04/24/10

Petition Agrotreibstoffe

24.04.2010

Agrotreibstoffe in der Schweiz?

Auf der Medienkonferenz der Plattform Agrotreibstoffe am 23. April sowie weiteren Veranstaltungen stellten Experten aus verschiedenen Ländern die Gefahren der Produktion von Agrotreibstoffen dar. 

Rudolf Rechsteiner (Nationalrat SP/BS): Agrotreibstoffe schaden der Umwelt, den Menschen und dem Klima

In der Schweiz sind derzeit drei Raffinerien für importierte Agrotreibstoffe geplant, zwei Projekte wollen Rohstoffe aus Entwicklungsländern verwenden. Diese drei Raffinerien würden, wenn sie gebaut sind, je zwischen 80‘000 und 100‘000 Tonnen Rohstoffe verarbeiten. Deren Produktion würde mehr Bodenfläche beanspruchen als die Schweiz selber Ackerland besitzt.

Die Firma in Zurzach hat bereits eine Baubewilligung erhalten und will laut Medienberichten im Sommer 2010 bauen. Wer aber im Inland Agrotreibstoff herstellen will, braucht aber eine Bewilligung der Eidgenössischen Oberzolldirektion. So auch Green Biofuel AG in Zurzach. Baut die Firma ohne Bewilligung des Bundes, läuft sie Gefahr, zwar eine neue Anlage zu haben, aber nicht produzieren zu dürfen.

Die Bewilligung sollte dabei dem Umstand Rechnung tragen, dass das Parlament gewillt ist, die Zulassung von Agrotreibstoffen zu verschärfen. Ziel der parlamentarischen Initiative der UREK ist es, die Zulassung auf den Schweizer Markt an strengere Bestimmungen zu knüpfen. Diese sollen auch indirekte Auswirkungen der Agrotreibstoffe berücksichtigen, namentlich die Erhöhung derLebensmittelpreise, Vertreibung von Bauernfamilien, Zerstörung der Wälder und Zunahme desWelthungers (derzeit mehr als eine Milliarde Menschen).

Eine Subkommission der Urek (Kommission für Umwelt, Energie und Raumplanung) konkretisiert derzeit die neuen Bestimmungen für die Verschärfung der geltenden Gesetzgebung. Diese neuen Vorschriften sind dringlich, weil sonst auf Basis der geltenden Steuerbefreiung höchst fragwürdige Projekte in der Schweiz realisiert werden.

Die Plattform Agrotreibstoffe hat sich entschlossen, mit einer Petition nochmals nachzufassen, um den Fehlentwicklungen auf diesem Gebiet grössere Beachtung zu verschaffen. Als Mitglied der Urek möchte ich diese Bemühungen unterstützen. Das Recht auf Nahrung ist eines der grundlegenden Menschenrechte. Menschenrechte sind von Regierung und Verwaltung genauso zu beachten wie Handelsrechte.

Eine Schweizer Delegation von Parlamentariern bereiste im Februar 2010 unter der Leitung vonSWISSAID die Provinz Sur de Bolivar, eine heftig umkämpfte Region in Zentralkolumbien. Was wir dort gesehen haben, gilt leider für viele Länder des Südens. Landkonflikte sind an der Tagesordnung, da nur ein kleiner Teil der Böden einen formell anerkannten Besitzer hat. Viele Bauerngemeinschaften bewirtschaften seit Jahrzehnten Land, das formell niemandem bzw. dem Staat gehört. Sie besitzen keine Rechtstitel, und ihre traditionelle Bewirtschaftung steht unter starkem Druck von Grossgrundbesitzern, die ihre Monokulturen (Kaffee, Ölpalmen und Rinder) ausdehnen möchten oder bereits ausgedehnt haben.

Die Befürchtungen betreffend der industriellen Herstellung von Agrotreibstoffen aus Palmöl und Ethanol haben sich auf unserer Reise weitgehend bestätigt. Agrotreibstoffe sind Ursache von Landnahme, Vertreibung und Waldvernichtung. Dass Kleinbauern davon profitieren, ist eher die Ausnahme, die die Regel bestätigt.

