02/03/12

Die Menschenrechtssituation im Cauca im Jahr 2011

03.02.2012 | Von Dominique Rothen

Das “Red por la Vida y los Derechos Humanos[1]” hat im Dezember 2011 erneut seinen jährlichen Menschenrechtsbericht veröffentlicht. Für das Jahr 2011 macht das „Red por la Vida y Derechos Humanos“ erneut eine Zuspitzung der Gewalt im Departement Cauca geltend und weist darauf hin, dass es sich um eines der blutigsten Jahre in der letzten Zeit gehandelt hat. Die bewaffneten Auseinandersetzungen vor allem zwischen den FARC mit dem Militär haben zugenommen, hauptsächlich im Norden des Departements, was zu einer Zunahme der Verletzungen des Internationalen Humanitären Rechts und der Menschenrechte führte. Eine zunehmende Militarisierung ist aber auch im Rest des Departements festzustellen. Das Militär hat seine Präsenz erhöht, aber auch die Guerrilla wurde nicht geschwächt, wie es die Regierung gerne glauben macht, sondern markiert weiterhin in vielen Teilen des Departements Präsenz. Auch paramilitärische Gruppen bestehen weiterhin. An der Medienkonferenz am 12. Dezember 2011 in Popayán wurden die folgenden Themen in den Vordergrund gestellt:

1.    Im Jahr 2011 ist die nicht politisch motivierte Gewalt (z.B. Raubmorde, allgemeine Delinquenz) zwar gesunken, es ist jedoch einen Zunahme der politischen Gewalt zu beobachten. Das heisst, dass es mehr Menschenrechtsverletzungen gab, welchen Führungsleute von sozialen Organisationen oder beispielsweise politische Aktivisten, also Personen, welche ihre Rechte in ihrem Territorium verteidigen, zum Opfer gefallen sind. Insbesondere wird eine Zunahme von Morden verzeichnet. Damit einhergehend haben die Drohungen Einzelpersonen gegenüber zugenommen, während die kollektiven Drohungen abgenommen haben. Es scheint, dass also die Personen und Organisationen nicht mehr wie bspw. im 2010 mit Drohungen gegen die Organisationen eingeschüchtert werden sollen, sondern mit der gezielten Bedrohung der Führungspersonen der jeweiligen Organisationen.

2.    Eine weitere Zunahme ist sowohl in der Anzahl der Massaker als auch deren Opfer zu verzeichnen. Diese Methode schürt die Angst in der Gemeinschaft und hat beispielsweise im Falle von Timbiquí, einem Gemeindebezirk an der Pazifikküste, wo 7 Jugendliche umgebracht wurden, dazu geführt, dass viele Leute in den Hauptort des Gemeindebezirks geflüchtet sind.

3.    Die konstante Degradierung des Konflikts macht auch vor den Frauen nicht Halt. Einerseits sind nebst den Männern und Kindern auch Frauen Opfer der Zusammenstösse zwischen illegalen bewaffneten Gruppen und dem Militär oder werden als Führungsleute ihrer Dörfer und Organisationen bedroht oder umgebracht. Andererseits sind Frauen oft Opfer von häuslicher und sexueller Gewalt. Diese wird durch die weiterhin vorherrschenden patriarchalen Strukturen und machistischen Einstellungen noch gefördert. Dies widerspiegelt sich dementsprechend in den relativ hohen Zahlen von Verbrechen an Frauen. Laut offizieller Statistik weist Popayán im nationalen Vergleich eine der höchsten Rate der Verbrechen gegen Frauen auf.

4.    Als Risikofaktor für das ganze Departement sind Bergbauprojekte zu erwähnen. Sowohl Drohungen gegenüber Führungsleuten, Gewalt an Frauen als auch Massaker und bewaffnete Auseinandersetzungen finden oft in Zonen statt, wo Bergbauprojekte geplant sind. Besonders hervorgehoben werden müssen hier drei Fälle: Einerseits La Toma, Buenos Aires im Norden des Departements, wo Führungsleute umgebracht und Bewohner bedroht werden und sich die Armee und die Guerrilla bewaffnete Auseinandersetzungen liefern. Im Macizo Colombiano sind La Sierra und Santa Rosa zu nennen, wo ebenfalls Führungsleute bedroht werden und die Konflikte innerhalb der Gemeinschaften zunehmen.

Ein weiteres zentrales Thema, welches das Jahr 2011 geprägt hat, sind die Friedensbemühungen der sozialen Organisationen, welche im Departement spürbar werden. Eine stabile Allianz von Bauernorganisationen, Indigenen, Frauen und Afros hat genug von diesen bewaffneten Auseinandersetzungen und erarbeitet einen Friedensvorschlag fürs Departement, der auf das ganze Land Auswirkungen haben soll.

Was verstehen sie unter Frieden? Wie kann dieser erreicht werden? Welches sind die Akteure, welche miteinbezogen werden müssen? Diesen Fragen und Herausforderungen werden die Organisationen auch dieses Jahr nachgehen, um dem Traum vom Frieden in Kolumbien einen Schritt näher zu kommen.

Menschenrechtsbericht auf Spanisch


[1] Zum „Red por la Vida y los Derechos Humanos“ gehören folgende Organisationen: Comité de Integración del Macizo Colombiano (CIMA), Consejo Regional Indigena del Cauca (CRIC), Asociación Campesinos del Cauca Unidad y Reconstrucción (ANUC U.R.), Asociación Movimiento Campesino de Cajibío, Corporación para el desarrollo (CODESCO), Ruta pacífica de las mujeres Cauca.

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26.10.2016

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