30.08.2012

Kritische humanitäre Situation in Tumaco, Nariño

30.08.2012 | von Stephan Suhner

In einem öffentlichen Communiqué machte die Diözese von Tumaco am 22. August 2012 auf die schwierige humanitäre Lage an der Pazifikküste Nariños aufmerksam. Die Zivilbevölkerung, und dabei insbesondere indigene Gemeinschaften, leiden unter dem bewaffneten Konflikt, unter den schwerwiegenden Verletzungen des humanitären Völkerrechts und den Angriffen der FARC auf die Infrastruktur. So sprengten die FARC Mitte August mindestens 8 Strommasten in die Luft, was zum Stromausfall in den vier Gemeinden Barbacoas, Roberto Payán, Magüí und Tumaco mit zusammen 250‘000 Einwohnern führte. Durch den Stromausfall sind auch die Gesundheitsdienste und die Schulen betroffen. In Tumaco brach die Trinkwasserversorgung zusammen und der sanitäre Notstand musste ausgerufen werden. Zudem gibt es rund um die Strommasten Minenfelder, in denen 4 Zivilpersonen ihr Leben verloren und 7 Personen schwer verletzt wurden. Die beiden indigenen Awá-Gemeinschaften Pilvicito und Nortal sind wegen der Minengefahr in ihren Dörfern eingeschlossen. Zudem wurde die Transandine Ölpipeline an mehreren Orten gesprengt und dadurch vier Flüsse verschmutzt.
Offiziell wurden im Juli 2012 in der Gemeinde Tumaco 32 gewaltsame Todesfälle registriert. Die Diözese hat jedoch Kenntnis darüber, dass in einer einzigen Pfarrei alleine zwischen Juni und Juli 25 Personen ermordet wurden, so dass die Gesamtzahl wesentlich höher liegen dürfte. Allein bis zum 18. August veröffentliche die Diözese eine Liste mit 14 Ermordeten und mehreren Schwerverletzten allein in Tumaco. Die Händler der Region sehen sich zudem weiterhin der Erpressung ausgesetzt, was viele dazu bewegte, die Geschäfte aufzugeben und wegzuziehen, aus Angst, Opfer eines Bombenanschlages zu werden. Seit dem schweren Anschlag auf die Polizeistation im Februar kam es zu mehreren weiteren Sprengstoffanschlägen auf Einrichtungen der Ordnungskräfte. Der Stromausfall erhöhte die Unsicherheit in den Vierteln und die bewaffneten Akteure üben weiterhin blutige territoriale Kontrolle aus.           

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