08/30/10

Familien aus Las Pavas in Not

30.08.2010 | von Sylvia Meyer

Die Kleinbauernfamilien aus der Gemeinschaft Las Pavas befinden sich nach über einem Jahr nach der Vertreibung in einer humanitären Krise. Die Lebensmittel gehen zur Neige, zudem erschweren massive Überflutungen in der Region des Mittleren Magdalena die Situation in dieser und anderen Gemeinden. Mittlerweile sind auch Fremde im Dorf präsent, die die Familien bedrohen. Dass die Familien auf juristischem Weg ihr Land von der Landreformbehörde INCODER zugesprochen bekommen, ist derweil aussichtslos, da bei einer erneuten Begehung des Geländes keine kleinbäuerliche Aktivität mehr nachzuweisen war.

Besuch bei der Gemeinschaft

Unser Aufenthalt in Buenos Aires zeigt, dass die Schilderung der Lebenssituation der Kleinbauernfamilien nicht dramatisiert war. Wir gelangen kaum bis zum Dorf, da die einzige Strasse durch die Überschwemmungen in der Region kaum passierbar ist. Mehr als einmal steigen wir auf der dreistündigen Fahrt von der Ladefläche des stecken gebliebenen Geländewagens und schieben. Im Dorf ist die Stimmung gedrückt, da die juristischen Prozesse immer neue, absurde Ergebnisse bringen. Die Wiederholung der Begehung der Flächen zur Prüfung der Eignung für die Landreform gab dem Konsortium Recht, das nun seit einem Jahr die Flächen bewirtschaftet, auf denen noch vor ein paar Jahren Misael Payares mit seinem Traktor den Boden bearbeitete. Den Traktor gibt es nicht mehr, Don Misael und die Mitglieder von ASOCAB werden nun dank der Nothilfe von Swissaid Schweinezucht betreiben. Das reicht jedoch kaum zur Deckung der notwendigsten Bedürfnisse.

Der Versuch, das Gelände zu begehen und die Folgen der Plantagen für die Umwelt zu begutachten scheitert bereits an den Überschwemmungen. Auch das ist eine Erkenntnis. Die Überschwemmungen und weitere Umweltschäden werden auch imvon Christian Aid und Body Shop finanzierten Expertenbericht festgehalten.

Expertenkommission sorgt für Klarheit

Der Bericht bestätigt die Aussagen von Don Misael bezüglich der Vertreibung, der jahrzehntelangen Landnutzung durch die Familien und der Umweltschäden. Letztere sind zwar nicht an der grossflächigen Fällung von Primärwald fest zu machen, allerdings wird die empfindliche Gewässerökologie der Region durch die Plantagen gestört. Das Konsortium schüttete gesetzeswidrig einige Gewässer zu, die Überschwemmungen in Las Pavas werden durch die Plantagen verstärkt. Bereits im Mai dieses Jahres war Don Misael, Leiter der Kleinbauernorganisation ASOCAB, in die Schweiz gereist. Dies stammt aber aus anderen Regionen Kolumbiens. Zu diesem Zeitpunkt stand es bezüglich der Vorfälle und der Rechtslage quasi Aussage gegen Aussage: Einerseits erhoben die Familien schwere Vorwürfe und machten international auf ihre Notlage aufmerksam. Andererseits präsentierte sich das Unternehmen Daabon als Opfer einer internationalen Diffamierungskampagne von NGOs und wusch seine Hände auch bei Stellungnahmen an die ask! in Unschuld.

Vor der UNO, Stakeholdern von Daabon und Schweizer-Zertifizierern denunzierte Don Misael die Vertreibung. Auch auf die Umweltschäden machte er aufmerksam. Eine Klärung der juristischen Lage sahen zumindest die deutschen Käufer von organischem Palmöl von Daabon – Alnatura, Rapunzel und Allos – als quasi unlösbares Problem. Die spätere Stellungnahme des Zertifizierers Ecocert trug zusätzlich dazu bei, die Sachlage zum Fall Las Pavas zu verschleiern: Angeblich wurden während einer unabhängigen Untersuchung vor Ort keine Informationen gefunden, die die Anschuldigungen der Kleinbauern in irgendeiner Form rechtfertigen würden. Auch die Legalität des Kaufes durch Daabon stände ausser Frage. Diese Aussage kann nun dank des unabhängigen Expertenberichtes als falsch bezeichnet werden. Die Kunden von Daabon, die auch während der Rundreise von Misael Payares zu Gesprächen bereit waren, sahen sich bereits in einer frühen Phase gezwungen, selber Begehungen vor Ort durchzuführen. Diese Untersuchungen gelangten letztendlich auch zu deutlich differenzierteren Bewertungen als der Ecocert-Bericht. Sowohl Umweltmängel in den Plantagen von Las Pavas als auch die rechtlichen Mängel im Prozess der Kleinbauern fanden beispielsweise
in dem Bericht von Alnatura Erwähnung.

