08/31/12

Angespannte Konfliktsituation im Norden des Cauca

31.08.2012 | von Dominique Rothen

Der Norden des Cauca ist seit langer Zeit Brennpunkt des bewaffneten Konfliktes in Kolumbien: Die linke Guerilla FARC und das nationale Militär machen sich die Kontrolle des Territoriums streitig. In dieser Region wohnen die Indigenen der Ethnie der Nasa, welche ihre eigenen Vorstellung des Lebens bzw. des Zusammenlebens haben und sich auch auf eigene Gesetze berufen können.

Am 5. Juli kam es zu starken Auseinandersetzungen zwischen der Armee und der Guerilla der FARC in Toribío, welche während Tagen angehalten und den Alltag der EinwohnerInnen von Toribío massiv eingeschränkt haben. Am 8. Juli hat die Guerilla einen Gesundheitsposten angegriffen, als Folge davon hat eine Krankenschwester ein Bein verloren. Es war vermutlich der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Die Indigenen haben verkündet, dass sie ab sofort keine bewaffneten Akteure in ihrem Territorium mehr dulden werden, weder FARC noch Militär. Die indigenen Ordnungskräfte (guardia indígena) haben sich zu den FARC aufgemacht, und haben begonnen, die Installationen der FARC abzubauen. Am darauf folgenden Tag haben sie dasselbe mit den Installationen der Polizei aus dem Hauptort des Gemeindebezirk Toribío getan und haben an ihrer Forderung, keine bewaffneten Akteure in ihrem Gebiet mehr zu akzeptieren, festgehalten.

Am Mittwoch, 11. Juli ist Präsident Juan Manuel Santos nach Toribío gereist. Die Indigenen haben das Gespräch mit ihm jedoch nicht akzeptiert, da er nicht gekommen war, um über den Konflikt zu diskutieren und die Ursachen der Probleme zu analysieren, sondern er sei lediglich gekommen, um einen Ministerrat abzuhalten. In diesem Diskurs versprach der Präsident, dass er 500‘000 Mio. Pesos (250 Mio. CHF) in Sozialprogramme investieren wolle im Rahmen des Plan Cauca, welcher von der departementalen Regierung vorgeschlagen wurde, um die Situation im Cauca zu verbessern. Und gleichzeitig hat er betont, dass sich das Militär nicht einen Zentimeter vom kolumbianischen Territorium zurückziehen werde, was die Situation zusätzlich verschärft hat.

An diesem Tag haben sich einige Vertreter die Indigenen Ordnungskräfte zum Cerro de Berlín aufgemacht, um das Militär von dort zu vertreiben, zumal es sich laut ihrer Überzeugung um einen heiligen Berg handelt. Eine andere Gruppe hat erneut die FARC aufgesucht, welche auf der Strasse zwischen Caloto und Toribío Strassensperren aufgebaut hatten, um sie da wegzubringen.

Leider verlief der Prozess, das Militär vom Cerro de Berlín runterzuholen, nicht so friedlich, auch die indigenen Ordnungskräfte haben geschubst und gestossen, um das Militär loszuwerden. Die Bilder davon – ähnlich dem Nebenstehenden -, wurden von den kolumbianischen Medien breit aufgegriffen und dazu benutzt, die scheinbare Aggressivität der Indigenen darzustellen und so ihre Forderungen als nicht legitim darzustellen. Dies hat dazu geführt, dass sich die Situation weiter stark angespannt hat und es wurde das Bild eines Konflikts zwischen Indigenen und dem Militär hochstilisiert. Dabei wurde ausser Acht gelassen, dass die Indigenen jegliche Form von Gewalt ablehnen und lediglich ihr Recht auf Frieden einfordern wollen.

Am darauffolgenden Tag hat das Militär den Cerro de Berlín wieder zurückerobert, indem sie Spezialtruppen brachten und mit Tränengas gegen die Indigenen vorgegangen sind. Es wurden 21 Indigene verhaftet.                                  

Am 11. Juli ist ebenfalls ein Supertukan des Militärs abgestürzt, bis heute ist nicht geklärt, ob er von der FARC zum Absturz gebracht wurde oder ob er durch menschliches oder technisches Versagen abgestürzt ist. Da der Supertukan in indigenem Gebiet abgestürzt ist, kam die Black Box in die Hände der indigenen Ordnungskräfte. Es war ein langes Hin und Her, bis die Indigenen die Black Box schlussendlich an eine internationale Delegation übergeben haben und die Black Box schliesslich in die Hände des Militärs kam.

Gleichzeitig haben die indigenen Ordnungskräfte vier Mitglieder der Guerilla festgenommen und sie nach indigenem Recht verurteilt, bevor sie an das allgemeine kolumbianische Justizsystem übergeben worden sind.

Diese ganze Situation hat jedoch über den Norden des Departements hinaus zu Spannungen geführt. Am 17. Juli haben EinwohnerInnen von Popayán zu einem Marsch auf den Sitz des CRIC aufgerufen, um die Position des Militärs zu stärken mit dem Argument, wenn das Militär aus dem Territorium der Indigenen wegmüsse, dann müssen die Indigenen aus der Stadt weg. Diese Aktion wurde am folgenden Tag wiederholt.

Am 21. Juli haben sich die sozialen Bewegungen mobilisiert und sind nach Toribío gefahren, um ihre Solidarität mit den Indigenen auszudrücken und der Forderung nach Frieden Nachdruck zu verleihen.

Trotz dem Missglückten Treffen in Toribío hat die nationale Regierung schlussendlich den Dialog mit den indigenen Gemeinschaften akzeptiert. In Verhandlungen mit dem Innen- und dem Verteidigungsminister wurde das weitere Vorgehen ausgemacht. Als jedoch die Indigenen nach Popayán kamen, um mit den beiden Ministern zu verhandeln, fanden sie sich mit Delegierten und Stellvertretern wieder. Die Indigenen haben das nicht akzeptiert und gefordert, weiterhin mit den Ministern zu verhandeln. Nach einigem Hin und Her, wurde das von der Regierung akzeptiert.

Am 2. August organisierte die regierungsnahe indigen Organisation OPIC eine Demonstration in Popayán, an welcher ca. 2’000 Menschen teilnahmen und an welcher sie das Militär unterstützen und forderten, dass das Militär weiterhin im Territorium der Indigenen bleibt.

In der darauffolgenden Woche, am 12. August, hat der CRIC ebenfalls zu einer Demonstration aufgerufen, es kamen 12’000 Leute nach Popayán. Nach einem Marsch durch die Stadt und einem kulturellen Anlass, sind sie nach La María, Piendamó gegangen und haben Präsident Santos zu einem Dialog eingeladen.

Am 15. August ist Präsident Santos nach La María, Piendamó gereist. Er hat um Entschuldigung gebeten für die vielen Opfer, welche die Indigenen aufgrund des bewaffneten Konfliktes zu beklagen hätten, bestätigt, dass die Regierung nicht davon ausgeht, dass der CRIC Verbindungen mit den FARC hat und sie als autonome Organisation akzeptiert. Ebenfalls ist er auf die Forderung eines Dialogs zwischen der Regierung und den Indigenen eingegangen. Durch diese Eingeständnisse und die Dialogbereitschaft hat sich die Situation politisch massiv entschärft, obwohl die Attacken seitens der FARC weiter anhalten.

Am 30. August haben nun diese Verhandlungen begonnen, welche folgende Themen beinhalten werden: Menschenrechte, internationales humanitäres Völkerrecht, öffentliche Sicherheitskräfte sowie wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung, Gesundheit und Autonomie in ihrem Land.

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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

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