04/19/13

Nationaler Marsch für Frieden und Demokratie

19.04.2013 | von Ann-Seline Fankhauser

Ungeachtet ideologischer Differenzen wurde am 9. April in Kolumbien von hunderttausenden Kolumbianern ein Zeichen für den Frieden gesetzt. Auch Präsident Santos schloss sich der Kundgebung an.

Ein emblematisches Datum

Mit dem Nationalen Marsch für den Frieden, zu dem die Bewegung Marcha Patriótica aufgerufen hatte, sollte ein unmissverständliches Zeichen für den Frieden gesetzt und den Kriegsgegnern entgegengetreten werden. Die Mobilisierung war jedoch nicht nur Symbol für die Unterstützung einer breiten Bevölkerung der Friedensdialoge zwischen der Regierung und den Farc-Rebellen, sondern sie stand auch im Zeichen des Gedenkens der Opfer des rund 50-jährigen Konfliktes. Das Datum, der 9. April, könnte symbolträchtiger nicht sein, wurde doch vor 65 Jahren der damalige liberale Präsidentschaftskandidat, Jorge Eliécer Gaitán ermordet worauf die blutigen Jahrzehnte der bis heute andauernden violencia ihren Anfang nahmen. Durch die Annahme des Opfer- und Landrückgabegesetzes wurde der 9. April zudem als nationaler Tag der Opfer institutionalisiert.[1]

Eine beindruckende Vielfalt

Der 9. April 2013 wird wohl nicht so sehr wegen der Grösse der Mobilisierung in die Geschichte eingehen, sondern vielmehr wegen der Vielfalt der Teilnehmer. Kommentatoren zu Folge handelt es sich wohl um eine der einzigen Mobilisierungen in der Geschichte Kolumbiens, welche nicht entlang der politischen Polarisierung verlief, sondern sich an einem der breiten Bevölkerung gemeinsamen Anliegen, nämlich dem Frieden orientierte. Mit Ausnahme der üblichen Gegner aus der rechten Ecke, die sich mit allen Mitteln gegen die Friedensdialoge stellen, nahmen Vertreter der unterschiedlichsten politischen Parteien, Kongressabgeordnete, Bürgermeister, Beamte, sowie soziale Bewegungen, Menschenrechtsverteidiger, Studenten und Gewerkschaften an der Kundgebung teil. Zur Demonstration aufgerufen wurde ursprünglich von der Bewegung Marcha Patriótica, mit der Unterstützung von Basisorganisationen wie dem "Kongress der Völker" und progressiven Persönlichkeiten wie dem Bürgermeister von Bogotá, Gustavo Petro, oder Angehörigen der Grünen Partei. Der Aufruf zur Unterstützung des Friedensprozesses wurde zuletzt auch von Präsident Santos aufgenommen, der die Bevölkerung um Rückhalt für die Friedensverhandlungen bat. Dass sich Präsident Santos der Mobilisierung anschloss überraschte, ist doch die Marcha Patriótica seit ihrer Gründung verschiedentlich durch Regierungsfunktionäre und die Massenmedien als politischer Arm der Farc-Rebellen stigmatisiert worden.[2]

Die umstrittene Teilnahme des Präsidenten

Die Teilnahme des Präsidenten wurde denn auch kritisiert und als opportunistisch bezeichnet. So befürchtete etwa Andrés Gil, Sprecher der Marcha Patriótica, dass Santos die Mobilisierung ausnutzte um sich die politische Unterstützung für die nächsten Präsidentschaftswahlen zu sichern. Auch der Polo Democrático Alternativo warnte seine Mitglieder, die Unterstützung für den Frieden nicht mit der Unterstützung des Präsidenten und seiner Widerwahl zu verwechseln. Nichtsdestotrotz wurde von den Veranstaltern immer wieder betont, dass alle gesellschaftlichen Sektoren sich der Mobilisierung anschliessen sollten, die der Überzeugung sind, dass der Frieden eine Notwendigkeit ist, unabhängig ihrer jeweiligen politischen Orientierung. Somit wäre also die Teilnahme Santos mehr als legitimiert. Der Präsident hat mit seiner Teilnahme an der Kundgebung nicht zuletzt auch die Stigmatisierung der Bewegung entkräftet und ein klares Zeichen gegen die Gegner des Friedensdialoges gesetzt.

Seine Rede vor dem Monument für die Gefallenen vor dem Verteidigungsministerium zu Beginn der Mobilisierung zeugt vom Versuch des Präsidenten den Behauptungen und Sabotagen der schärfsten Gegnern des Friedensprozesses rund um Ex-Präsident Alvaro Uribe entgegenzutreten. So versuchte er in seiner Rede an die Streitkräfte die seit Wochen zirkulierende Behauptung zu entkräften, die Militärs seien die grossen Verlierer eines Friedens. [3]

Zu Ehren und in Erinnerung an die Opfer des Konfliktes pflanzte Präsident Santos zusammen mit dem Bürgermeister Bogotá’s, Gustavo Petro, im Zentrum für Erinnerung, Frieden und Versöhnung einen Baum. Dieser Akt muss als starkes Symbol für die Vereinigung der Kräfte im Streben nach einer Versöhnung Kolumbiens gewertet werden.

Die Bedeutung der Nationalen Kundgebung für den Frieden und die Demokratie muss in ihrer Symbolik gesehen werden. Die Vielfalt der Teilnehmenden ist ein klares Zeichen dafür, dass die Kolumbianer nach Jahrzehnten der Gewalt, unabhängig politischer Präferenzen und Zugehörigkeiten (bis auf wenige Ausnahmen) das Ende des Konfliktes wollen. Am 9. April haben hunderttausende von Kolumbianern ideologische Differenzen überwunden und selbstbewusst den Frieden eingefordert.

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[1] El Espectador, 6. April 2013, Los significados del 9 de abril, http://www.elespectador.com/noticias/politica/articulo-414459-los-significados-del-9-de-abril

[2] amerika21, 11. April 2013, Kolumbien: Enorme Mobilisierung für den Frieden, http://amerika21.de/2013/04/82070/grosse-demo-fuer-den-frieden

[3] El Espectador, 10. April 2013, Marcha por la Paz: una movilización pluralista, http://www.elespectador.com/noticias/paz/articulo-415024-marcha-paz-una-movilizacion-pluralista

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