05/28/18

Die Bedeutung von OIDHACO in einer vernetzten Welt

28.05.2018 | Von Fabian Dreher, Interview von Julia Erazo

OIDHACO (Oficina International de los Derechos Humanos Acción Colombia) wurde als Netzwerk 1993 auf Initiative von HEKS Schweiz ins Leben gerufen um europaweit die Kräfte der Organisationen und Kirchen zu bündeln, die zu den Menschenrechten in Kolumbien arbeiten. 2009 wurde das Netzwerk in eine NGO überführt, der sich weitere Organisationen und Plattformen anschlossen.

 

Miguel Choza Fernández arbeitet seit 2016 als Koordinator bei OIDHACO in Brüssel. Die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien (ask!) vertritt bei OIDHACO die Kolumbien Plattform Schweiz und konnte sich anlässlich der letzten Versammlung von OIDHACO vom 18. und 19. April 2018 mit Miguel unterhalten.

 

Ask!: Wie bist du ursprünglich zu OIDHACO gekommen Miguel?

Miguel Choza Fernández: Anfang 2016 habe ich noch beim UNHCR (UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge) in Arauca, Kolumbien gearbeitet. Ich war zwar zufrieden mit der Arbeit da, habe aber aus familiären Gründen eine neue Stelle in Europa gesucht. Da bin ich auf die Ausschreibung von OIDHACO gestossen. Per Zufall waren gerade zwei Stellen ausgeschrieben, eine als Koordinator/in und eine als Analyst/in. Ich habe mich zwar als Analyst beworben, dann aber nach dem Interview die Stelle als Koordinator erhalten, weil sie der Meinung waren, dass ich zusammen mit der zukünftigen Analystin ein gutes Team ergeben würde. Ich habe dann im März 2016 bei OIDHACO meine Stelle angetreten.

 

Ask!: Was sind denn deine Aufgaben als Koordinator bei OIDHACO?

Miguel Choza Fernández: Als Koordinator muss ich vor allem den Überblick behalten, damit das Büro seine Arbeit gut erledigen kann. Meine wichtigste Aufgabe ist die politische Arbeit bei den europäischen Institutionen hier in Brüssel sowie in Genf bei den Organen der UNO. Dazu gehören auch die Vertretung der Organisation gegen aussen, Kontakte mit anderen Organisationen und Netzwerken, der Presse und – gemeinsam mit den anderen des Büros – die Mittelbeschaffung für Projekte. Auch die Vernetzung und Informationsverteilung innerhalb des Netzwerks sowie der Austausch mit den zivilgesellschaftlichen Plattformen in Kolumbien gehört dazu.

 

Ask!: Wie hat sich deine Arbeit bei OIDHACO in den letzten zwei Jahren verändert?

Miguel Choza Fernández: Als ich zusammen mit der neuen Analystin bei OIDHACO angefangen habe, haben wir die Stellen gemeinsam etwas angepasst. Zuvor hat der Koordinator alles im Bereich politische Arbeit und Vertretung gegen aussen selbst gemacht. Das war sehr viel Arbeit für eine Person. Wir haben dann die Arbeit etwas besser unter uns aufgeteilt. Nach einem Jahr kam mit Hendrine eine neue Analystin hinzu. Ich habe inzwischen etwas mehr Aufgaben im Bereich Lagebeurteilung und etwas weniger in der politischen Arbeit. Wir sind ein kleines Team und jeder hat seine persönlichen Vorlieben und Interessen. Deswegen passen wir die Aufteilung je nach Thema neu an.

 

Ask!: Wie gestaltet sich eure Zusammenarbeit mit den Mitgliedsorganisationen von OIDHACO?

