Die aussergerichtlichen Hinrichtungen gehen weiter

 | von Observatorio de derechos humanos y derecho humanitario de la Coordinación Colombia-Europa-Estados Unidos

- jetzt mit Strategien, um sie zu verdecken

Die Menschenrechtslage und die Situation des humanitären Völkerrechtes in Kolumbien sind weiterhin sehr kritisch. Zwischen Juli 2007 und Juni 2008 wurden mindestens 1492 Personen ausserhalb von Gefechten getötet aufgrund sozio-politischer Gewalt.[1] Davon wurden 182 Personen gewaltsam zum Verschwinden gebracht. In den Fällen, in denen die Täterschaft bekannt ist (bei 923 Opfern), fallen 82,01% in die Verantwortung des Staates; 32,06% davon durch direkte Beteiligung von Staatsbeamten (296 Opfer) und in 49,94% (461 Opfer) durch die Tolerierung oder Unterstützung von Verbrechen der Paramilitärs. Die Guerilla wird für 17,98% der Fälle (166 Opfer) als Täter verantwortlich gemacht.

Der Arbeitstisch über aussergerichtliche Hinrichtungen der Koordination Kolumbien-Europa-USA dokumentierte 535 Fälle aussergerichtlicher Hinrichtungen im Zeitraum zwischen dem 1. Januar 2007 und dem 30. Juni 2008, welche direkt in die Verantwortlichkeit der Armee fallen. Das Bekanntwerden des Verschwindenlassen von 22 Jugendlichen aus der Armenvorstadt Soacha im Süden von Bogotá und deren nachfolgende Ermordung in der Gemeinde Ocaña führte zur Entlassung von 27 Offizieren und zum Rücktritt des Chefkommandanten der Armee. Zudem wurden einige Massnahmen erlassen, was nun die Regierung dazu veranlasste zu sagen, das Problem der aussergerichtlichen Hinrichtungen sei überwunden.

Die Mitgliedsorganisationen des Arbeitstisches über aussergerichtliche Hinrichtungen der Koordination Kolumbien-Europa-USA klagten jedoch an, dass der Skandal, welcher im Oktober 2008 durch das Bekanntwerden einer Vielzahl von aussergerichtlichen Hinrichtungen im ganzen Land ausgelöst wurde, von widersprüchlichen Massnahmen zur Bekämpfung dieser Verbrechen begleitet wurde. Diese Anklagen wurden aufgrund der verschwundenen und ermordeten Jugendlichen von Soacha ausgelöst und führten zur Anklage von vielen ähnlichen Fällen in einer Vielzahl von Regionen ganz Kolumbiens. Die erlassenen Massnahmen führten auch zum Auftauchen neuer Modalitäten, um sich so den neuen Kriterien und den Weisungen des Verteidigungsministeriums anzupassen, jedoch die Verbrechen fortzusetzen. Doch wird jetzt ganz besonders darauf geachtet, dass diese neuen aussergerichtlichen Hinrichtungen nicht (öffentlich) bekannt gemacht und die Leichen versteckt werden, um so keine Spuren der Verantwortlichkeit der Armee bei diesem illegalen Vorgehen zu hinterlassen. In vielen Regionen des Landes konnte beobachtet werden, dass die Verletzung des Rechtes auf Leben von sozialen Führungsleuten, politischen Oppositionellen und Mitgliedern von sozialen Organisationen und Angehörigen besonders verletzlicher Gruppen jetzt vor allem mittels des gewaltsamen Verschwindenlassens geschieht. Mit diesem Vorgehen wird die aussergerichtliche Hinrichtung verschleiert. Zudem lässt sich auch eine Zunahme der Fälle von aussergerichtlichen Hinrichtungen mit der indirekten Beteiligung der Armee und die direkte Täterschaft der Paramilitärs feststellen, welche aber mit der Komplizenschaft und der Zustimmung der Armee zählen können.