Die Ziele der parlamentarischen Initiative der UREK, die Zulassung auf dem Schweizer Markt an strenge Bestimmungen zu knüpfen, sind aktueller denn je:

  • Klare Zulassungsbestimmungen mit Rückverfolgung der Herkunft
  • Keine landwirtschaftlichen Flächen, die für Nahrungsmittel benötigt werden
  • Keine Gefährdung der Ernährungssicherheit
  • Nachhaltige Waldbewirtschaftung in den Herkunftsländern
  • Keine Vertreibung von Einheimischen, nur Nutzung von rechtmässig erworbenem Land
  • Keine ökologisch schlechteren Produkte im Vergleich zu Erdöl

 

Daniel Ribeiro, Program Officer; Justiça Ambiental, Mozambique: Jatropha: A Socio-Economic Pitfall for Mozambique

The majority of Mozambicans are family-based small-scale farmers that produce 75% of their own food requirements. Despite this, over one third of the countries’ population has to cope with cyclic hunger and malnutrition, especially in the southern regions. On this background, jatropha emerged as a miracle cash crop that was supposed to be drought- and pest-resistant and easily grown on marginal lands. Moreover, it’s champions claimed, it would be a biofuel crop that would not endanger food security. Campaigns were launched by the presidency to induce small-scale farmers to plant jatropha and extensive efforts were made to attract large-scale investors into the sector.

Unfortunately, the experiences in Mozambique have been disappointing. Almost all Jatropha has been planted on arable land, using fertilizers and pesticides. But yields and growth rates fell well short of all claims. Irrigation was often required, even in areas where rainfall was good. Moreover, jatropha was found to be vulnerable to diseases and problems with fungi, viruses and pests. Serious concerns regarding the impacts on food security were raised as subsistence farmers planted jatropha as a direct replacement of food crops. While subsistence farmers are somewhat resistant to food price fluctuations because they produce such a high percentage of their own food, non-consumable cash crops like jatropha will change this. Conflict between large scale investors – both national and international companies – and the surrounding communities were found to be common, with cases of illegal land grabs, false promises, low wages and corruption of community leaders.

Given the current reality regarding food security in Mozambique, the claims that Jatropha has no impact on food-security and serves as a source of additional income for farmers and as a potential driving force for rural development are misguided at best and dangerous at worst. Numerous case studies in Mozambique have exposed the serious shortcomings of jatropha: The plant does not meet expected outcomes, and is in fact endangering food sovereignty and rural livelihoods. Therefore, we recommend that support for jatropha development in Mozambique be halted until the major issues regarding subsistence farming are addressed and rural communities obtain food sovereignty. A similar conclusion has been reached by Mozambique’s civil society, and its subsistence farmers in 2008, leading to a declaration with specific recommendations, including: priority of food production, greater support for subsistence farmers and cooperatives, respecting farmers´ rights and community land rights, and promoting food sovereignty.

Andrea Zellhuber (CPT Brasilien): Zucker im Tank: Wie Brasiliens Zuckerindustrie Menschenrechte verletzt und die Umwelt zerstört

Brasilien ist der grösste Produzent sowohl von Zuckerrohr (30% der globalen Produktion) als auch von Ethanol auf Zuckerrohr-Basis. In Folge des weltweiten Booms der Agrotreibstoffe sind die Anbauflächen von Zuckerrohr in den letzten Jahren rasant gewachsen. Im Erntejahr 2007/2008 belief sich Anbaufläche für Zuckerrohr auf 7 Millionen Hektar (dies entspricht etwa sieben mal der landwirtschaftlich genutzten Fläche der Schweiz). Das bedeutet eine Zunahme der Zuckerrohr-Anbauflächen um 23% im Vergleich zum Vorjahr. Von 2008 auf 2009 stieg die Zuckerrohrproduktion um weitere 7%.Nach Schätzungen des brasilianischen Landwirtschaftsministeriums wird die Zuckerrohr-Anbaufläche im Jahr 2015 13 Millionen Hektar erreichen.
Diese Entwicklung hat weitreichende ökologische und soziale Folgen. Wenigstens 27% der Ausdehnung der Zuckerrohrflächen des Erntejahres 2007/08 fand auf Flächen statt, die zuvor dem Anbau von Lebensmitteln dienten. Die Folge sind Preissteigerungen bei Grundnahrungsmittel, z.B. Bohnen und Reis.

