14.03.2013

Schweizer Zertifizierungsstelle für „Nachhaltige Biotreibstoffe“ legitimiert Land Grabbing

14.03.2013 | Medienmitteilung der Plattform Agrotreibstoffe

Die Plattform Agrotreibstoffe ist bestürzt über die Zertifizierung des Genfer Unternehmens Addax Bioenergy durch den „Runden Tisch für Nachhaltige Biotreibstoffe“ (RSB). Obwohl der Anbau von Bioethanol durch Addax auf 57‘000 ha gepachtetem Land in Sierra Leone die lokale Ernährungssicherung gefährdet, erhält das Projekt das erste „Nachhaltigkeitssiegel“ in Afrika. Dass der RSB durch mehrere Schweizer Verwaltungsstellen unterstützt wird, ist besonders stossend.

Ist es nachhaltig, in Afrika Agrotreibstoffe für den Export zu produzieren, wenn das dafür verwendete Land der lokalen Bevölkerung zum Anbau von Nahrungsmitteln fehlt?

„Ja“, sagt der „Runde Tisch für Nachhaltige Biotreibstoffe“ (RSB ) mit Sitz in Lausanne, dem 48 internationale Grossunternehmen – darunter auch Shell, Petrobras, Airbus und Boeing und das soeben zertifizierte Unternehmen Addax Bioenergy – sowie verschiedenen NGOs angehören.

„Nein“, sagt das Netzwerk für das Recht auf Nahrung in Sierra Leone (SiLNoRF), das seit 2010 die Investitionen und Aktivitäten des Bioethanol-Produzenten Addax Bioenergy in Sierra Leone überwacht. „Der RSB zertifiziert ein Projekt, dass die Ernährungssicherheit vor Ort gefährdet. Die Menschen in den Bezirken Tonkolili und Bombali können ihre Ernährung nicht mehr gewährleisten und verlieren ihre Landrechte sowie den Zugang zu Wasser“, sagt Mohamed Conteh, Direktor von SiLNoRF. SiLNoRF hat mit Unterstützung von Brot für allewww.brotfueralle.ch/addaxbioenergy). Obwohl der RSB im Vorfeld über die kritische Situation informiert wurde, hat er das Netzwerk nicht konsultiert. „Wären wir gefragt worden, hätte Addax sicherlich keine Auszeichnung erhalten“, sagt ein Bewohner des Dorfes Masorie im Bezirk Bombali. „Wir haben die Verträge mit Addax unterzeichnet, weil uns das Unternehmen versprochen hat, uns von der Armut zu befreien. Doch nun ist genau das Gegenteil eingetroffen.“

„Nein“, sagt auch die Plattform Agrotreibstoffe, ein Zusammenschluss von Schweizer NGOs. Die negativen Auswirkungen des Projekts in Sierra Leone zeigen exemplarisch die Problematik von Agrotreibstoffen auf. In diesem Zusammenhang von Nachhaltigkeit zu sprechen, ist zynisch und zeugt von sträflicher Ignoranz der effektiven Situation. „Die Zertifizierung eines so offensichtlich fragwürdigen Projekts bestätigt alle Zweifel an den Nachhaltigkeitskriterien des RSB“, sagt Tina Goethe, Koordinatorin der Plattform Agrotreibstoffe und Landwirtschaftsexpertin bei Swissaid.

„Stossend ist zudem, dass das Bundesamt für Energie, das Bundesamt für Umwelt und AlcoSuisse, ein Profitcenter der Eidgenössischen Alkoholverwaltung,  als Mitglieder des RSB figurieren. Damit unterlaufen sie den sonst umfassenden Anspruch der Schweiz an die Nachhaltigkeit und legitimieren Land Grabbing“, meint Miges Baumann von Brot für alleSiLNoRF.

Download als pdf

Zusammenfassung der RSB Analyse 

Aktuell

21.12.2018

Ask!: Seit 31 Jahren im Dienst von Frieden und Menschenrechten

Seit 1987 setzt sich die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien ask! als Stimme der kolumbianischen Zivilgesellschaft für Frieden und Menschenrechte ein.

2018 organisierte sie dazu öffentliche Veranstaltungen zu den Wahlen in Kolumbien, zum Kokaanbau und dem Drogenkrieg, zu den Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzungen von Schweizer Konzernen in Kolumbien.

Sie organisierte Film- und Diskussionsabende, Pubquizze und ein Jass- und Tichuturnier und hielt anlässlich des Internationalen Menschenrechtstags Predigten in katholischen und reformierten Kirchen.

Sie lobbyierte im Rahmen der Konzernverantwortungsinitiative für eine verbindliche Sorgfaltsprüfungspflicht für Unternehmen, verfasste und unterstützte verschiedene offene Briefe und Petitionen an die Regierungen der Schweiz und Kolumbiens. Elf Mal versandte die ask! 2018 einen umfassenden Newsletter mit Monatsbericht zur Lage der Menschenrechte in Kolumbien und aktuellen Entwicklungen.

Auch für 2019 haben wir wieder einiges geplant. Veranstaltungen zu Frieden und Menschenrechten, eine neue Kampagne und eine neue Webseite. Damit wir unsere Pläne realisieren können, sind wir auf unsere grosszügigen UnterstützerInnen angewiesen. Danke für Ihre Treue!

Mitglied der ask! werden und/oder an die ask! spenden oder einfach eine Spende an das Postkonto der ask! IBAN CH33 0900 0000 6018 6321 2 überweisen.