In der Mehrheit der Fälle hat das Verschwindenlassen die nachträgliche aussergerichtliche Hinrichtung zum Ziel. Die Vorsichtsmassnahmen waren in den letzten Monaten darauf ausgerichtet, die aussergerichtlichen Hinrichtungen einfach nicht mehr (öffentlich) als „militärische Erfolgsmeldungen“ bekannt zu machen und die Leichen spurlos zum Verschwinden zu bringen. Diese Modalität wurde bereits mit der Festnahme, dem Verschwindenlassen und der Hinrichtung des Gewerkschaftsführers Guillermo Rivera von der Gewerkschaft der Angestellten der Finanzaufsichtsbehörde bekannt. Guillermo Rivera war von der Armee am 22. April 2008 verhaftet worden. Nach seinem Verschwindenlassen wurde er hingerichtet und in der Stadt Ibagué anonym begraben. Weder seine Verhaftung, noch viel weniger seine aussergerichtliche Hinrichtung wurde als „Erfolgsmeldung“ im Rahmen der demokratischen Sicherheit mitgeteilt. So blieb er ein Fall eines Verschwundenen, bis seine Leiche am 16. Juli 2008 mit Folterspuren aufgefunden wurde. Obwohl die Strategie, die aussergerichtlichen Hinrichtungen als Verschwindenlassen erscheinen zu lassen, nach der Ankündigung von Massnahmen der „Null Toleranz“ gegenüber dieser Form der Verbrechen zu einem Anstieg dieser Vorgehensweise führte, zeigt der Fall von Rivera, dass diese Modalität schon vorher bestanden hatte. Die Massnahmen der „Null Toleranz“ mit den falschen Erfolgsmeldungen sind von einer besorgniserregenden Zunahme der Zahlen über gewaltsames Verschwindenlassen begleitet. Nach einem jüngsten Bericht der Nationalen Kommission für die Suche nach Verschwundenen sind allein zwischen dem 1. Januar 2007 und dem 21. Oktober 2008 insgesamt 1686 Fälle von Verschwindenlassen registriert worden, die Mehrzahl davon im Zusammenhang mit aussergerichtlichen Hinrichtungen. [2] Die Beteiligung von Mitgliedern der Sicherheitsdienste ist in vielen Fällen von Verschwindenlassen ausreichend dokumentiert (siehe Anhang 2). Zwei Zonen, welche eine äusserst besorgniserregende Zunahme von Verschwindenlassen registrierten, stimmen mit Orten überein, in denen es eine der stärksten Militärpräsenz gibt: Die Gemeinde La Macarena im Dep. Meta, wo es ein strategisches Operationszentrum des Plan Colombia gibt und das Zentrum für integrale Zusammenarbeit der Armee seinen Sitz hat. Hier wurde kürzlich über das Auffinden von Massengräbern berichtet, in denen die Leichen von 1150 Verschwundenen der letzten Jahre liegen könnten. Das zweite Gebiet ist Buenaventura, eine der am meisten militarisierten Gebiete an der Pazifikküste und in verschiedenen Handelsabkommen als wichtigster Exporthafen bezeichnet. Hier hat der Ombudsmann in den letzten drei Jahren 373 Anklagen wegen gewaltsamem Verschwindenlassen erhalten, wie er an einer Gemeinderatsversammlung vom 21. Februar 2009 anklagte.

Besorgniserregend ist auch die Zunahme verschiedener Fälle von Morden mit politischen Motiven oder von Gewalt gegen soziale Führungsleute oder sozial Randständige, welche unter konfusen Umständen verübt werden. Damit wird versucht, die Täterschaft, die Motive und auch den Tathergang zu verschleiern. Hinter dieser Vorgehensweise könnten sich neue aussergerichtliche Hinrichtungen verstecken, welche auf diese Weise nicht als solche erscheinen sollen. Ein Beispiel davon könnte die Ermordung von fünf Mitgliedern der Kankuamos am 31. Dezember 2008 sein (siehe Anhang 3).

Die Zunahme von Aktionen der Paramilitärs in den wichtigsten Städten des Landes und von Drohungen gegen Jugendliche, soziale Führungspersonen und sozial Randständige hat zur Ermordung von Dutzenden von Jugendlichen in 20 Städten geführt und scheint eine neue Operationsweise der Paramilitärs zu sein. Diese scheinen damit ihre Präsenz erneut legitimieren zu wollen, indem sie soziale Kontrollfunktionen ausüben, wofür die staatlichen Sicherheitskräfte zuständig wären. Im Rahmen dieser „sozialen Säuberung“ ermorden die Paramilitärs Hunderte von randständigen Jugendlichen und Opfer der verschärften Wirtschaftskrise. Straflosigkeit

