14.12.2014

Neue Todesdrohungen gegen Awá-Führungsperson

14.12.2014 | von Stephan Suhner

Am 9. Dezember 2014 hat Francisco Javier Cortés Gangua zum widerholten Male Todesdrohungen seitens der neoparamilitärischen Gruppe „Los Rastrojos – Comandos Urbanos“ erhalten und hat daraufhin um sein Leben zu schützen seinen Wohnort verlassen. Francisco war am 11./12. März 2014 in Bern unser Gast und hat uns von der schwierigen Situation des Volkes der Awá erzählt.

Die Awá sind eines der 34 indigenen Völker Kolumbiens, die vom Verfassungsgericht als vom Aussterben bedroht erklärt wurden und der kolumbianische Staat aufgefordert wurde, effektive Massnahmen zu deren Schutz zu ergreifen. In den letzten Jahren waren die Awá in Nariño von massiven Menschenrechtsverletzungen betroffen, es gab Morde und Massaker, Vertreibungen und Zwangsrekrutierungen. Ihr Gebiet ist wegen der reichen Naturschätze begehrt und umkämpft, es gibt (illegale) Minen, Ölpipelines und illegale Drogenpflanzungen, die regelmässig auch aus der Luft mit Glyphosat besprüht werden. Auf der Europareise von Francisco entstand die internationale Beobachtungskommission (veeduría internacional), welche seither aufgebaut wird, um den Awá in ihrem Überlebenskampf beizustehen. Die Arbeitsgruppe Schweiz Kolumbien ist Teil dieser veeduría.

Seit Francisco in der Schweiz zu Besuch war, ist es zu weiteren gewaltsamen Übergriffen auf Mitglieder des Volkes der Awá gekommen. Am 25. Mai kam es zum Verschwindenlassen von Gerardo Pérez García aus dem Resguardo Alto Ulbi Nunalbí. Am 28. Mai 2014 wurde Christian Delgado aus dem Resguardo Tortugaña Telembi ermordet, was zur Vertreibung von 11 Awá-Familien führte. Diese beiden Gewaltakte fanden während einer humanitären Mission der Awás statt, einer minga humanitaria. All die nationalen und internationalen Aufrufe an den kolumbianischen Staat, die Anweisungen des Verfassungsgerichtes umzusetzen, so der Rettungsplan für das Awá-Volk (Plan de Salvaguarda) oder die provisorischen Schutzmassnahmen der Interamerikanischen Menschenrechtskommission, haben bisher nichts gefruchtet. Am 9. November 2014 wurde der 19-jährige Awá Luis Armando García Taicus in Ricaurte (Dep. Nariño) ermordet. Luis musste vor einigen Jahren mit seiner Familie sein Resguardo verlassen und in Ricaurte Schutz vor den Drohungen durch die Paramilitärs suchen.

Am 18. November 2014 erhielt die Organisation Indigene Einheit des Volkes der Awá UNIPA auf dem E-Mail der Organisation ein Pamphlet der kriminellen Bande der Rastrojos, in dem Francisco zum militärischen Ziel erklärt wurde und weitere Führungspersonen der Awá bedroht wurden. Den Führungspersonen wurde mitgeteilt, dass man „sie nicht mehr in der Region sehen wolle“, und „wenn sie erneut die Strassen blockieren, würden sie fallen“. Am frühen Morgen des 9. Dezember 2014 erhielt Francisco dann eine SMS mit einer neuen Todesdrohung, worauf er das Territorium der Awá verliess, um sein Leben zu schützen.

Als Mitglied der Veeduría richteten wir das Schreiben an die kolumbianischen Behörden, in dem wir verlangen, dass diese Drohungen aufgeklärt und die physische und psychische Unversehrtheit vom Generalsekretär (Consejero Secretario General) der UNIPA, Francisco Javier Cortés, sowie der anderen Führungspersonen, garantiert wird. Die Nationale Staatliche Schutzeinheit UNP forderten wir auf, die beantragten Schutzmassnahmen für Francisco so rasch wie möglich umzusetzen.

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Comunicado Awá 09.12.2014

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