 an, dass es kein Palmöl mehr von Daabon beziehen werde, da Daabon zu wenig ernsthaft zu einer Lösung beitrage. Daabon Organics selbst kündigte in einem Communiqué vom 28. Oktober 2010 an, dass sie ihre Anteile an den Palmölplantagen in Las Pavas verkaufen und aus dem Konsortium aussteigen werde.

Verschärfung des Konfliktes im Februar 2011

Diese Ankündigungen von Daabon haben sich nun aber als Lüge erwiesen. Sowohl die Gemeinschaft als auch die Begleitorganisationen gaben bekannt, dass Daabon/Tequendama sich entgegen den Ankündigungen vom 28. Oktober 2010 nicht aus dem Palmölanbau auf der Insel Papayal zurückgezogen habe. Der Anbau von Ölpalmen und damit die ökologischen Probleme gehen weiter, Zigtausende Palmsetzlinge sind zum Auspflanzen bereit. Zudem erscheint das Konsortium weiterhin als Besitzerin des Landes, und es hat auch Besitzanspruch auf zwei Grundstücke im Staatbesitz erhoben. Bei der Handelskammer erscheint beim Konsortium El Labrador immer noch CI Tequendama (Tochter von Daabon) zusammen mit Aportes San Isidro als Teilhaberin. Daabon erklärt dies damit, dass der neue Käufer die Register noch nicht habe aktualisieren lassen. Die Anwälte der Universidad Javeriana, die die Gemeinschaft juristisch beraten, gehen jedoch davon aus, dass Daabon ihre Beteiligung an El Labrador weiter innehat.

Zudem spaltet das Unternehmen die Gemeinschaft, verteilt Lebensmittel, Werkzeuge und verspricht Lohn für die Leute, die mit ihnen arbeiten wollen. Das Landwirtschaftsministerium hat einen Vorschlag eingebracht, der nur eine Teilrückgabe von Land an die Gemeinschaft vorsieht. Die Gemeinschaft beharrt auf ihrem Anspruch auf das ganze Land und lehnt den Anbau von Palmen trotz der Unternehmensstrategie weiterhin mehrheitlich ab.

Die prekäre Situation der Familien von Las Pavas hat sich durch die schweren Überschwemmungen der letzten Monate noch verschärft, sie verloren einen grossen der wenigen Pflanzungen auf einem Stück Pachtland. In ihrer Not haben die Kleinbauern nun beschlossen, auf das Land zurück zu kehren. Darin werden sie von nationalen und internationalen NGOs unterstützt und begleitet, u.a. auch durch Schweizer MenschenrechtsbeobachterInnen.

Das Konsortium El Labrador hat jedoch über eine lokale Radiostation ein Communiqué verlesen lassen, in dem es die Gemeinschaft Las Pavas beschuldigt, erneut illegal Privatbesitz zu besetzen. Das Konsortium beschuldigte die Campesinos, sie seien gewalttätig, würden gegen den Frieden in der Region arbeiten und das Recht auf Arbeit der Palmarbeiter verletzen. Das Konsortium kündigte an, sich mit allen Mitteln gegen eine Besetzung ihre Privatbesitzer zu wehren. Dieses Communiqué stellt für die Sicherheit der Kleinbauern von Las Pavas eine ernste Bedrohung dar.

Wenige Tage später wurde diese Drohung ernst gemacht. Eine Gruppe von Polizisten und bewaffneten Zivilpersonen, darunter bekannte Paramilitärs, gelangten nach Buenos Aires und versuchten das Führungsmitglied der ASOCAB und Lehrer im Dorf, Eliud Alvear festzunehmen. Die Hintergründe dieser Aktion sind noch unklar, namentlich ist nicht klar, ob gegen Eliud tatsächlich ein Haftbefehl vorliegt und was ihm allenfalls zur Last gelegt wird. Die bewaffneten Zivilpersonen gaben sich als Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft aus, ohne sich jedoch auszuweisen. Die Begleitorganisationen sind über diesen Vorfall äusserst besorgt, reiht er sich doch in eine Serie von Zwischenfällen ein, wie das Niederbrennen des Versammlungsraumes der ASOCAB. Eliud erhielt vom Anwalt des Konsortiums, Danilo Palacios, die Drohung, er werde seine Entlassung als Lehrer veranlassen, wenn er sich nicht von ASOCAB distanziere. Zudem wurden schon mehrmals verdächtige ortsfremde Personen in Buenos Aires gesehen, und Mario Marmol, ein bekannter Paramilitär, der an der Vertreibung 2003 beteiligt war und nun sagt, er sei Angestellter von El Labrador, geht bewaffnet durch das Dorf und bedroht die Bewohner.

Die Schweizer Koordination der Nichtregierungsorganisationen, die zu Kolumbien arbeiten, gelangt deshalb mit dringenden Aufrufen an die Schweizer und die Kolumbianischen Behörden, alles in ihrer Macht stehenden zu tun, um die Sicherheit der Kleinbauern bei ihrer Rückkehr auf das Land, auf das sie einen rechtlichen Anspruch haben, zu garantieren.

Offener Brief der ask an die Messe BioFach in Nürnberg, wegen der Teilnahme von Daabon.

Communiqué der NRO - Koordination Schweiz - KolumbienPDF Download

Aktuell

08.12.2016


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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com