Zudem bedroht die Expansion der Zuckerrohrplantagen Waldökosysteme von weltweiter Bedeutung. Im Mittleren Westen Brasiliens führt der Zuckerrohr-Boom zu einer ungezügelten Abholzung des Cerrado-Waldes, eines der artenreichsten Waldtypen der Welt. Allein der Bundesstaat Bahia verlor in den letzten 6 Jahren 10 % seiner Cerrado-Vegetation. Besonders problematisch ist, dass die durch die Hochkonjunktur der Agrotreibstoffe verursachten grossflächigen Landnutzungsveränderungen zur Verdrängung des Soja-Anbaus und der Rinderzucht in den Regenwald Amazoniens führen.

Die Wertsteigerung der landwirtschaftlichen Nutzflächen in den Zuckerrohrgebieten führte in Brasilien zur Verdrängung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft. Im Jahr 2007 stieg der mittlere Bodenpreis in der Landwirtschaft in Brasilien um fast 18 %, im Bundesstaat São Paulo um bis zu 400%. Auch Flächen von bisher geringem wirtschaftlichem Interesse, häufig mit ungeklärten Besitzverhältnissen, gewinnen an Attraktivität als potenzielle Zuckerrohrflächen. Oft handelt es sich dabei um von traditionellen Gemeinschaften extensiv genutzte Flächen. Gewaltsame Landkonflikte sind entsprechend häufiger geworden.

Zudem ist die Zuckerrohrwirtschaft jener Sektor, in dem am meisten Arbeiter unter ausbeuterischen Bedingungen beschäftigt werden. In regelmässigen Abständen kommt es zu Interventionen des Arbeitsministeriums, bei denen Wanderarbeiter aus sklavenartigen Arbeitsverhältnissen befreit werden. Allein 2009 deckten Kontrollen 1911 solche Fälle auf.

Sowohl ein ökologisches als auch soziales Problem ist der immense Wasserverbrauch der Zuckerrohrplantagen. In grossen Teilen des Landes kann Zuckerrohr nur mit Bewässerung angebaut werden. Eine Anlage für Kreisbewässerung (100 ha) verbraucht dabei soviel Wasser wie eine Stadt mit 30’000 Einwohnern. In vielen Gebieten führt dies zur Übernutzung der Wasserressourcen. Besonders drastisch ist die Situation in Gebieten, in denen die ländliche Bevölkerung keinen gesicherten Zugang zu Trinkwasser hat, gleichzeitig aber gross angelegte Bewässerungskanäle für Zuckerrohrplantagen gebaut werden.

Auf die zunehmende internationale Kritik an den sozialen und ökologischen Folgen der Ethanolproduktion reagierte die brasilianische Regierung im letzten Jahr mit der Veröffentlichung einer Zonenplanung. Diese gibt vor, durch die Ausweisung von geeigneten Anbaugebieten eine nachhaltige
Produktion von Zuckeranbau garantieren zu können. Bisher ist der Planungsvorschlag noch nicht vom Kongress verabschiedet, er wird jedoch von der Regierung schon als zentrales Instrument verwendet, um das negative Bild der brasilianischen Ethanolproduktion zu schönen. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass die ausgewiesenen Anbaugebiete einen Grossteil der Cerrado-Wälderumfassen. Auch werden indirekte Effekte durch Verdrängung anderer Produktionssektoren wie Soja-
Anbau und Viehzucht nach Amazonien nicht thematisiert. Es handelt sich also mehr um ein Marketing-Instrument als um einen ernstzunehmenden Regulierungsversuch des ungebremsten Zuckerrohr-Anbaus.

Erica Hennequin, Abgeordnete, Verts Jura, CIAD - Collectif contre l'importation d'agrocarburants à Delémont: Résistance contre les agrocarburants dans le canton du Jura

« Tant que des hommes, des femmes et des enfants auront faim, nous refuserons d’utiliser des aliments pour fournir du carburant à nos 4X4 d’enfants gâtés. »

En janvier 2009, la presse jurassienne annonçait «le plus grand projet industriel dans le canton», un investissement de 100 millions de francs pour une usine qui devrait produire 100'000 tonnes d'éthanol pour les marchés suisse et européen, et 30'000 tonnes d'éthanol pharmaceutique. Le projet est portépar des financiers suédois et norvégiens, déjà promoteurs de l'usine qui projette la transformation de noix de jatropha en diesel à Zurzach, L'éthanol de canne à sucre serait importé du Brésil et distillé à Delémont.

