08/26/12

Las Pavas: illegaler Palmanbau auf Gemeinschaftsland

26.08.2012 | Regula Gattiker und Stephan Suhner

Wie schon am 9. Juli berichtet, kündigten Aportes San Isidro, die Palmölfirma, welche in Las Pavas operiert, gemeinsam mit dem Gewerkschaftsverbund CGT (Confederacion General de Trabajadores) und der Federacion Sindical Nuevo Liderazgo Campesino an, dass sie das von ASOCAB mit Nahrungsmitteln kultivierte Land zerstören und auf diesem Palmen pflanzen würden.

Am Montag, 9. Juli trafen in der Tat zwischen 150-200 von der Firma angeheuerte Personen mit Traktoren vor Ort ein und begannen, Zäune und angebaute Felder zu zerstören und direkt auf diesem Land Palmen zu pflanzen. Zudem wurde verbale und physische Gewalt an den Bauern von ASOCAB verübt, welche sich anfänglich mit friedlichen Mitteln gegen die Aktion zu wehren versuchten, dann jedoch aus Angst damit aufhörten und ihre Anwältin für sie sprechen liessen. Die Polizei war vor Ort, griff allerdings nicht ein und zog nach einem halben Tag ab. Angeführt wurden die Bauern von Mario Marmol, neuer Administrator der Finca und mutmasslicher ehemaliger Paramilitär, sowie von Pedro Moreno, einem ehemaligen Bauern von Buenos Aires, der heute bei der Palmölfirma arbeitet und Mitbegründer der Organisation Nuevo Liderazgo Campesino ist. Diese Organisation wurde auf Initiative der Firma gegründet, um den Zusammenhalt der Bauern in Buenos Aires, insbesondere die Bauerngemeinschaft ASOCAB, zu schwächen und somit zu erreichen, dass niemand in Frage stellt, dass sie rechtmässige Besitzer der Ländereien in Las Pavas ist.

Ziel der Aktion ist es, möglichst viele Spuren der tatsächlichen Landnutzung durch die Bauern von ASOCAB zu verwischen und die staatlichen Institutionen glauben zu machen, dass Las Pavas gänzlich von der Palmölfirma genutzt wird. Aufgrund der Rechtsprechung des Verfassungsgerichts (Urteil 267/2011) darf allerdings, solange der Prozess der Besitzauslöschung noch im Gange ist, auf Las Pavas nichts verändert werden, da Landbesichtigungen und –vermessungen durch das Incoder durchgeführt werden.

Das Incoder hat auf die gewaltvolle Aktion reagiert und der Polizei angeordnet, sofort wieder vor Ort zu gehen und für den Schutz der Bauern und ihres Besitzes zu sorgen. Dabei hat es  sich auf das Urteil des Verfassungsgerichts bezogen, welches besagt, dass niemand den Prozess der Besitzauslöschung auf Las Pavas behindern darf. Ebenso ging eine Funktionärin des Incoders am 13. Juli vor Ort, um die Palmölfirma darüber aufzuklären, dass ihre Aktion unrechtmässig sei und strafrechtliche Konsequenzen haben könne.[1] Dabei kam es zu einem Streit zwischen der Funktionärin und einem Mitglied von Nuevo Ligerazgo Campesino, der in der Presse genüsslich ausgeschlachtet wurde.[2]

Weder die rasche und effiziente Begleitarbeit der NGO, die Intervention des Incoder noch die Präsenz der Polizei konnte die Firma jedoch daran hindern, weiterhin Palmen anzubauen. Ausserdem werden Vorfälle von Drohungen und Akten zur Verängstigung der Gemeinschaft gemeldet. Beispielsweise wurde in den letzten Tagen ein Maultier von Unbekannten mit einer Machete verletzt und zurück ins Dorf getrieben. Ebenso hat der Anwalt der Palmölfirma sowohl die Bauern als auch einen internationalen Begleiter verbal und physisch angegriffen. Die Lage ist somit weiterhin sehr angespannt und unsicher.

Deshalb hat ein Verbund von internationalen Organisationen, darunter auch die ASK, am 17. Juli einen Brief an Präsident Santos gesendet[3], in dem gefordert wird, dass die Sicherheit der Bauerngemeinschaft ASOCAB und ihres Besitzes garantiert wird, indem der Zugang und die Landbearbeitung auf Las Pavas für niemanden ausser die Bauern von ASOCAB erlaubt ist. Des Weiteren soll die Implementierung des Verfassungsgerichtsurteils möglichst schnell abgeschlossen werden, um eine weitere interne Vertreibung der Bauern zu vermeiden. Ebenso fordern die Organisationen, dass die Bauern Not-Nahrungsmittelhilfe erhalten, da ihre Nahrungsquellen abermals zerstört worden sind und dass sie längerfristig Saatgut erhalten, um ihre Felder erneut bewirtschaften zu können. Schliesslich fordern sie besonderen Schutz für die Leader der Bauerngemeinschaft, welche aufgrund ihres Einsatzes für die Menschenrechte der gesamten Gemeinschaft einem sehr grossen Risiko ausgesetzt sind. Zu Recht – denn am 26. Juli musste schon wieder einer der Leitfiguren von ASOCAB fliehen, da er ohne offiziellen Grund von den Behörden gesucht wurde. Die heikle Situation vor Ort lässt es bis heute nicht zu, dass er wieder nach Hause zurückkehrt.

