04.10.2011

Die Guajira in ihrem Labyrinth: Transformationen und Herausforderungen der Gewalt

04.10.2011

Im August 2011 veröffentlichte die angesehene Fundación Ideas para la Paz eine umfangreiche Studie über die aktuelle Gewaltsituation auf der Halbinsel Guajira. Das Dokument hat zum Ziel, die schwerwiegende Gewaltsituation und deren Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung zu analysieren.

Die Studie umfasst vier Teile: 1) der historische Kontext des Departements mit der schwachen Staatspräsenz und der ausgeprägten illegalen Wirtschaft (Kontext der Illegalität) sowie der Einmarsch der verschiedenen illegalen bewaffneten Akteure ins Departement; 2) Analyse der aktuellen Gewaltdynamik und der dahinterstehenden Akteure (FARC, ELN, paramilitärische Nachfolgeorganisationen BACRIM); 3) Humanitäre Situation (Massaker, Vertreibungen, Antipersonenminen etc.); 4) Schlussfolgerungen und Empfehlungen.

Die Studie kommt zum Schluss, dass die aktuelle Gewaltsituation besorgniserregend ist. In städtische Zentren wie Riohacha, Maicao und Dibulla liegt die Mordrate konstant über dem Landesdurchschnitt. Die gewaltsamen Vertreibungen, historisch vor allem der Guerilla zuzuschreiben, haben in den letzten Jahren durch die Aktivitäten der BACRIM stark zugenommen. Ebenso auf das Konto der BACRIM gehen Mikroerpressungen und Drogen-Strassenhandel, während die BACRIM ihre Netzwerke durch Mototaxis und Geldleihbüros ausdehnen. Zudem verüben die BACRIM in zunehmendem Masse Entführungen, mehr als die Guerilla. Die Konfliktdynamik hat sich seit der Demobilisierung des BloqueNorte der paramilitärischen AUC verschärft: die Guerilla versucht verlorene Gebiete zurück zu erobern, während die BACRIM den Status quo der AUC – Kontrolle halten wollen. Am stärksten von der Gewalt betroffen ist die Mittlere Guajira mit den Gemeinden Riohacha, Dibulla, Barrancas und Hatonuevo, wo sich auch die grossen Kohlenminen von Cerrejón und der brasilianischen MPX befinden. Nach Ansicht der Autoren haben die lange Tradition illegaler Aktivitäten wie Schmuggel und Drogenhandel und die weitgehende gesellschaftliche Akzeptanz dieser Illegalität zusammen mit der schwachen staatlichen Präsenz und der ungenügenden Anbindung an das restliche Kolumbien die Durchdringung der Guajira durch illegale Akteure begünstigt. Die Schaffung von deutlich mehr formellen Arbeits- und Einkommensmöglichkeiten wird deshalb als eine wesentliche Vorbedingung für eine Reduktion der Gewalt und der Illegalität angesehen.

Lesen sie die ganze Studie.

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