Leider bleiben die Schlussfolgerungen vage: Für die Importeure bleibt es ein gewichtiges Argument, dass das Bio-Palmöl nicht aus Las Pavas stamme und dass die Bedingungen auf den Bio-Plantagen Daabons im Norden Kolumbiens sehr vorbildlich seien. In Las Pavas sei nur der Anbau von Palmen für Agrotreibstoffe geplant. So bleibt auch das Fazit der Firmen bezüglich einer finalen Stellungnahme von Daabon versöhnlich:

Die Handelspartner von Daabon in Deutschland begrüßen diese Selbstverpflichtung des Unternehmens. Wir erwarten von Daabon, dass sie den konstruktiven Dialog mit den Bauern fortsetzen und für die geplanten Palmplantagen rund um Las Pavas dieselben hohen sozialen und umweltverträglichen Maßstäbe anlegen wie für die Regionen Magdalena und La Guajira, aus der das Bio-Palmöl für deutsche Bio-Produkte stammt. Den Verlauf des Prozesses werden wir weiter aufmerksam beobachten und fortlaufend bewerten.

Es wäre wünschenswert, wenn die Unternehmen einen Schritt weiter gedacht und die Ergebnisse des unabhängigen Expertenberichtes klarer berücksichtigt hätten: Erstens zitiert der unabhängige Expertenbericht staatliche Studien, die besagen, dass die Region in Gänze aufgrund der Gewässerökologie nicht für den Anbau von Palmen geeignet sei. Auf diese Feststellungen gehen die Forderungen nicht ein, sie verlangen nicht einmal eine weitere Abklärung. Zweitens ist spätesten in diesem Bericht deutlich geworden, dass die Kleinbauern rein rechtlich ebenso legitime Ansprüche auf das Land haben wie das Unternehmen. Sie sind demnach durch juristische Prozesse in unfairem Masse benachteiligt worden, was sie nun nach über einem Jahr in eine überaus prekäre Situation bringt. Die Argumentation, dass fälschlicherweise eine Verbindung zwischen Biopalmöl und Plantagen für Agrotreibstoffe konstruiert wurde, teilt die ask! nicht. Daabon ist das erste Unternehmen, das vom Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO) zertifiziert werden soll.

Der RSPO verlangt in den Zertifizierungskriterien unter Kriterium 2.2 ausdrücklich, dass ein zertifiziertes Unternehmen nicht in Landrechtstreits verwickelt sein sollte. Gemeinschaften, mit denen ein Landkonflikt virulent sei, müssten Entschädigungen gezahlt werden, denen die Gemeinschaften nach vorgängiger Information aus freien Stücken zustimmen müssen.8 Aus Sicht der ask! ist Daabon über C.I. Tequendama in einen eben solchen Landrechtsstreit involviert. Auch wenn die Plantagen nicht direkt für nachhaltiges Palmöl genutzt werden sollen, ist nicht nachzuvollziehen, wie ein solches Zertifikat vergeben werden kann, mit dem die Firma in der Öffentlichkeit nicht nur einzelne zertifizierte Plantagen bewirbt, sondern das Image insgesamt aufwertet. Alle Zertifikate von Daabon sind auf der Website aufgelistet und es ist für Kunden nicht nachvollziehbar, dass nur wenige Geschäftsbereiche zertifiziert sind. Es ist von Verschleierung und Intransparenz gegenüber Kunden und Stakeholdern zu sprechen. Daher ist Daabon nun auch in der Pflicht zu Handeln − zumal die Kosten für das Unternehmen nicht dem Preis entsprechen, den die Familien zahlen, wenn sie weiterhin ohne ihr Land leben müssen.

Begleitorganisationen sind sich einig

Nachdem die ask! bereits seit Mai 2010 intensiv zu dem Fall arbeitet und sich im Juli 2010 auch persönlich vor Ort von der humanitären Notsituation in Las Pavas ein Bild machen konnte, wird sie die Forderungen der Kleinbauern gegenüber Stakeholdern in der Schweiz und in Deutschland mit allen nötigen Mitteln unterstützen. Dabei agiert die ask! in Absprache mit den weiteren internationalen und nationalen Organisationen, die die Gemeinschaft bei ihren Bemühungen auf vielfältige Art unterstützen. Die Forderungen und der freie Wille der Gemeinschaft stehen stets im Zentrum unserer Arbeit.

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08.12.2016


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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com