Die ASK hat bis heute keine Kenntnis von Antworten der kolumbianischen Behörden auf die Briefe von Mitte Juli. Die Handlungen der Behörden waren bisher zu zögerlich, um die Rechte der Bauerngemeinschaft ASOCAB zu schützen und das weitere Anpflanzen von Palmen auf dem juristisch umstrittenen Land wirksam zu unterbinden. Das Palmunternehmen Aportes San Isidro, die „Bauerngewerkschaft“ Nuevo Liderazgo und die Gewerkschaftsverband CGT greifen derweil zu immer dreisteren Methoden. Gestützt auf gefälschte Beweise und eine Strafanzeige des Unternehmens San Isidro hatte die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl gegen den Lehrer und angesehene Führungsperson der ASOCAB, Eliud Alvear Cumplido, erlassen. Ihm wird vorgeworfen, Dokumente gefälscht zu haben und gar keine Ausbildung als Lehrer zu haben. Die tendenziöse Medienberichterstattung geht derweil weiter: Canal RCN berichtete am 13. August vom Haftbefehl gegen Eliud Alvear, und dass die Staatsanwaltschaft feststellen konnte, dass eine weitere Führungsperson der ASOCAB möglicherweise Verbindungen zu Guerilla habe. Weiter beruft sich RCN ein weiteres Mal auf die fragwürdige Zwischenverfügung der 5. Staatsanwältin von Cartagena vom letzten November, wonach die Staatsanwaltschaft festgestellt hätte, dass es in Las Pavas keine gewaltsamen Vertreibungen gegeben hätte, die Palmölfirmen die rechtmässigen Besitzer des Landes seien und ASOCAB von NGOs manipuliert worden sei.[4]

Trotz diesen Widerwärtigkeiten versuchen Mitglieder von ASOCAB immer wieder, ihre Parzellen neu mit Lebensmittel zu bepflanzen, einerseits um den Besitzanspruch im Prozess des INCODER weiter zu bekräftigen, andererseits um die prekäre Ernährungslage der Gemeinschaft zu verbessern. Angestellte des Palmunternehmens verlangen nun jedoch, dass die Campesinos der ASOCAB ihre Parzellen verkaufen sollen. Dies ist widersprüchlich, da Aportes San Isidro sich ja als legaler Besitzer allen Landes ausgibt. Angestellte des Palmunternehmens Aportes San Isidro, darunter Mario Marmol sowie der Anwalt des Unternehmens, Danilo Enrique Palacios, bedrohten Mitglieder der ASOCAB mit Feuerwaffen und drohen, sie ins Gefängnis zubringen, wenn sie sich weiterhin weigern würden, ihre Parzellen zu verkaufen. Vom 9. Juli bis Mitte August hatte das Unternehmen über 80000 neue Palmsetzlinge ausgebracht. Das Incoder hat diese Pflanzungen für illegal erklärt, während es der Gemeinschaft ASOCAB das Recht zugestand, bis zum Abschluss des Verfahrens zur Besitzrechtsklärung auf den Parzellen weiterhin Lebensmittel für den Eigenbedarf anzubauen. Etwas Hoffnung machte der Gemeinschaft ein Besuch ein UNO-Vertreters, der Las Pavas vom 14. bis 17. August 2012 besuchte.

Weitere Informationen auf: http://retornoalaspavas.wordpress.com/ 

Video über die Lage in Las Pavas: http://www.youtube.com/watch?v=_LND58MMsZE

Pressecommuniqué des PPDMM über Besuch des Incoder (13. Juli 2012

Stellungnahme internationaler NGOs vom 19. Juli 2012 (spanisch

Download PDF


[1] Pressekommuniqué des Friedens- und Entwicklungsprogramms des Mittleren Magdalenatals (PPDMM) vom 13. Juli 2012: “SÓLO ASOCAB, TIENE LA POSESIÓN DE LOS PREDIOS: INCODER”.

[2] http://www.canalrcnmsn.com/noticias/por_supuesto_abuso_de_autoridad_subdirectora_de_tierras_del_incoder_ser%C3%A1_denunciada

[3] Siehe pdf-Dokument am Ende des Textes.

[4] Siehe Canal RCN vom 13. August 2012: http://www.canalrcnmsn.com/noticias/orden_de_captura_contra_el_líder_campesino_eliud_alvear_por_falsedad_y_fraude_procesal

Aktuell

08.12.2016


Spenden an die ask!

Wir leisten unsere Arbeit für die kolumbianische Zivilgesellschaft mit viel Herzblut. Um unsere Kosten zu decken, sind wir auf Spenden angewiesen.

Wir freuen uns entsprechend über eine Spende auf:
PC-Konto 60-186321-2
(
IBAN CH33 0900 0000 6018 6321 2)

26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com