Miguel Choza Fernández: OIDHACO ist eine sehr vielfältiges Netzwerk mit sehr unterschiedlichen Mitgliedern. Es gibt Organisationen und Plattformen, die nur zu Kolumbien arbeiten, wie zum Beispiel in Frankreich, der Schweiz und Schweden. Diese funktionieren oft ähnlich: man teilt Informationen, unterstützt gegenseitig die Anliegen der anderen und ist gut vernetzt. Dann gibt es grössere Organisationen, die oft weniger Bezug haben zur Tagesaktualität in Kolumbien, da sie in mehreren Ländern arbeiten. Diese Organisationen sind aber wichtig für die Finanzierung von OIDHACO. Dann gibt es noch kleinere Basisorganisationen, die meist zu einem Thema in mehreren Ländern arbeiten. Deren Mittel sind oft sehr beschränkt und mit ihnen haben wir auch oft einen weniger intensiven Kontakt.

 

Entsprechend herausfordernd ist die interne Kommunikation. Wir versorgen unsere Mitglieder mit Informationen und teilen auch ihre Anliegen, mussten aber auf Grund der beschränkten Mittel auch schon Abstriche machen. Wir arbeiten jedoch an einer neuen Webseite, die mehr Interaktionsmöglichkeiten bieten soll. Auch die sozialen Medien wollen wir besser nutzen. Wir haben keine Kommunikationsexperten, aber wir verbreiten unsere Informationen und Publikationen und die Aufrufe für die dringendsten Fälle. Und wir stehen unseren Mitgliedern immer offen, um sich zu vernetzen und ihre Reichweite zu erhöhen.

 

Ask!: Wie wichtig ist für OIDHACO die Zusammenarbeit mit den Mitgliedsorganisationen?

Miguel Choza Fernández: OIDHACO steht seinen Mitgliedsorganisationen zur Vernetzung und zum Austausch zur Verfügung. Als Plattform nehmen wir auch gerne Vorschläge unserer Mitgliedsorganisationen auf. Wir vermitteln Personen und Daten für Veranstaltungen und helfen zum Teil auch, diese zu realisieren. Gemeinsam können wir mehr erreichen, das ist ja auch der Sinn eines Netzwerks wie OIDHACO. Wir übernehmen auch oft Ideen von Mitgliedern, damit diese auch in anderen Ländern umgesetzt werden können. Zudem sind wir gut mit den Plattformen der kolumbianischen Zivilgesellschaft vernetzt. Auch hier bieten wir uns als Vernetzungsplattform an.

 

Ask!: OIDHACO und viele der Mitgliedsorganisationen setzen sich ja intensiv mit dem Friedensprozess in Kolumbien auseinander. Welchen Eindruck hast du gegenwärtig vom Friedenprozess?

Miguel Choza Fernández: Meine Wahrnehmungen sind widersprüchlich. Für das Land ist der Frieden mit den FARC eine grossartige Sache. Als ich 2011 nach Kolumbien kam um in Barrancabermeja zu arbeiten, fand dort ein nationales Friedenstreffen statt. Die FARC haben ein Video an das Treffen geschickt, worin sie ihren Willen zu Verhandlungen und Frieden kundtaten. Im Geheimen fanden damals schon Gespräche mit der Regierung statt. Die Zivilgesellschaft hat sich dort zu organisieren begonnen. Das war ein sehr wichtiger Schritt, um später an den Verhandlungen teilzunehmen. Das Plebiszit 2016 war dann eine grosse Enttäuschung. Für mich ist es immer noch unverständlich, wie die Leute nach Jahrzehnten der Gewalt Nein zum Frieden sagen konnten. Die Öffentlichkeit wurde im Vorfeld zu wenig informiert. Die pädagogische Seite des Friedens ging seitens der Regierung komplett vergessen.