Trotz einer signifikanten Zahl von Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft wegen vermuteter aussergerichtlicher Hinrichtungen durch die Armee, befindet sich der Grossteil der Fälle in der Straflosigkeit. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft befinden sich nur 0,1% (16 Fälle) aller Fälle in der Phase der Urteilsfindung. 17 Schuldsprüche wurden gegen 46 Personen gefällt. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft im Rahmen des Gesetzes 906 von 2004 zeigen, dass von den 716 Ermittlungen, die in die Zuständigkeit der Nationalen Menschenrechtseinheit fallen, 231 nach dem Anklagerecht geführt werden. Von diesen stehen 229 Fälle in der Ermittlungsphase und zwei in der mündlichen Urteilsfindung. Damit wird deutlich, dass das neue Anklagestrafrecht grosse Mängel aufweist und nicht geeignet ist, Erfolge bei den Ermittlungen über die aussergerichtlichen Hinrichtungen zu erreichen.[3] Unter diesem neuen Anklagesystem gibt es auch keine Fortschritte im Kampf gegen die Straflosigkeit von aussergerichtlichen Hinrichtungen, da es keine klaren Fristen gibt und die Fälle so über lange Zeit in der Vorabklärungsphase bleiben. Zudem können die Opfer oder deren Angehörige ihr Recht auf Verteidigung nicht angemessen wahrnehmen, da für sie der Zugang zu den Ermittlungsakten und den Beweisen sehr eingeschränkt ist. Dies zeigte sich auch im Fall der Jugendlichen von Soacha. Die Straflosigkeit setzt sich auch bei den Disziplinarprozessen fort, da die Methodik der Hauptprozesse, mit der die Ermittlungen gegen die Parapolitik geführt werden, auf die Disziplinarprozesse übertragen wird. Damit wird auch hier den Opfern und ihren Verteidigern der Zugang zu den Hauptprozessen verwehrt, und sie können auch keine Einsicht nehmen in die Anklage und in die Beweisführung.

Die Regierung hat sich geweigert, die Weisung 029 von 2005 rückgängig zu machen. Diese bietet finanzielle Anreize für bei Gefechten Getötete an. Diese Anreize sind ein bedeutender Faktor für die Zunahme der Fälle von aussergerichtlichen Hinrichtungen von Zivilen, welche dann als bei Gefechten gefallene Kämpfer ausgegeben werden. Die Regierung argumentiert, dass diese Weisung das Herzstück der Politik der demokratischen Sicherheit bildet. Gegen die aufgrund der Vorfälle von Soacha aus dem Dienst entlassenen Offiziere wurden keine Prozesse eröffnet oder Anklagen erhoben. Der Architekt dieser Politik, General Mario Montoya, welcher ständig den Truppen eingehämmerte, er wolle „Stadien voller Toten“ sehen, wurde zum Botschafter in der Dominikanischen Republik ernannt. Die übrigen Offiziere befinden sich in Freiheit. General José Joaquín Cortés, Ex-Kommandant der 2. Armeedivision und einer der drei aus dem Dienst entlassenen Generäle, klagte an, dass mehrere der suspendierten Offiziere erneut aktiv bei der Armee Dienst tun.[5] Es scheint, dass die effizienten Massnahmen gegen die Straflosigkeit, welche die Regierung pausenlos verkündet, den Opfern dieses Schreckens nicht viel Gerechtigkeit gebracht haben. Wenn dies bei diesem paradigmatischen Fall so ist, bei dem die Regierung exemplarische und harte Massnahmen ankündigte, was kann dann erst in all den anderen hunderten von anonymen Fällen erwartet werden? Die Durchsetzung von Wahrheit, Gerechtigkeit und Entschädigung ist aber unabdingbare Bedingung, um diese Abscheulichkeiten definitiv zu stoppen. Die aussergerichtlichen Hinrichtungen bleiben in der Straflosigkeit und werden unter neuen Modalitäten verübt, mit denen erreicht werden soll, diese Verbrechen zu verdecken.

