03.04.2013

Kleinbauern von Las Pavas werden durch Arbeiter der Palmölfirma bedroht

03.04.2013 | von Ann-Seline Fankhauser

Seit dem Urteil der kolumbianischen Landentwicklungsbehörde (Incoder) im November 2012, welches die Besitzrechtsverhältnisse in Las Pavas definitiv klärte und die umstrittenen Grundstücke der Kleinbauernvereinigung ASOCAB zugesprochen hat, werden die Kleinbauern durch Arbeiter der Palmölfirma Aportes San Isidro S.A.S. massiv bedrängt, beschimpft und bedroht.

Anfang März 2013 machte ASOCAB in einer öffentlichen Bekanntmachung (denuncia pública) auf die kriminellen Machenschaften und die Rechtsverletzungen durch die Arbeiter der Palmölfirma aufmerksam, welche mit allen Mitteln versuchen, die Kleinbauern von der Ausübung ihres Landbesitzrechtes in Las Pavas abzuhalten. Weiter klagt ASOCAB die Untätigkeit der Gemeindefunktionäre von El Peñon, der Staatsanwaltschaft sowie der Polizei an, welche die Sicherheit der Kleinbauern garantieren müßten. Die Situation ist zur Zeit so kritisch, dass eine erneute Vertreibung der rund 120 Familien zu befürchten ist.

Mit dem Ziel die Kleinbauern von Las Pavas zu vertreiben, verfolgt die Palmölfirma eine Strategie der Einschüchterung und der Drohung.Dabei mißachtet die Palmölfirma eindeutig verschiedene juristische und administrative Entscheide, welche die Rechte der Kleinbauern über die Grundstücke der hacienda Las Pavas festschreiben.

Im Folgenden die schwerwiegendsten Ereignisse seit Anfang Jahr:

  1. Seit dem 10. Januar wurde wiederholt Stacheldraht, mit dem die Parzellen der Kleinbauern eingezäunt sind, durch Arbeiter der Palmölfirma entwendet. Der Raub beläuft sich auf über 400 Rollen, was einem Gegenwert von 32 Millionen Pesos entspricht. Dies ist für die Gemeinschaft ein irreparabler Verlust, bedenkt man, dass die Drähte durch Spenden finanziert worden waren.
  2. Am 16. Januar drohte Mario Mármol Montero der Familie Albear Narvaez die drei minderjährigen Töchter würden vergewaltigt, wenn sie nicht von der finca verschwinden würden. Mario Mármol Montero ist in der Gegend als Paramilitär bekannt, der sich nicht am Desmobilisierungsprozess beteiligt hatte und der nun als Verwalter der umstrittenen Ländereien für Aportes San Isidro tätig ist.
  3. Am 26. Februar wurden Felder eines Mitgliedes von ASOCAB niedergebrannt. Ein halber Hektar mit Bananen bepflanztes Land wurde zerstört. Während des Brandes wurde Mario Mármol Montero und weiter Arbeiter der Privatsicherheit der Palmölfirma Aportes San Isidro dabei beobachtet, wie sie den gesamten Draht, der die Parzelle umgab mitnahmen.
  4. Ein Tag später, am 27. Februar wurden Kleinbauern von ASOCAB davon abgehalten Land für die Aussaat von Reis vorzubereiten. Carlos, der Sicherheitschef der Palmölfirma, Mario Mármol Montero und weiter Arbeiter der Firma bedrohten die Bauern mit Waffen und befahlen ihnen die Arbeit sein zu lassen.

Diese jüngsten Drohungen und Angriffe sind die Fortsetzung jahrelanger und unzähliger Einschüchterungen, Beschimpfungen und Aggressionen gegen die Kleinbauern von Las Pavas und der Versuch diese von ihrem jüngst bestätigten, rechtmäßigen Landbesitz zu vertreiben.

Die Kleinbauern von ASOCAB halten an der friedlichen Verteidigung ihrer Rechte und am Glauben in den Rechtsstaat fest. Die Vereinigung ruft die nationale und internationale Zivilgesellschaft zur Solidarität auf und verlangt vom kolumbianischen Staat, dass ihre Anschuldigungen seriös untersucht werden, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden und dass Maßnahmen ergriffen werden, welche die Sicherheit der Bauerngemeinschaft garantieren und dass sie für die erlittenen Schäden gebührend entschädigt werden.

aktuelle Informationen zu Las Pavas: http://retornoalaspavas.wordpress.com/

Pressemitteilung ASOCAB

denuncia pública ASOCAB

Artikel von Jann Duri Bantli

Download PDF

Aktuell

21.12.2018

Ask!: Seit 31 Jahren im Dienst von Frieden und Menschenrechten

Seit 1987 setzt sich die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien ask! als Stimme der kolumbianischen Zivilgesellschaft für Frieden und Menschenrechte ein.

2018 organisierte sie dazu öffentliche Veranstaltungen zu den Wahlen in Kolumbien, zum Kokaanbau und dem Drogenkrieg, zu den Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzungen von Schweizer Konzernen in Kolumbien.

Sie organisierte Film- und Diskussionsabende, Pubquizze und ein Jass- und Tichuturnier und hielt anlässlich des Internationalen Menschenrechtstags Predigten in katholischen und reformierten Kirchen.

Sie lobbyierte im Rahmen der Konzernverantwortungsinitiative für eine verbindliche Sorgfaltsprüfungspflicht für Unternehmen, verfasste und unterstützte verschiedene offene Briefe und Petitionen an die Regierungen der Schweiz und Kolumbiens. Elf Mal versandte die ask! 2018 einen umfassenden Newsletter mit Monatsbericht zur Lage der Menschenrechte in Kolumbien und aktuellen Entwicklungen.

Auch für 2019 haben wir wieder einiges geplant. Veranstaltungen zu Frieden und Menschenrechten, eine neue Kampagne und eine neue Webseite. Damit wir unsere Pläne realisieren können, sind wir auf unsere grosszügigen UnterstützerInnen angewiesen. Danke für Ihre Treue!

Mitglied der ask! werden und/oder an die ask! spenden oder einfach eine Spende an das Postkonto der ask! IBAN CH33 0900 0000 6018 6321 2 überweisen.