25.05.2010

Der Fall Las Pavas: Bericht vor dem UNO-Menschenrechtsrat

25.05.2010 | von Sylvia Meyer
Vertreter der Gemeinschaften am Komitee DESC der UNO.

Don Misael sitzt an einer riesigen, ovalen Tafel. Der kleine, sonnengebräunte Mann wirkt ein wenig verloren in dem großen Ledersessel. Er trägt seine besten Kleider. Der beige Hut, den er genauso wie eine schwarze Daunenjacke während der gesamten Sitzung nicht ablegt, verrät Don Misael als kolumbianischen Kleinbauern. UNO-Kommissare hören sich die Situation der Menschenrechte im Land aus Sicht der NGOs an. Misael Payares ist das erste Mal in Europa, er ist das erste Mal geflogen und zum ersten Mal hat er die Gelegenheit, seine Geschichte vor Experten vom Komitee für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte der UNO, auf Spanisch kurz Comité DESC, zu erzählen. Es ist eine Geschichte von Bedrohung, Vertreibung, Machtgefälle, Korruption und Agro-Industrie – eine nicht untypisch kolumbianische Geschichte

„Ich bin ein Botschafter der Kleinbauern“, sagt Don Misael. Er spricht laut und deutlich. Für seinen Appell an die sieben Kommissare der UNO hat der Mann, der einen jahrelangen friedlichen Kampf gegen die Behörden und Wirtschaftsbosse führt, nicht einmal fünf Minuten Zeit. Nicht ohne Gott und den Anwesenden für die Möglichkeit zu danken, seine Bitte vorzubringen, erklärt er: „Wir sind die juristisch möglichen Wege gegangen, wir haben den friedlichen Weg gewählt. Wir möchten doch nur Land, das uns und unsere Familien ernährt.“

Vom 3. bis zum 6. Mai 2010 dauert die Berichtererstattung über Kolumbien während der 44. Session des Comité DESC. Don Misael ist nicht der einzige Vertreter der alternativen kolumbianischen Delegation. Auch ein Mitglied des indigenen Stammes der Wayuu ist anwesend, wie auch ein Vertreter der afrokolumbianischen Gemeinschaften im Pazifikraum. Verschiedene Hilfswerke, NGOs und Anwälte, die ihre Arbeit nur unter zunehmender Bedrohung der eigenen Sicherheit durchführen können, haben einen alternativen Bericht vorbereitet. Trotz anders lautender Bestimmungen konnten die NGOs nämlich nicht am offiziellen Bericht zur Lage der Menschenrecht Kolumbiens mitwirken.

Der Erfolg der Präsentation der NGOs am dritten Mai zeigte sich im weiteren Verlauf der Session deutlich. Die Delegation des kolumbianischen Staates wurde nachfolgend mit einigen Fragen konfrontiert, die sie nicht immer zufriedenstellend beantwortete. Die Anwältin Elizabeth Ruiz Thorrens, die den Fall Las Pavas für das PPDMM (Programm für den Frieden und die Entwicklung des mittleren Magdalena) begleitet, meint: „Als die nicht-staatliche Delegation die Lage der wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Menschenrechte darlegte, war bei den Vertretern des Staates Besorgnis zu spüren. Sie waren schlecht vorbereitet, was man auch am darauffolgenden Tag bei ihrer Präsentation merkte.“

Auf seiner Reise in die Schweiz und nach Deutschland hat Don Misael nicht nur Gelegenheit gehabt, mit Experten der UNO zu sprechen: Auch Diskussionen mit Mitarbeitern der deutschen Bio-Unternehmern, die von Daabon Palmöl beziehen (Rapunzel, Alnatura und Allos) war möglich. In diese Richtung wird die ask in den kommenden Wochen auch weiterarbeiten. Besonders der Schweizer Zertifizierer Bio Suisse, der auch Palmöl von Daabon mit der Knospe ausgezeichnet hatte, zeigte grosses Interesse, mit den Betroffenen in Kontakt zu kommen. Um die Sachlage weiter zu prüfen, kooperiert die ask künftig mit Bio Suisse.

Die ask freut sich sehr, die Teilnahme von Don Misael an der UNO-Session, den Austausch mit den Stakeholdern von Daabon und auch eine Podiumsdiskussion mit einer weiteren Kleinbauernvereinigung mit Hilfe von Swissaid und Fian ermöglicht zu haben.
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