02/03/12

Die Gewalt ist zurück im Catatumbo

03.02.2012 | von Ann-Seline Fankhauser

Nach Jahren relativer Ruhe ist die Gewalt in den Catatumbo zurückgekehrt. Die Region Catatumbo im Departement Norte de Santander war 2011 mit 250 Attacken durch bewaffnete illegale Akteure nach dem Cauca die konfliktreichste Zone des Landes. Die Gewaltspirale drehte sich auch im ersten Monat des neuen Jahres ungebremst weiter. [1]

Die Rückkehr der Gewalt

In den vergangenen Wochen haben die durch die Guerilla und kriminelle Banden verübten Gewalttaten in den Gemeinden El Tarra, Convención, San Calixto, Hacarí, Tibú, Teorama und Sardinata massiv zugenommen.[2] Die Attentate gegen die Zivilbevölkerung sowie gegen die Polizei und die Streitkräfte begannen am 31. Dezember 2011. Durch Autobomben und Angriffe auf Polizeistationen und Polizeipatrouillen wurden bislang fünf Zivilpersonen getötet, unter ihnen ein Minderjähriger, sowie weitere Personen schwer verletzt. Die Gemeinde San Calixto war während mehreren Tagen von der Aussenwelt abgeschnitten. Ein angeblich mit explosivem Material beladener Bus, der die Handschrift der FARC trug, versperrte die einzige Zufahrtstrasse zum Dorf. Aus dieser Gemeinde wurde auch das gewaltsame Anhalten eines öffentlichen Busses gemeldet. Die Passagiere waren gezwungen auszusteigen. Weiter wurden Attentate gegen die elektrische Infrastruktur verübt, wodurch die Stromversorgung ganzer Gemeinden unterbrochen wurde.Mit der Sprengung einer Erdölleitung von Petronorte wurde zudem die Erdölförderung vorübergehen unterbrochen. Im gleichen Zeitraum wurde auch die Zunahme von Drohungen gegen Gemeinschaftsführer gemeldet.[3] Die Defensoría del Pueblo (Büro des Ombudsmannes für Menschenrechte) ist alarmiert über die zunehmende Gewalt in Norte de Santander und warnt vor gewaltsamen Vertreibungen, Erpressungen, der Rekrutierung von Kindern, sowie vor Gewalt gegen die Zivilbevölkerung. Der Defensor del Pueblo, Volmar Pérez, hat die Lokalregierungen, Polizei und Streitkräfte und die nationale Regierung dazu aufgerufen, den Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten und Massnahmen zu ergreifen um die Zivilbevölkerung aus der Schusslinie zu nehmen.[4]

Rückzugsgebiet der Guerilla

Die Gewalt in der Region Catatumbo ist nichts Neues. Doch das erneute Aufflammen nach Jahren relativer Ruhe lässt Erinnerungen an Gewalttaten der Vergangenheit aufkommen. Das Gebiet an der Grenze zu Venezuela ist seit gut 30 Jahren Rückzugsgebiet der FARC. Heute kontrollieren das frente 33[5] Doch die Guerillagruppen sind nicht die Einzigen, die im Drogenhandel mitmischen. Auch die kriminellen Banden Los Rastrojos und Urabeños sind ins Drogengeschäft verwickelt und haben demnachalles Interesse daran,die Präsenz von Polizei und Streitkräften in der Region minim zu halten, um so die Bevölkerung nach Gutdünken zu kontrollieren. Doch nicht nur der Drogenhandel, sondern auch illegale Minen und Schmuggel (v.a. Treibstoff aus Venezuela) tragen zum allgemeinen Kontext von Illegalität, Unsicherheit, Gewalt und Korruption in der Region Catatumbo bei.

Legitimation der Militarisierung

Die Region ist denn von der Regierung auch zum Ziel des sogenannten Konsolidierungsplans erklärt worden. Durch die Militarisierung der Zone sollen die illegalen Akteure, (sprich v.a. die Guerilla) geschwächt und vertrieben und so die Staatshoheit über die Region zurückgewonnen werden. Zudem wird auch der neue Anführer der FARC, alias „Timochenko“ in der Region vermutet. Die Regierung interpretiert die jüngste Gewaltwelle denn auch als hoffnungsloser, letzter Akt der Machtdemonstration der Guerilla. So werden die Attentate von offizieller Seite als unkoordinierte Aktionen einer massiv geschwächten FARC interpretiert.[6] Diese Interpretation der Ereignisse greift wohl zu kurz und dient der Regierung letztendlich wohl einzig als Legitimation für die geplante Militarisierung der Zone. Viel eher ist eine Erklärung für die jüngste Zunahme der Gewalt, wie an vielen anderen Orten im Land, wohl auch hier im Kampf zwischen den verschieden illegalen Akteuren um Einfluss und Territorialkontrolle zu suchen.

Im laufenden Jahr wurde zudem allgemein eine erhöhte Tätigkeit der Guerilla im ganzen Land registriert. Die Attentate vor allem gegen die Polizei, so Experten, seien als Machtdemonstration der Guerilla unter ihrem neuen Führer „Timochenko“ zu interpretieren.[7] Auch die Opposition der Guerilla gegen den Monokulturanbau von Ölpalmen auf Grossbetrieben oder aber die Ausbreitung des kommerziellen Bergbaus werden als mögliche Ursache für die Attentate angeführt.[8] Welche Ursachen auch immer hinter der jüngsten Gewaltwelle stehen, Leidtragende des Konfliktes wird einmal mehr die Zivilbevölkerung sein. Die schon bestehende Gefahr von Vertreibung, Gewalt und Verletzung humanitären Rechtes wird durch die von der Regierung angekündigte Militarisierung massiv zunehmen. Die Bevölkerung ist sich dessen bewusst und glaubt nicht daran, dass der Spuck in kurzer Zeit vorüber sein wird.[9]


[1] Conflicto azota al Catatumbo: http://www.nuevoarcoiris.org.co/sac/?q=node/1376

[2] Vgl. Dos semanas de terror en el Catatumbo: http://www.verdadabierta.com/index.php?option=com_content&id=3797; Los violentos días del Catatumbo: http://www.semana.com/nacion/violentos-dias-del-catatumbo/170579-3.aspx

[3] Conflicto azota al Catatumbo: http://www.nuevoarcoiris.org.co/sac/?q=node/1376

[4] Vgl. Los violentos días del Catatumbo: http://www.semana.com/nacion/violentos-dias-del-catatumbo/170579-3.aspx

[5] En el Catatumbo sienten que la violencia „volvió para quedarse“: http://www.caracol.com.co/blog.aspx?id=1608565

[6] Vgl. Violencia en el Catatumbo sería por presencia de „Timochenko“: http://www.elpais.com.co/elpais/judicial/noticias/violencia-en-catatumbo-explica-por-presencia-timochenko; Los violentos días del Catatumbo: http://www.semana.com/nacion/violentos-dias-del-catatumbo/170579-3.aspx

[7] En 20 días las FARC han cometido 132 atentados a las Fuerzas Públicas: http://www.nuevoarcoiris.org.co/sac/?q=node/1381

[8] En el Catatumbo sienten que la violencia „volvió para quedarse“: http://www.caracol.com.co/blog.aspx?id=1608565

[9] idem.

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