Anhang 1: Einige angeklagte Fälle von aussergerichtlichen Hinrichtungen, die nach der Ankündigung der Massnahmen der „Null Toleranz“ gegenüber falschen Erfolgsmeldungen verübt wurden

  • Am 16. Dezember 2008 wurde auf der Strasse nach Totoró (Dep. Cauca) José Edwuin Legarda Vásquez, Ehemann der Obersten Rätin des CRIC, Aida Quilcué Vivas, von Einheiten der Armee ermordet. Das Auto, in dem José Legarda unterwegs war, ist das übliche Transportmittel von Aida Quilcué. Das Auto wurde von 19 Gewehrschüssen getroffen, einige davon von vorne. Eine Krankenschwester einer Gesundheitsmission, welche José Legarda begleitete, wurde beim Anschlag verletzt. In einer ersten Version behaupteten die Militärs, dass sie aus dem Auto heraus beschossen worden seien. Diese Version wurde nachher durch eine andereersetzt, wonach das Auto bei einer Strassensperre nicht angehalten habe. Kein anderes Fahrzeug, welches in dieser Nacht auf der gleichen Strasse unterwegs war, wurde an einer Strassensperre aufgehalten. Bei den Militärs wurden zwei Gewehre gefunden, welche keinem der Soldaten gehörten. Es wird vermutet, dass diese den Opfern hätten in die Hände gelegt werden sollen. Alles weist darauf hin, dass die Militärs die Durchfahrt von Aida Quilcué erwarteten, welche um diese Zeit hier hätte vorbei kommen sollen, um an einer Sitzung des Arbeitstisches von Togaima teilzunehmen. Aufgrund anderer Verpflichtungen hatte sie sich jedoch verspätet.
  • Am 8. Dezember 2008 wurde in einem abgelegenen Gebiet zwischen San Vicente del Caguán und Puerto Rico (Dep. Caquetá) Joel Pérez Cardenas erschossen, enthauptet und seine Leiche angezündet. Pérez war einer der Gründungsmitglieder und ersten Direktoren der Vereinigung für die Verteidigung der Menschenrechte Caguán Vive. Er hatte auch verschiedene Ämter bei Gemeinderäten und Umweltkommissionen inne. Die Umstände des Verbrechens weisen nach Meinung der Gemeinschaft auf die Täterschaft der Armee hin.[7]
  • Am 26. Dezember 2008 präsentierten Einheiten des Bataillon Rifles der 11. Brigade die Leiche von Arnobis Negrete Villadiego, 18 Jahre alt, als ein Mitglied einer kriminellen Bande im Dienste von Don Mario, welches von der Armee in dem Distrikt Villa Fatima in der Gemeinde Buenavista (Dep. Córdoba) erschossen worden sei. Doch es handelte sich um einen Studenten im 7. Jahr der Mittelschule Cristobal Colón von Montería. Er folgte am Tag zuvor einer Einladung eines anderen Jugendlichen mit ihm zu kommen, als er vor seinem Haus im Stadtteil Edmundo López in Montería am Blumen giessen war.[8]
  • Am 9. Janurar 2009 ermordeten zwei Polizisten von Bogotá den Obdachlosen Robinson Gil, der auf der Strasse lebte, durch einen Schuss, nachdem sie ihn brutal mit  einem Baseballschläger zusammengeschlagen hatten. Das Opfer hatte sich geweigert, sich die Decke wegnehmen zu lassen. Die Polizisten versuchten die Leiche zum Verschwinden zu bringen. Sie brachten sie auf ein verlassenes Grundstück beim Kilometer 9 an der Ausfallstrasse nach Choachí. Dies wurde jedoch von Anwohnern entdeckt und angezeigt.[9]
  • Am 28. Februar 2009 verhafteten zwei uniformierte Polizisten, welche mit Polizeimotorrädern unterwegs waren, den 15-jährigen Rodolfo Blandón in Ciudad Bolivar (Bogotá). Blandón befand sich in Begleitung eines minderjährigen Freundes. Eine Woche galt Rodolfo Blandón als verschwunden, danach wurde er mit einem Kopfschuss tot im Viertel Lucero Alto al Sur von Bogotá aufgefunden.[10]
  • Am 14. März 2009 wurde in der Gemeinde La Macarena (Dep. Meta) Luis Arbey Diaz Rubiano durch Einheiten der Mobilen Brigade No. 1 aussergerichtlich hingerichtet. Das Opfer war Präsident der Gemeindejunta von El Tapir in der Gemeinde La Macarena. Das Opfer verliess in Begleitung seines Sohnes Rolando Martinez Plaza sein Haus, als er von den Armeeeinheiten erschossen wurde. Sein Sohn wurde nach der Ermordung des Vaters von der Armee während zwei Tagen willkürlich verhaftet.[11]