C’est l’enthousiasme pour les autorités cantonales et communales jurassiennes :100 millions d’investissements et 20 places de travail sont une aubaine.

A ce moment-là, l’euphorie pour les soi-disant « biocarburants » était déjà retombée. Le rapport de l’Empai spécifiait que ces carburants n’étaient pas aussi performants qu’on le disait et au niveau international, après la crise alimentaire, et les émeutes de la faim, de plus en plus de voix s’élevaient pour demander un moratoire, notamment à l’ONU et à l’OCDE.

En Suisse, le Conseiller national Rechsteiner venait de déposer sa demande de moratoire (retirée depuis lors, au profit de l’initiative parlementaire de la CREATE-N pour des dispositions relatives à la mise sur le marché des agrocarburants) et dans le canton du Jura, après avoir interpellé le gouvernement par deux questions écrites, je déposais, au nom de mon groupe, une motion demandant de prendre les dispositions nécessaires pour un moratoire de cinq ans sur la production d’agrocarburants à partir de végétaux cultivés dans ce seul but.

Mi-mai 2009, le CIADii (collectif contre l’importation d’agrocarburants à Delémont) était créé, pour, dans un premier temps, soutenir le moratoire. Très vite, il a regroupé plus de trente associations et plusieurs centaines de personnes. Parallèlement, un groupe poursuivant les mêmes objectifs sur Facebook réunissait rapidement plus de 1000 personnes. Le 25 mai, une résolution, qui demande à l’exécutif de la ville de Delémont de surseoir à la demande de permis de construire de l’usine, tant qu’une source d’éthanol provenant d’un procédé acceptable sur les plans éthique, social et environnemental n’a pas été trouvé était acceptée par le législatif.

Une vingtaine d’oppositions ont été déposées.

Fin septembre, le parlement jurassien a refusé le moratoire, par 35 voix contre 21. L’argument principal et pratiquement le seul : En temps de crise, un tel investissement ne se refuse pas. De son côté, le CIAD rencontrait un réel succès. Il était évident que la lutte contre la construction de l’usine dont le but est de transformer la canne à sucre du Brésil, allait continuer.

Mais sous quelle forme?

L’initiative cantonale a été jugée la meilleure solution. Début mars de cette année, le CIAD lançait donc l’initiative populaire cantonale : « La nourriture d’abord ! Pour un moratoire sur les agrocarburants ». Aujourd’hui, en moins de deux mois, nous avons plus de 1000 signatures sur les 2000 nécessaires.

Pourquoi cet engouement et cette rage ?

Pour les membres du CIAD, importer de l’éthanol à base de canne à sucre, c’est contribuer à l'augmentation des prix des aliments et participer à l'aggravation de la faim dans le monde. C’est aussi mettre en danger la survie de la petite paysannerie au Brésil, tolérer des conditions de travail proches de l’esclavage et, par effet domino, participer à la déforestation de la forêt amazonienne. L'expansion de la culture de la canne repousse la culture du soja vers le nord et celle-ci fait pression sur les éleveurs qui déboisent le sud de l'Amazonie pour pouvoir nourrir leur bétail.

C’est également une fausse réponse aux problèmes énergétiques et à la disparition du pétrole.

A cela, il faut ajouter le manque de transparence de l’entreprise. Qui sont les investisseurs ? Avec qui travaille-t-elle au Brésil - les promoteurs n’ont pas voulu nous indiquer qui seraient leurs fournisseurs brésiliens?

Nous sommes confiants. Les Jurassiens sont très sensibles à nos arguments et surtout, nombre d’entre eux connaissent déjà relativement bien le problème. Nous allons déposer l’initiative avant les vacances d’été.

Cette initiative, ainsi que la pétition nationale qui est lancée aujourd’hui vont enfin permettre un débatdémocratique et public sur une question aussi importante que de décider à quoi doivent être destinées les terres agricoles, si nous voulons vraiment une extension croissante des monocultures et si nous acceptons sans états d’âme des conditions de travail dégradantes pour faire le plein de nos puissantes voitures.

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Aktuell

08.12.2016


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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com