06/24/11

Schwere Menschenrechtsverletzungen in der Strafanstalt von Valledupar

24.06.2011 | von Ann-Seline Fankhauser

Mit Aktionen des zivilen Ungehorsams begannen sich Anfang Mai Insassen des Gefängnisses La Tramacúa in Valledupar gegen die prekären Haftbedingungen und systematischen Menschenrechtsverletzungen und Misshandlungen zu wehren. Verschiedene Unterstützungs- und Menschenrechtsorganisationen solidarisierten sich mit den Häftlingen. In einem offenen Brief an Präsident Juan Manuel Santos und Innenminister Germán Vargas Lleras verlangt eine breite zivilgesellschaftliche Allianz die Schliessung der Haftanstalt. Dieser offene Brief wurde nun vom Repräsentantenhaus einstimmig gutgeheissen. Auch die Menschenrechtskommission des kolumbianischen Kongresses verlangte nach einer Inspektion Mitte Juni zumindest eine vorübergehende Schliessung der Haftanstalt.

Systematische Menschenrechtsverletzungen

Die Haftanstalt La Tramacúa, welche im Jahre 2000 eingeweiht wurde, entstand in enger Zusammenarbeit und mit Beratung des US-amerikanischen Federal Bureau of Prisons und war somit Teil der Abkommen unter dem sogenannten Plan Colombia. Das Gefängnis sollte zum Symbol einer neuen Strafvollzugskultur nach amerikanischem Vorbild werden, in der die Sicherheit über die Würde und Integrität der Gefangenen gestellt wird.
Doch vor allem die katastrophalen hygienischen Bedingungen und die ungenügende Versorgung der Gefangenen mit Trinkwasser in einer Gegend in der es bis zu 40 Grad heiss werden kann, haben zu einer eigentlichen humanitären Krise in der Haftanstalt geführt. Zugang zu Wasser gibt es für ca. 1400 Insassen manchmal nur alle zwei Tage während 5 Minuten. Die oberen Stockwerke erreicht das Wasser erst gar nie. Die ungenügende Wasserversorgung betrifft auch die sanitären Anlagen in der Anstalt, was zur Folge hat, dass die Häftlinge von Exkrementen umgeben leben, was wiederum fatale Auswirkungen auf die allgemeinen hygienischen Bedingungen im Gefängnis hat. Die Häftlinge leiden an Darm- und Infektionskrankheiten sowie an Hautausschlägen. Doch auch die medizinische Versorgung ist ungenügend bis inexistent. Das grundlegende Menschenrecht der Häftlinge auf Gesundheit wird in der Haftanstalt in Valledupar systematisch verletzt.
Doch nicht nur die hygienische Situation in der Haftanstalt ist desolat, auch weitere Menschenrechte werden systematisch verletzt. Die Menschenrechtsorganisation Comité de Solidaridad con los Presos Políticos (FCSPP) dokumentierte aufgrund von Informationen von Gefangenen für die vergangenen 2 Jahre mindestens 80 Fälle von Folter, Misshandlungen und Menschenrechtsverletzungen in der Haftanstalt La Tramacúa. Prügel, Tränengasangriffe, Isolationshaft, Drohungen sowie Verwehrung der Grundversorgung (Essen, Wasser, medizinische Versorgung, etc.) sind nur einige Formen der systematischen Misshandlungen, welche vor allem auch die politischen Gefangenen treffen. Auch die Angehörigen der Häftlinge werden bei Besuchen schikaniert, und der Zugang zur Justiz wird den Häftlingen verwehrt indem Anzeigen und Gesuche nicht weitergeleitet werden.
Die desolaten, unwürdigen und menschenverachtenden Bedingungen haben auch schon zu mehreren Selbstmorden geführt.
Auf die friedlichen Proteste der Häftlinge seit Anfang Mai reagierte die Gefängnisleitung mit harscher Repression. Durch vermehrte Gewaltanwendung, Drohungen, das Nicht-Verteilen von Essen, sowie das Abschalten von Elektrizität und Wasser versuchte die Gefängnisleitung die Häftlinge zu provozieren um somit ein noch härteres Durchgreifen rechtfertigen zu können.

Erste Wirkung der Proteste

Doch die Proteste und die von der FCSPP getragene Aktion für die Schliessung des Gefängnisses führten zu einer landesweiten Solidarisierung mit den Häftlingen. Der Schritt an die Öffentlichkeit hat nun erste Wirkung gezeigt. Nachdem die Menschenrechtskommission des Kongresses das Gefängnis besuchte und gar eine vorübergehende Schliessung verlangte, wurden nun erste Sofortmassnahmen  zur Verbesserung der Haftbedingungen getroffen.
240 Häftlinge sollen in andere Haftanstalten verlegt werden. Das Ziel ist es die Anzahl Insassen bis um 15% zu reduzieren. Die verbleibenden Häftlinge werden auf die unteren 3 Stockwerke verteilt um die Wasserversorgung zu garantieren, welche allgemein verbessert und ausgebaut werden soll. Weiter wurde die Gefängnisdirektion und die Wachleitung mit neuen Personen besetzt. Auch soll von nun an das International Komitee vom Roten Kreuz die Situation im Gefängnis überwachen.
Der Kongressabgeordnete Iván Cepeda forderte angesichts der gravierenden und systematischen Menschenrechtsverletzungen in kolumbianischen Haftanstalten eine substanzielle Reform des Strafvollzugs, denn auch die grundlegenden Menschenrechte von Gefangenen müssten garantiert sein.

Quellen:
http://www.omct.org/es/urgent-campaigns/urgent-interventions/colombia/2011/05/d21265/
http://www.colectivodeabogados.org/Por-el-cierre-la-carcel-de
http://amerika21.de/nachrichten/2011/06/34111/misshandlungen-gefaengnis
http://www.elespectador.com/noticias/nacional/articulo-277982-crisis-sanitaria-carcel-de-valledupar-trasladaran-240-internos
http://www.elheraldo.co/region/ordenan-traslado-de-240-reclusos-de-la-penitenciaria-de-valledupar-25896

Download als pdf

Aktuell

08.12.2016


Spenden an die ask!

Wir leisten unsere Arbeit für die kolumbianische Zivilgesellschaft mit viel Herzblut. Um unsere Kosten zu decken, sind wir auf Spenden angewiesen.

Wir freuen uns entsprechend über eine Spende auf:
PC-Konto 60-186321-2
(
IBAN CH33 0900 0000 6018 6321 2)

26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com