 

Danach begannen die Probleme mit der Umsetzung. Insbesondere die Übergangszonen wurden nicht wie vereinbart erstellt und ausgerüstet. Noch schlimmer ist der Unwille der Politik, insbesondere des Kongresses, das Friedensabkommen umzusetzen. Es frustriert mich, zu sehen, wie immer wieder Chancen vergeben werden. Und jetzt will einer der Präsidentschaftskandidaten das Friedensabkommen komplett über Bord werfen. Das wäre nicht nur für alle KolumbianerInnen enttäuschend, sondern auch für diejenigen, die uns international unterstützt haben. Es wäre ein Rückschlag für die Menschenrechte, auch wenn sich der Staat bereits aktuell nicht sonderlich für den Frieden einsetzt. Aber nur mit Friedensabkommen besteht die Chance, die Menschenrechtsverletzungen zu beenden.

 

Ask!: Wie kann sich die Politik in Kolumbien und die Politik von Kolumbien verbessern?

Miguel Choza Fernández: Die Politik, der ganze Staat und die gesamte Regierung sollten den Friedensprozess unterstützen. Kein Kandidat für das Präsidentenamt sollte den Frieden in Frage stellen. Natürlich kann man über die Form der Umsetzung diskutieren. Aber den Frieden in Frage stellen, Lügen und Fehlinformationen für Stimmen im Wahlkampf zu verbreiten, ist inakzeptabel.

 

Dann sollten Staat und Regierung ihre Versprechen halten. So wäre die Kommission für Sicherheitsgarantien (comisión de garantias de seguridad) sehr wichtig für die Bekämpfung paramilitärischer Gruppierungen. Ein Jahr nach der Einsetzung tut die Kommission aber immer noch nichts. Kolumbien hat in diesem Bereich internationale Verpflichtungen, setzt aber trotzdem nichts um. Die Staatsanwaltschaft hat ebenfalls eine Sondereinheit zur Bekämpfung dieser Gruppierungen, diese wird sogar von der EU begleitet, tut aber auch kaum etwas. Verschiedene Länder haben die Verantwortung für die Begleitung bestimmter Themen übernommen. Diese Länder müssen von der kolumbianischen Regierung Rechenschaft verlangen, denn dies ist Teil des Friedensabkommens.

 

Ask!: Du verlässt OIDHACO aus persönlichen Gründen. Was sind deine Pläne nach deinem Engagement bei OIDHACO?

Miguel Choza Fernández: Nach meinem Engagement bei OIDHACO suche ich etwas, das mir und meiner Familie etwas mehr Flexibilität bietet. Ich möchte gerne weiter mit Menschenrechten arbeiten, oder mit Flüchtlingen, wie in der Vergangenheit. Gerne in Bezug mit Kolumbien, oder aber auch mit anderen Ländern. Dank OIDHACO konnte ich einen anderen Einblick in die Arbeit mit Menschenrechten gewinnen. Zum Beispiel in all die Themen im Bereich Unternehmen und Menschenrechte. Bei Menschenrechten denken wir oft an den Staat, an bewaffnete Gruppierungen und vergessen oft weitere Akteure wie Unternehmen, die ebenfalls Menschenrechte verletzen können. Unternehmen wie Staaten brauchen Unterstützung und Kontrolle, um die Menschenrechte einzuhalten und voranzubringen. Auch internationale Wirtschaftsbeziehungen haben einen grossen Einfluss auf die Menschenrechte. Viele Produkte, die wir im globalen Norden konsumieren verursachen Menschenrechtsverletzungen in den Produktionsländern. Es ist inakzeptabel, wenn unsere Unternehmen Menschenrechtsverletzungen in Länder wie Kolumbien exportieren.

 

Ask!: Miguel, wir danken Dir für das Gespräch und wünschen Dir alles Gute für deine Zukunft.

Download als PDF

Aktuell

12.04.2018

Werden sie Mitglied der ask!

Engagieren sie sich als Mitglied der Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien (ask!) für die Menschenrechte und den Frieden in Kolumbien. Setzen sie sich für eine Schweizer Politik und Wirtschaft ein, die die Menschenrechte in Kolumbien berücksichtigt.

Melden sie sich hier als Mitglied an, wir freuen uns auf sie!

26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com