02/12/09

Massaker der FARC an Indigenas Awá

12.02.2009 | von Bruno Rütsche

In einer öffentlichen Erklärung vom 10. Februar 2009 klagte die indigene Organisation UNIPA und die nationale Indigenenorganisation ONIC die FARC an, mindestens 17 Indigenas der Awá getötet zu haben, darunter auch Kinder.

Zehn weitere Personen wurden getötet, als sie vor den Auseinandersetzungen zu fliehen versuchten. Dies klagte der indigene Gouverneur des Resguardos El Sande (indigenes Schutzgebiet) der Awá am 11. Februar in einer Erklärung an. Wer für diese Morde verantwortlich zeichnet, ist bisher nicht geklärt.

Hintergrund

Gegen Ende der 90er Jahre drangen Guerillagruppen zunehmend in das indigene Schutzgebiet der Awá ein. Sie versuchten in den indigenen Gemeinschaften ihr politischmilitärisches Projekt voran zu treiben und den Gemeinschaften aufzuoktroyieren. Die politische, territoriale und kulturelle Autonomie des Volkes der Awá wurde dadurch verletzt und es kam zu Menschenrechtsverletzungen. Durch das Auftauchen paramilitärischer Gruppen in Verbindung mit wirtschaftlichen Interessen eskalierte der Konflikt.

Im Rahmen der Politik der „demokratischen Sicherheit“ wurde ab 2002 das Territorium der Awá zunehmend militarisiert, was den Konflikt noch komplexer machte. Die Armee verübte verschiedene Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen. Es kam zu Verletzungen der Konsultation der indigenen Gemeinschaften über Projekte in ihren autonomen Gebieten wie es durch die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation vorgesehen und gesetzlich geregelt ist.

In den vergangenen zehn Jahren kam es aufgrund des bewaffneten Konfliktes zu fünf massiven Vertreibungen, zu andauernder Vertreibung von Einzelfamilien und einzelnen Personeninnerhalb des Schutzgebietes wie auch aus dem Schutzgebiet heraus, zur Vertreibung nach Ecuador, zu vier Massakern und rund 200 Ermordungen. 50 Personen wurden durch Minen verletzt und es kam zu Entführungen, willkürlichen Festnahmen, Verleumdungen, Drohungen, gewaltsamer Rekrutierung und ganze Gemeinschaften wurden von der Zufuhr von Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoff abgeschnitten. Auf Zivilpersonen wurde Druck ausgeübt, Informationen an die bewaffneten Akteure – Guerilla, Paramilitär und Armee – zu geben, wodurch sie leicht zu Zielscheiben der jeweiligen Kontrahenten wurden.

Alle diese Verletzungen der Menschenrechte, des Humanitären Völkerrechtes und der Rechte der indigenen Völker wurden von den indigenen Organisationen öffentlich angeklagt. Die Ombudsstelle erliess im Jahr 2008 eine Erklärung zur Lage der Awá und empfahl dem Staat konkrete Massnahmen zu treffen, um den Schutz des Volkes der Awá zu garantieren. Bis heute ist keine dieser Empfehlungen umgesetzt worden.
Im Jahr 2008 verstärkte sich die Präsenz paramilitärischer Gruppen wieder. Die Reaktion der Guerilla radikalisierte sich erneut und die Militarisierung durch die Streitkräfte nahm wiederum zu, was zu einem erneuten Anstieg der Menschenrechtsverletzungen und zu einer eigentlichen humanitären Krise der Awá führte.

Ab dem 1. Februar 2009 drang die Armee in das Gebiet ein und Soldaten quartierten sich in Häusern von Awá-Familien ein. Mitglieder der Awá wurden von der Armee misshandelt und gezwungen, ihr Informationen über die Guerilla zu geben. Die Gemeinschaft war gegenüber diesem Vorgehen der Armee ohnmächtig und schutzlos und wurde dadurch einem grossen Risiko ausgesetzt, zur Zielscheibe der FARC zu werden.

Am 4. Februar 09 nahmen die FARC rund 120 Personen gefangen, darunter Frauen und Kinder. Einige der Gefangenen wurden mit Macheten ermordet. Die gleichen FARC-Guerilleros holten am Tag darauf allein gelassene Kinder aus den Häusern. Welches Schicksal diese Kinder erlitten haben, ist ungewiss. Die FARC warf der Gemeinschaft vor, mit der Armee zusammen gearbeitet und ihr Informationen über die Guerilla gegeben zu haben.

Am 5. Februar 09 kam es zu Gefechten zwischen der Guerilla und der Armee, wobei die Armee Gebiete der Awá bombardierte.

Am 6. Februar kam es zu erneuten Gefechten zwischen der Armee und der FARC, welche am 7. Februar weiter gingen. Aufgrund der Gefechte versuchten mehrere Familien innerhalb des Schutzgebietes oder in die Orte Samaniego, Barbacoas und Planadas Telembí zu fliehen, obwohl die Wege in diesem Gebiet von der Guerilla vermint wurden. Rund 1300 Personen sind durch die Kämpfe eingeschlossen und von jeglicher Versorgung abgeschnitten. Sie leiden unter Hunger und vor allem die Kinder sind von der Situation schwer betroffen.
Forderungen:

  • Respektierung des Lebens und der Rechte der indigenen Völker Kolumbiens durch alle bewaffneten Akteure. Respektierung ihres Rechtes, nicht in einen Konflikt involviert zu werden, der nicht der Konflikt der indigenen Völker ist.
  • Die FARC soll öffentlich zu ihrer Verantwortlichkeit für dieses Massaker Stellung nehmen und die territoriale und politische Autonomie der indigenen Völker respektieren.
  • Falls die FARC Personen in ihrer Gewalt hat, soll sie diese sofort und bedingungslos frei lassen.
  • Das Innen- und Justizministerium soll alle Massnahmen treffen, um die Ereignisse rasch auf zu klären.
  • Die Regierung soll die hohe Verwundbarkeit des Volkes der Awá anerkennen und die Empfehlungen der Menschenrechtsombudsstelle vom 5. Juni 2008 unverzüglich und vollständig umsetzen.
  • Das Sozialministerium (Acción Social) und das Innenministerium soll den Plan zum Schutz des Volkes der Awá umsetzen und das Recht auf die informierte, angekündigte und vorgängige Konsultation wie im Erlass 004 von 2009 des Verfassungsgerichtes angeordnet, einhalten.
  • Die Armee soll die Menschenrechte und das Humanitäre Völkerrecht strikt beachten.
  • Die Sozialfürsorge und das Amt des Gouverneurs des Dep. Nariño soll zusammen mit weiteren humanitären Organisationen eine wirkungsvollen Plan zur humanitären Hilfe ausarbeiten.
  • Die UNO, die Menschenrechtsorganisationen und die sozialen Bewegungen, die staatlichen Kontrollinstanzen, die nationalen und internationalen NGO’s bitten wir um Begleitung in einer humanitären Gemeinschaftsaktion, um das Geschehene zu verifizieren und das Leben unserer indigenen Geschwister zu retten, die in Gefahr sind.
  • Die Staatsaufsichtsbehörde (Procuraduría) fordern wir auf, alle staatlichen Institutionen auf die Einhaltung ihrer Verpflichtungen zu überprüfen.

 

Die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien ask schliesst sich den Forderungen von UNIPA und ONIC an.

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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

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