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Abtreibung in Kolumbien – ungenügender Schutz der Rechte der Frauen

27.04.2016 | Von Cornelia Britt
Frauenorganisationen fordern einen stärkeren Schutz des Rechts auf Abtreibung. Foto: Palabra de Mujer

Vor 10 Jahren, am 10. Mai 2006, erliess das kolumbianische Verfassungsgericht ein Urteil, das den Schwangerschaftsabbruch in wenigen Ausnahmefällen erlaubt. Die Umsetzung des Gerichtsbeschlusses ist auch nach 10 Jahren ungenügend. Der Zugang betroffener Frauen zu medizinischer Hilfe ist stark erschwert und die freiwillige Abtreibung steht noch immer unter Strafe.

In Kolumbien dürfen Frauen in die Schule gehen, an Wahlen teilnehmen, öffentliche Ämter besetzen, ihren Partner frei wählen und die Scheidung einreichen. Die freie Wahl, Mutter zu sein oder nicht, haben kolumbianische Frauen jedoch nicht. Das kolumbianische Verfassungsgericht erliess vor 10 Jahren, im Mai 2006, das Urteil C-355, das Schwangerschaftsabbrüche unter extremen Umständen legalisierte. Namentlich dürfen Abtreibungen legal in folgenden Ausnahmefällen durchgeführt werden: bei einem Gesundheitsrisiko für die Frau, bei Missbildungen des Fötus und bei Schwangerschaft infolge Vergewaltigung oder Inzest.[1]

Das Urteil ist jedoch zu wenig umfassend und dessen Umsetzung ungenügend. Gemäss einer Studie des Guttmacher Institutes von 2011 kommt es in Kolumbien jährlich zu schätzungsweise 400‘412 Abtreibungen. Nur knapp 1% davon sind gemäss dem Urteil der Verfassungsgerichts C-355 legal, die restlichen 99% geschehen ausserhalb des gesetzlichen Rahmens mit erhöhtem Gesundheitsrisiko für die Frauen.[2] Das Menschenrecht auf sexuelle und reproduktive Gesundheit einschliesslich Abtreibung ist in Kolumbien nur unzureichend geschützt.

Erschwerter Zugang zu medizinischer Behandlung und Informationen
Das Urteil ermöglicht den betroffenen Frauen zwar den Zugang zu Unterstützungsleistungen des Sozialsystems, eine adäquate medizinische Behandlung sowie Straffreiheit. In der Realität sind legale Schwangerschaftsabbrüche jedoch erschwert. Nach dem Urteilsspruch vor zehn Jahren war die grosse Herausforderung dessen Umsetzung, namentlich der Zugang zu Unterstützungsleistungen im Gesundheitssystem sowie der Zugang zur effektiven medizinischen Behandlung bei einem Schwangerschaftsabbruch. Die Umsetzung des Urteils des Verfassungsgerichts wurde in den letzten Jahren jedoch vor allem durch religiöse Organisationen sowie konservative Beamte erschwert.[3]

10 Jahre nach dem Urteilsspruch sehen sich Frauen noch immer mit Hindernissen konfrontiert, wenn sie ihr Recht auf Selbstbestimmung einfordern wollen. So ist beispielsweise die Reglementierung für den Zugang zum Gesundheitsdienst ungenügend und den Frauen fehlt es an Informationen über ihre Rechte und Möglichkeiten. Illegale, unsachgemässe Abtreibungen sind die Folge und stellen ein hohes Gesundheitsrisiko für die Frauen dar. Insbesondere für armutsbetroffene Frauen aus ländlichen Gebieten ist der Zugang zu medizinischer Behandlung bei Komplikationen nach einer Abtreibung unzureichend.[4]

Rechtlicher Schutz und Prävention gefordert
Das Urteil des Verfassungsgerichts vom Mai 2006 ist ungenügend und kann das Recht auf Leben und Gleichheit von Frauen bezüglich einer freien Wahl auf Mutterschaft nicht garantieren. BefürworterInnen eines stärkeren Schutzes des Rechts auf Abtreibung fordern eine bessere Umsetzung des Urteils C-355, unter anderem verbesserten Zugang zu medizinischer Behandlung, und die Legalisierung der freiwilligen Abtreibung in den ersten 12 Schwangerschaftswochen.[5] Frauenorganisationen wie Women's Link World Wide betonen die Wichtigkeit von Informations- und Präventionsarbeit. Die Gesellschaft müsse über legale Möglichkeiten von Schwangerschaftsabbruch Bescheid wissen. Auch die kolumbianischen Medien tragen eine Verantwortung, Frauen über ihre Möglichkeiten und Rechte zu informieren. Ausserdem fehle es an Sexualaufklärung sowie Beratungsangeboten bezüglich Schwangerschaftsverhütung und Adoption.[6]

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[1] Razonpublica, 25.04.16, A diez años de la legalización del aborto en Colombiahttp://www.razonpublica.com/index.php/lectura-p%C3%BAblica/9388-a-diez-a%C3%B1os-de-la-legalizaci%C3%B3n-del-aborto-en-colombia.html

[2] Guttmacher Institute, 2011, Embarazo no deseado y aborto inducido en Colombia – Causas y consecuencias, https://www.guttmacher.org/sites/default/files/report_pdf/embarazo-no-deseado-colombia_1.pdf

[3] Razonpublica, op.cit.

[4] Guttmacher Institute, op.cit.

[5] Contagioradio, 10.11.15, Fiscal propone despenalizar el aborto en las primeras 12 semanas de gestaciónhttp://www.contagioradio.com/fiscal-montealegre-propone-despenalizar-el-aborto-en-primeras-12-semanas-de-gestacion-articulo-16939/

[6] Contagioradio, 11.11.15, Abortar debe ser una decisión libre y segurahttp://www.contagioradio.com/abortar-debe-ser-un-decision-libre-y-segura-articulo-17086/

Aktuell

08.12.2016


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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

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Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com