Anhang 2: Einige Fälle von Verschwindenlassen, bei denen die Beteiligung von Sicherheitskräften angeklagt wurde

  • · Am 28. Juli 2008 brachten Mitglieder der Armee einen eigenen Soldaten zum Verschwinden. Offiziere werden als vermeintliche Täter für das Verschwindenlassen des Soldaten Oscar Iván Tabares verantwortlich gemacht. Die Staatsanwaltschaft erliess einen Haftbefehlt gegen den Offizier Iván Ramiro Rodríguez Piza und den Unteroffizier Ernesto Rodrigues Rojas. Der Soldat wurde an einer Strassensperre der Armee zum Verschwinden gebracht. Zuvor war es in einem Lager der Armee im Weiler San Luis de Toledo in der Gemeinde San Juanito (Dep. Meta) zur Explosion einer Granate gekommen. Die Offiziere hatten mit dem verschwundenen Soldaten ein Streitgespräch und es waren Schüsse abgegeben worden.12
  • Am 10. Januar 2008 nahmen Einheiten des Artilleriebataillons Palacé der 3. Brigade willkürlich sechs Bauern fest und brachten sie zum Verschwinden. Der Vater und seine fünf Söhne heissen: Rigoberto Hoyos Ruíz (Präsident und rechtlicher Vertreter der Vereinigung der organischen Kaffeeproduzenten Kolumbiens ACOC), Jaime Luis Hoyos Galeano, Néstor, Carlos, Jorge Luis und Oscar William. Einige der Söhne sind minderjährig. Militärs waren etwa um 9 Uhr morgens auf den Hof der Familie Hoyos Galeano im Weiler San Marcos gekommen (Polizeikreis Monteloro in der Gemeinde Tuluá im Dep. Valle del Cauca). Nach der Festnahme wurden die Verhafteten zu einem Militärlager gebracht, wo wenig später mehrere Schüssen z hören waren. Als die Gemeinschaft vom Geschehen Kenntnis hatte, ging eine Kommission an den Ort des Geschehens. Eine Gruppe von Militärs empfing die Delegation und sagte, sie würden weder den Aufenthaltsort noch etwas über das Schicksal von Rigoberto Hoyos und seinen fünf Söhnen wissen. Bis heute ist nichts über den Verbleib und das Schicksal der sechs verschwundenen Personen bekannt.13
  • Am 15. Februar 2009 wurde Alba Nelly Murillo, Präsidentin der Gemeindejunta des Weilers La Esmeralda in der Gemeinde El Castillo (Dep. Meta) nach dem Passieren einer Brücke über den Fluss Llamanes zum Verschwinden gebracht. Einheiten des Bataillons 21 Vargas werden für die Tat verantwortlich gemacht, denn sie hatten an diesem Ort einen Stützpunkt. Frau Murillo hinterlässt zwei minderjährige Kinder. Sie hatte zuvor Drohungen von Einheiten des Bataillons Vargas angeklagt.[14]

Anhang 3: Einige Fälle von aussergerichtlichen Hinrichtungen aufgrund indirekter Verantwortung der Armee durch Komplizenschaft oder Zustimmung mit den paramilitärischen Gruppen[15]

  • Am 22. November 08 ermordeten Paramilitärs in Chigorodó (Dep. Antioquia) Benigno Antonio Gil Valencia, den Gründer des Bauernarbeitstisches für die Rückerlangung des Landes. Er hatte zusammen mit anderen vertriebenen Familien aus Urabá versucht, die von den Paramilitärs geraubten Ländereien wieder zurück zu erlangen.
  • Am 11. November 2008 ermordeten Paramilitärs in Tarazá (Dep. Antioquia) Jairo Alberto Londoño Usaga und Fredy Manuel Estratad Guerra (25 Jahre und 26 Jahre alt). Beide hatten als Delegierte der durch die Besprühungen vertriebenen Bauern von Tarazá aktiv beim Verhandlungsprozess mit der Regierung teilgenommen. Die Vertriebenen waren von den Behörden als „Helfer der Guerilla“ bezeichnet worden. Die Täter gaben sich als „Guerilleros der 18. Front der FARC“ aus.
  • Am 28. November 2008 ermordeten Paramilitärs in Arauquita (Dep. Arauca) den ehemaligen Generalsekretär der Bauernvereinigung von Arauca und aktuelle Führungsperson des Komitees der Vertriebenen, Carlos Rodolfo Cabrera Huertas. Carlos Cabrera hatte Schutzmassnahmen der Interamerikanischen Menschenrechtskommission aufgrund von Todesdrohungen.

