01.05.2011

Öffentliche Verurteilung weiterer Militarisierung im Norte del Cauca

01.05.2011

Die ACIN (Asociación de Cabildos Indígenas del Norte Del Cauca) verurteilt den Entscheid der kolumbianischen Regierung im resguardo indígena Tacueyó ein weiteres Militärbataillon zu stationieren. Noch mehr Militärpräsenz in der Region wird den bewaffneten Konflikt im Norden des Cauca nur verschärfen und wird der lokalen Zivilbevölkerung statt mehr Sicherheit zunehmende Gewalt bringen, so die ACIN.

Seit Jahren verurteilt die Vereinigung die generalisierte Gewalt in der Region, die durch die Präsenz von Guerilla, von paramilitärischen Gruppen und dem Militär zu einer der konfliktreichsten Zonen des Landes gehört. In diesem als indigenes Territorium deklarierten Gebiet ist ein Leben am Rande des bewaffneten Konfliktes schon lange kaum mehr möglich. Die indigene Zivilbevölkerung, gefangen in einem permanenten Krieg um Territorium, wird immer wieder direkt in den Konflikt hineingezogen. Wobei gerade das Nicht-involviert-werden in den Konflikt eines der Hauptanliegen der ACIN in ihrem Kampf um den Respekt der Menschenrechte und die Anerkennung der Autonomie des indigenen Gebietes darstellt. Fast wöchentlich sind jedoch unschuldige zivile Opfer zu beklagen.

Die ACIN konstatiert seit dem Jahre 2010 zudem eine enorme Zunahme an Drohungen gegenüber indigenen Führern, Gewerkschaftern und Menschenrechtsorganisationen, deren Ursprung den paramilitärischen Gruppen Auto Defensas Unidas Bloque Central und den Águilas Negras zugeordnet werden.
Doch nicht nur die paramilitärischen Gruppen und die Guerilla sind für die schweren Menschenrechtsverletzungen im Norte del Cauca verantwortlich. Auch die Vorwürfe an den Staat wiegen schwer. So wird die Zivilbevölkerung von den verschiedenen Gruppen immer wieder beschuldigt, die jeweils andere Gruppe zu unterstützen. Immer wieder kommt es zu Morden und schweren Drohungen. Vor allem auch Kinder und Jugendliche werden von der ACIN als besonders gefärdete Opfergruppe bezeichnet. Immer wieder kommen sie zwischen die Fronten und werden so zu unschuldigen Kollateralopfern des Konflikts. Nicht selten kommt es auch zu Zwangsrekrutierungen von Jugendlichen. Auch werden regelmässig die Schulstunden aufgrund des Konfliktes suspendiert, wodurch den Kindern das grundlegende Recht auf Bildung verwehrt wird.
Gerade auch als Reaktion auf eines der jüngsten Ereignisse – am 26. März wurden bei der Bombardierung eines vermeintlichen FARC Lagers durch die kolumbianischen Streitkräft unter anderem auch Zivilisten und Minderjährige getötet –werden die ständig steigenden Militärausgaben, die auf Kosten der sozialen Ausgaben gehen, angeprangert. Einer der Hauptkritikpunkte der ACIN ist denn auch die strukturelle Vernachlässigung der Region durch den Staat.

An einer Anfang April abgehaltenen zweitägigen Versammlung in Tacueyó besprachen comuneros und indigene Autoritäten Strategien zur Verteidigung ihres Territoriums und der Rechte der indigenen Bevölkerung. Als Resultat ist eine öffentliche Stellungnahme zum bewaffneten Konflikt im Norte del Cauca entstanden. Abgesehen vom Aufruf zum Verzicht jeglicher kriegerischen Aktivität auf ihrem Territorium, verlangen die indigenen Autoritäten, dass vergangene Menschenrechtsverletzungen untersucht werden und den Opfern Wiedergutmachung wiederfährt. Weiter soll die Regierung einen konkreten Sozialplan für die Regionen vorlegen.
Der Aufruf die Autonomie der indigenen Bevölkerung zu respektieren ist letztendlich ein Hilferuf, die kulturelle und physische Auslöschung dieser Völker zu verhindern.

Aktuell

21.12.2018

Ask!: Seit 31 Jahren im Dienst von Frieden und Menschenrechten

Seit 1987 setzt sich die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien ask! als Stimme der kolumbianischen Zivilgesellschaft für Frieden und Menschenrechte ein.

2018 organisierte sie dazu öffentliche Veranstaltungen zu den Wahlen in Kolumbien, zum Kokaanbau und dem Drogenkrieg, zu den Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzungen von Schweizer Konzernen in Kolumbien.

Sie organisierte Film- und Diskussionsabende, Pubquizze und ein Jass- und Tichuturnier und hielt anlässlich des Internationalen Menschenrechtstags Predigten in katholischen und reformierten Kirchen.

Sie lobbyierte im Rahmen der Konzernverantwortungsinitiative für eine verbindliche Sorgfaltsprüfungspflicht für Unternehmen, verfasste und unterstützte verschiedene offene Briefe und Petitionen an die Regierungen der Schweiz und Kolumbiens. Elf Mal versandte die ask! 2018 einen umfassenden Newsletter mit Monatsbericht zur Lage der Menschenrechte in Kolumbien und aktuellen Entwicklungen.

Auch für 2019 haben wir wieder einiges geplant. Veranstaltungen zu Frieden und Menschenrechten, eine neue Kampagne und eine neue Webseite. Damit wir unsere Pläne realisieren können, sind wir auf unsere grosszügigen UnterstützerInnen angewiesen. Danke für Ihre Treue!

Mitglied der ask! werden und/oder an die ask! spenden oder einfach eine Spende an das Postkonto der ask! IBAN CH33 0900 0000 6018 6321 2 überweisen.