10/23/10

Wie viele Opfer sind es wirklich?

23.10.2010 | von Sylvia Meyer

Am 22. Oktober meldeten kolumbianische Zeitungen weitere Verurteilungen im Fall des sechstägigen Massakers von Juli 1997 in Mapiripán. Eliécer Manuel Romero Herrera und Humberto Antonio Aguilar Allian müssen für die grausamen Morde je 29 Jahre und zwei Monate Haft verbüssen, rund ein halbes Jahr für jedes Opfer. Doch bis heute weiss niemand, wieviele Menschen in Mapiripán und den Llanos wirklich durch Paramilitärs umgebracht wurden. Weitere Aussagen bringen nun neue Erkenntnisse.

Einer ist Opfer, Hunderte Statistik

Die Verbrechen des Bloque Centauros der Vereinigten Bürgerwehren von Kolumbien (Autodefensas Unidas Colombianas, AUC*) in den Llanos Orientales konnten dank weiterer Aussagen hochrangiger Paramilitärs jüngst besser rekonstruiert werden. Zu 13 Aktionen von 1997-2002 liegen der Staatsanwaltschaft neue Details vor. Insgesamt starben 169 Menschen, darunter mindestens fünf Jugendliche.

Mehr als die Hälfte wurde im ersten Jahr ermordet. Der Terror der AUC in der
Region erreichte sowohl zahlenmässig als auch vom Gewaltniveau her im
Gründungsjahr 1997 einen traurigen Höhepunkt.

Für 80 Morde zwischen 1999 und 2005 übernahmen mit einem Geständnis vom 12.10.2010 nun drei führende Paramilitärs (Daniel Rendón Herrera alias 'Don Mario', Manuel de Jesús Pirabán alias 'Pirata' und Luis Arlex Arango Cárdenas alias 'Chatarro’) die Verantwortung.

Die Opferzahlen des Bloque Centauros sind erschreckend. Bedenkt man jedoch, dass diese nicht als Einzige in den Llanos aktiv waren, wird schnell klar, in welcher Wirklichkeit die Menschen in der geostrategisch wichtigen und stark in den Drogenhandel involvierten Region lebten.

Justicia y Paz veröffentlichte 2006 eine Liste mit den Opfern der Paramilitärs von 1988-2006: Die Zählung ergibt, kleine Fehler vorbehalten, 396 Tote. Pro Ereignis schwankt die Zahl der Ermordeten zwischen einem und 17. Bereits bis 1997 ermordeten Paramilitärs allein im Departement Meta nach diesen Angaben insgesamt 171 Menschen. Auffällig an dieser Liste ist jedoch, dass beispielsweise das Massaker von Mapiripán überhaupt nicht aufgeführt ist. Auch andere nun bekannte Verbrechen des Bloque Centauros sind in der Statistik scheinbar nicht, oder noch nicht, ausgewiesen. Damit liegt die Zahl der in den Llanos Ermordeten wahrscheinlich weitaus höher und könnte allein
für Meta die 500 überschreiten. Aufstieg und Niedergang der Centauros Mitte Juli 1997 ermordet eine Truppe von weit mehr als 100 Paramilitärs zunächst sechs Personen in Charras und Aguabonita, Meta. In den folgenden Tagen schlachten die Paramilitärs mit Macheten und Kettensägen insgesamt ungefähr 60 Personen ab. Die Opferzahl ist ungewiss, da sie einen Grossteil der ausgeweideten Leichen, teilweise auch Schwerverletzte,in den Guaviare werfen. Mit dieser Greueltat, bei der sich auch das kolumbianische Militär schuldig machte - General Jaime Uscátegui wurde deshalb im November 2009 zu 40 Jahren Haft verurteilt -erweitert die AUC ihren Aktionsradius nach Osten. Der Bloque Centauros formiert sich und die Paramilitärs der Brüder Castaños arbeiten zudem mit zwei lokalen paramilitärischen Gruppen zusammen: den bereits seit den achtziger Jahren aktiven „Buitragueños“ und den „Carranceros“. Das gemeinsame Ziel: Kontraguerilla und Kontrolle über Drogengelder. Weder vor noch nach dem Massaker von Mapiripán wurde ein derartiger Massenmord in den dünn besiedelten Llanos registriert. Spätestens seit 2001 gerät die Situation zwischen den verschiedenen paramilitärischen Gruppen jedoch ausser Kontrolle und auch die AUC kämpft mit Intrigen. Der Bloque Centauros gelangt aufgrund der Schwierigkeiten in der Region 2001 unter das Kommando des erst kurz zuvor aus der Haft entlassenen Miguel Arroyave. Dieser versucht 2002 in einer Sitzung, die Gebiete der einzelenen Gruppen festzulegen. Die internen Machtkämpfe eskalieren jedoch: nach dem Mord an Männern des Bloque de Centauros durch Paramilitärs der „Buitrageños“ beginnt ein offener Krieg, in dem mutmasslich auch hochrangige Paramilitärs ihr Leben lassen. 2005 legen 1.134 Centauros die Waffen nieder, Kommandant ist zu dieser Zeit Vicente Castaños. Ein halbes Jahr später übergeben ungefähr 500 weitere Männer ihre Waffen.

Zur AUC

1997 gründeten sich unter der offiziellen Leitung von Carlos Castaño (Führer der in Cordoba und Uraba aktiven Autodefensas Campesinas de Cordoba y Uraba, ACCU) die AUC. In diesem Jahr begannen die AUC auch ihre Aktivitäten in den Llanos. Für die Expansionsstrategie zeichnet der Bruder von Carlos Castaño verantwortlich, der die knapp 40 Mann starke Truppe seines Bruder zu einer der mächtigsten paramilitärischen Organisationen des Landes ausbaute – ohne jedoch lange Zeit selber einen führenden Posten zu übernehmen. Vicente Castaño, „El Profe“, war über elf Jahre der Stratege der AUC, der stets im Hintergrund agierte. Carlos Castaño setze sich seit 2002 für Verhandlungen mit der Regierung ein. Dadurch geriet er in Misskredit einiger Paramilitärs. Vicente konnte jedoch zwischen den verschiedenen Blöcken der AUC vermitteln. 2004 verschwand Carlos Castaño. Sein Tod ist seit 2006 offiziell, nachdem ein Ex- Paramilitär das Versteck der Leiche verriet. Der Auftraggeber des Mordes bleibt unbekannt. Gerüchte bringen Vicente Castaño mit dem Tod seines Bruders in Verbindung.

Die AUC ist unter anderem von der Europäischen Union offiziell als Terrororganisation eingestuft.

Download PDF

Aktuell

08.12.2016


Spenden an die ask!

Wir leisten unsere Arbeit für die kolumbianische Zivilgesellschaft mit viel Herzblut. Um unsere Kosten zu decken, sind wir auf Spenden angewiesen.

Wir freuen uns entsprechend über eine Spende auf:
PC-Konto 60-186321-2
(
IBAN CH33 0900 0000 6018 6321 2)

26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com