Anhang 4 Mögliche Fälle, hinter denen sich Staatsverbrechen gegen Mitglieder von indigenen Gemeinschaften verstecken [16]

  • Am 31. Dezember 2008 explodierte während eines Neujahrfestes der Kankuamos in Atanquez (Dep. Cesar) ein Sprengkörper im Lokal Patio Fresco, in dem sich über 200 Personen aufhielten. Fünf Personen wurden getötet und 85 weitere schwer verletzt. Die indigenen Behörden verlangten von der Regierung aufgrund der schweren Hinweise auf die Verantwortlichkeit von Staatsbeamten Erklärungen, denn an diesem Tag hatte sich die Armee in verdächtiger Form aus dem Ort zurück gezogen. Der Anschlag geschah zudem nur einen Strassenzug vom Polizeiposten entfernt und es handelte sich um einen Sprengsatz, wie ihn die Armee verwendet.
  • Am 16. November 2008 zerrten Paramilitärs Oswaldo Pai Garcia und seine Mutter Maruja Garcia Casaluzán in Ricaurte (Dep. Nariño) gewaltsam aus ihrer Wohnung und ermordeten sie. Oswaldo Pai Garcia war indigener Gouverneur des Schutzgebietes Gualcalá.
  • Am 9. Dezember 2008 wurde auf der Strasse des Stadtteils Los Pailitos in Maicao (Dep. Guajira) nach der Gemeinschaft Wayúu Noüna de Campamentos Miguel Angel Ospina Boscán, 32 Jahre alt, abscheulich gefoltert – es wurden ihm die Augen ausgestochen – und ermordet. Migel Angel ist der Bruder einer Wayúu-Führungsfrau, welche die Opfer organisiert hat und gemeinsam mit ihnen Wahrheit, Gerechtigkeit und Entschädigung verlangt. Miguel Angel stand auf einer Todesliste, welche zuvor die Aguilas Negras verbreiteten. Die Aguilas Negras haben sich in Maicao breit gemacht.

[1] Im gleichen Zeitraum wurden 1007 Personen bei Gefechten getötet.

[2] 7763 Fälle von Verschwindenlassen wurden in den letzten zwei Jahren gemeldet. In: Revista Cambio, 22. Okt.

[3] Antwort der Generalstaatsanwaltschaft auf eine Petition der Corporación Juridica Libertad, Dezember 2008

[6] Cinep. Banco de Datos de Derechos Humanos y Violencia Política.

[7] Cinep. Banco de Datos de Derechos Humanos y Violencia Política.

[8] Cinep. Banco de Datos de Derechos Humanos y Violencia Política.

[9]http://www.eltiempo.com/colombia/bogota/habitante-de-la-calle-murio-a-manos-de-2-policias-el-9-de-enero-le-dieron-un-tiro-en-lacabeza_
4809833-1

[10] www.elespectador.com/articulo125738-dos-policias-habrian-matado-un-joven-de-15-anos

[11] Denuncia pública realizada por la Junta de Acción Comunal de la Vereda El Tapir, la Asociación Campesina Ambiental de los ríos Lozada
Guayabero y la Asociación Campesina Ambiental de los Parques Naturales Tinigua y Macarena, La Macarena (Meta), 24 de marzo de
2009.

[12] Cinep. Banco de Datos de Derechos Humanos y Violencia Política.

[13] Cinep. Banco de Datos de Derechos Humanos y Violencia Política.

[14] http://www.usofrenteobrero.org/images//voz

[15] Casos registrados por el Banco de Datos de Derechos Humanos y Violencia Política del Cinep%20internet%202480%20con%20separata%20alta%20resolucion.pdf

[16] Casos registrados por el Banco de Datos de Derechos Humanos y Violencia Política del Cinep

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08.12.2016


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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

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