01/24/14

Morddrohungen gegen Anwältinnen und Anwälte in Kolumbien

24.01.2014

Anwält_innen in ganz Europa protestieren heute in Ankara, Athen, Barcelona, Berlin, Bilbao, Brüssel, Den Haag, Douala, Düsseldorf, Istanbul, Izmir, London, Madrid, Mailand, Paris, Quito, Paris, Rom, Sevilla, Stockholm und anderen Städten.

Der Tag der bedrohten Anwältin / des bedrohten Anwalts ist in diesem Jahr den Anwältinnen und Anwälten in Kolumbien gewidmet, die Morddrohungen erhalten, weil sie die Rechte der Ärmsten verteidigen und die Opfer von Menschenrechtsverletzungen insbesondere in ländlichen Gebieten vertreten, wo Kleinbauern versuchen auf das Land zurückzukehren, das ihnen rechtswidrig entzogen worden ist.

In Kolumbien ist es extrem gefährlich als Anwältin / als Anwalt zu arbeiten und den Zugang zur Justiz zu gewährleisten. Nach den Informationen des Büros des Generalstaatsanwalts in 2012 gab es über 4.400 Anschläge gegen Anwält_innen zwischen 2002 und 2012 und nach Angaben des UK CARAVANA Anwaltsteams wurden seit 1991 über 400 Rechtsanwält_innen in Kolumbien getötet. In den ersten 11 Monaten des Jahres 2013 waren es mindestens 16.

Eine erhebliche Anzahl von Drohungen gegen Menschenrechtsverteidiger_innen, einschließlich Anwält_innen, geht von illegalen paramilitärischen Gruppen aus, die trotz ihrer offiziellen Demobilisierung tatsächlich fortfahren in ganz Kolumbien zu operieren. In diesen Drohungen werden Menschenrechtsanwält_innen oft beschuldigt gemeinsame Sache mit bewaffneten Guerillas zu machen und sie so für Angriffe frei zu geben. Neuere Drohungen von illegal bewaffneten Gruppen haben den Anwält_innen und andere Menschenrechtsverteidiger_innen vorgeworfen die Arbeit multinationaler Unternehmen zu behindern. In der Tat sind solche Menschenrechtsanwält_innen , die mit Menschenrechtsverletzungen in ländlichen Gebieten gegenüber Kleinbauern befasst sind, , die auf das ihnen enteignete Land zurückzukehren versuchen, und wo Entwicklungsprojekte umgesetzt werden sollen, häufig besonderen Repressionen ausgesetzt.

Die hohe Anzahl von Morden an Menschenrechtsverteidiger_innen, einschließlich Anwält_innen, bedeutet, dass Drohungen gegen sie sehr ernst genommen werden müssen. Kolumbianische Menschenrechtsverteidiger_innen haben daher die Regierung aufgefordert öffentlich anzuerkennen, dass das Recht der Opfer auf Zugang zur Justiz legitim und notwendig für das Funktionieren der Demokratie ist. Stattdessen haben staatliche Stellen die Arbeit von Menschenrechtsanwält_innen gebrandmarkt.

Der gegenwärtige Friedensdialog zwischen der Regierung und der FARC Guerilla ist ein positives Zeichen, dass Kolumbien auf dem Weg ist ein Ende des bewaffneten Konflikts zu erreichen. Dennoch wird der Frieden nicht allein durch die Unterzeichnung eines Abkommens zu erreichen sein. Eine Anzahl von rechtlichen, politischen und sozialen Maßnahmen muss ergriffen werden, um einen dauerhaften Frieden zu erreichen, verbunden mit Garantien der Nicht-Wiederaufnahme bewaffneter Gewalt. Kolumbianische Menschenrechtsanwält_innen fordern eine nationale Debatte nach dem Modell der Übergangsjustiz, welche das Ende der bewaffneten Kämpfe garantiert, jedoch das Recht der Opfer auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Entschädigung nach internationalem Recht respektiert. Es gibt jedoch starke Befürchtungen, dass die Gesetzgebung sowie das von der Regierung vorgeschlagene Rahmenprogramm für Frieden und die bereits angenommene Ausdehnung der Militärgerichtsbarkeit zu weitreichender Amnestie und Straflosigkeit führen können.

Aus diesem Grund haben die drei europäischen Juristenorganisationen - die Europäischen Demokratischen Anwält_innen (AED-EDL, www.aed-edl.net ), die Europäische Vereinigung von Juristinnen und Juristen für Demokratie und Menschenrechte in der Welt (EJDM, www.ejdm.eu ) und das Europäische Menschenrechtsinstitut der Anwaltskammern (IDHAE, www.idhae.org ), welche Jurist_innen in ganz Europa repräsentieren - entschieden größere öffentliche Aufmerksamkeit auf die schwierige Lage der Anwält_innen in Kolumbien am TAG DER BEDROHTEN ANWÄLTIN / DES BEDROHTEN ANWALTS zu lenken. Anwält_Innen in zahlreichen europäischen Ländern werden daher vor kolumbianischen Botschaften und Konsulaten protestieren.

Der TAG DER BEDROHTEN ANWÄLTIN / DES BEDROHTEN ANWALTS ist eine Initiative, die in 2010 zugunsten der Anwält_innen im Iran von den AED-EDL gestartet wurde. Das Datum 24. Januar wurde gewählt in Erinnerung an die 4 Gewerkschaftsjurist_innen und eine Angestellte, die im Gewerkschaftsbüro in der Atocha Straße in Madrid in 1977 ermordet wurden (Massaker von Atocha). Dies geschah in der Zeit des Übergangs nach dem Tod des spanischen Diktators Franco (1975). Die verhafteten Täter standen in enger Verbindung zu rechtsextremen Organisationen in Spanien.

Die Demokratischen Juristen Schweiz DJS und die Arbeitsgruppe Schweiz Kolumbien (AED-EDL, EJDM und IDHAE) verurteilen auf schärfste die oben beschriebenen Gewalttaten gegen Anwält_innen und fordern von der kolumbianischen Regierung:

·         Geeignete Maßnahmen um die Sicherheit für Rechtspraktizierende zu gewährleisten, wie sie in den UN Grundprinzipien betreffend die Rolle der Rechtsanwälte festgelegt sind;

·         Öffentlich die Legitimität der Arbeit von Menschenrechtsverteidiger_innen, einschließlich Anwält_innen, sowie von Umweltaktivist_innen und Gewerkschafter_innen anzuerkennen;

·         Die vom Staat tolerierte Straflosigkeit für die Verantwortlichen für Menschenrechtsverletzungen zu beenden;

·         Maßnahmen zur Sanktionierung von Staatsbediensteten zu treffen, welche Menschenrechtsverteidiger_innen diffamieren;

·         Die unverzügliche Freilassung aller Anwält_innen, die wegen der Ausübung ihrer beruflichen Obliegenheiten inhaftiert wurden.

Wir fordern weiterhin eine internationale unabhängige Untersuchung zur Aufklärung der oben beschriebenen Vorfälle, mit dem Ziel die Verantwortlichen für Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft zu ziehen.

Petition an Kolumbianische Botschaft

Pressemitteilung OIDHACO Spanisch

Pressemitteilung OIDHACO Englisch

Aktuell

08.12.2016


Spenden an die ask!

Wir leisten unsere Arbeit für die kolumbianische Zivilgesellschaft mit viel Herzblut. Um unsere Kosten zu decken, sind wir auf Spenden angewiesen.

Wir freuen uns entsprechend über eine Spende auf:
PC-Konto 60-186321-2
(
IBAN CH33 0900 0000 6018 6321 2)

26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com