10/27/11

Congreso Tierra, Territorios y Soberanía in Cali, vom 30. September bis 3. Oktober 2011

27.10.2011 | von Annina Grob und Dominique Rothen

Zwischen dem 30. September und dem 3. Oktober haben sich in Cali auf dem Unigelände rund 15'000 Kolumbianer und Kolumbianerinnen zu einem Volkskongress zu Land, Territorium und Souveränität getroffen.

15'000 Aktivistinnen und Aktivisten aus verschiedensten indigenen, afrokolumbianischen Organisationen, Frauen-, Bäuerinnen- und Bauernbewegungen, Studenten und Studentinnen, Gewerkschaften, Opfervereinigungen sowie nationalen NGOs haben sich vier Tage lang über relevante Themen ausgetauscht, um ihre Vision eines anderen Landes weiterzudenken.

Volkskongress in Bogotá im Oktober 2010

Dieser Volkskongress war der zweite seiner Art. Vor einem Jahr haben sich etwa gleich viele Menschen in Bogotá versammelt, mit der Idee, selber zu definieren, wie ein alternativer Staat aussehen sollte.

Der Volkskongress ist ein sozialer und demokratischer Prozess von unten, der alle Dynamiken und Bewegungen verschiedener Bevölkerungsgruppen, gesellschaftlichen Teilbereichen und Regionen einschliesst, die bereit sind, gemeinsam an einem breit abgestützten Staatsmodell für die Gegenwart und die Zukunft zu arbeiten, sowohl für Kolumbien, aber auch für Lateinamerika und die restliche Welt. Viele Vertreter und Vertreterinnen von sozialen Organisationen fühlen sich von der aktuellen Regierung ungehört und sehen ihre Lebensgrundlagen bedroht. In einem mehrtägigen Kongress haben sie 2010 ihre Hauptanliegen analysiert und ausgearbeitet, was geändert werden müsste. Ein zentrales Problem ist die Landfrage, weshalb entschieden wurde, an einem weiteren Kongress eben diese ins Zentrum zu stellen.

Volkskongress in Cali Oktober 2011

Die Organisationen trafen am Donnerstag beziehungsweise Freitag ein. Einige wenige im Flugzeug, viele in Bussen und Chivas (kolumbianischer Bus). Einige kamen gar zu Fuss im Rahmen von Manifestationen, um den Volkskongress auch über das Unigelände hinaus sichtbar zu machen. Es wurden Zelte aufgestellt, Küchen eingerichtet (manche kochten für bis zu 450 Personen), es wurde vorbereitet und diskutiert, bis dann der Kongress am späten Nachmittag mit der Eröffnungsfeier mit Tanz, Musik und vielen Ansprachen von Bewegungsvertreterinnen und –Vertretern begann.

Am Samstag begann die Arbeit früh. Es wurden sieben Themen (Land, Ökonomie der Bauern, Wasser, Bergbau- und Energiepolitik, Wissen/Kultur/Identität, urbane Böden und Gebiete sowie Krieg/bewaffneter Konflikt) definiert. Ziel war es, die Themen zu analysieren, zu debattieren und einen Aktionsrahmen mit konkreten Mandaten zu erarbeiten. Nachmittags wurden dann im (Themen-)Plenum nochmals die gleichen Punkte diskutiert. Der Abend war mit einem interkulturellen Programm gefüllt, welcher die Vielschichtigkeit der Anwesenden widerspiegelte. So wechselten sich Bauernrhythmen mit Hip Hop ab, die Andine Musik wurde von einer städtischen Fusion zwischen Cumbia, Salsa und Rock abgelöst.

Sonntags ging es weiter mit den Plenumsdiskussionen, diesmal aber mit allen Themengruppen im grossen Kolosseum und Nachmittags wurden dann die verschiedenen Mandate vorgestellt.

Folgende Mandate wurden verabschiedet: 

1.     Die Einheit der Bewegungen und Organisationen stärken, um Land, Territorien und die Souveränität des Volkes zu bewahren, zu stärken und zu verteidigen.

2.     Die (Mutter) Erde schützen und ihre Rechte anerkennen.

3.     Zivile, politische Aktionen in Angriff nehmen, um einen Weg für eine politische und gemeinsam erarbeitete Lösung des sozialen und bewaffneten Konflikt gehen zu können

4.     Die (Mutter) Erde befreien und eine Agrarreform in partizipativer Weise umsetzen. 

5.     Die sozialen Organisationen werden zu Beschützerinnen des Wassers.

6.     Eine eigene Wirtschaftsform, in Übereinstimmung mit dem Willen der verschiedenen Völker.

7.     Eine Städtereform, welche auf einer sozialen und demokratischen Gebietsaufteilung beruht.

8.     Alle möglichen Aktionen unternehmen, bis die Verantwortlichen der Ausrottung der kolumbianischen Völker verurteilt sind.

Auch die Kinder haben ihre Anliegen in einem Mandat zusammengefasst. Darin wurde festgehalten, dass Diskussionsräume speziell für sie geschaffen werden und ihre Beiträge respektiert werden sollen.

Am Montag haben sich die Organisationen nach Regionen organisiert, um die Herausforderung der Umsetzung der Mandate für ihre Region zu diskutieren. Am Dienstag haben sich dann 2'000 Personen Richtung Norden aufgemacht, nach Cajamarca im Departement Tolima, um gegen die südafrikanische Anglogold Ashanti zu demonstrieren, welche dort Gold abbauen will. Diese Mine nennt sich „la Colosa“ und hat zum Ziel, zur grössten (Tag-) Goldmine in ganz Südamerika zu werden. Das Gebiet befindet sich aber in einem Waldreservat mit einer unwahrscheinlich grossen Biodiversität. Ausserdem leistet Cajamarca mit seiner Landwirtschaft einen grossen Beitrag zur Ernährungssicherheit der kolumbianischen Bevölkerung. Da aber der Goldabbau enorme Mengen an Wasser benötigt, fehlt dieses dann den Menschen und der Landwirtschaft. Zudem werden giftige Produkte für die Goldgewinnung benutzt. Trotz allen bekannten Gefahren für Boden, Menschen und Tiere hat das Projekt die Bewilligung von der Regierung erhalten. 

Herausforderungen und Ausblick

Diese Volkskongresse stellen in der kolumbianischen Realität eine wichtige Bewegung dar, sie schaffen es, viele verschiedene Organisationen und Bewegungen an einen „Tisch“ zu bringen, sich über die zentralen Themen auszutauschen und den kleinsten gemeinsamen Nenner zu suchen. Sie leisten so einen grossen Beitrag zu einem Friedensaufbau von unten bei. Dies alleine kann schon als erreichtes Ziel betrachtet werden, denn in einem von einem bewaffneten und sozialen Konflikt geprägten Land, wo ein nachhaltiger Frieden noch in weiter Ferne liegt, wo die Positionen, Prioritäten und Ideologien teilweise weit auseinander liegen, ist es ein wichtiger Schritt, wenn Vertreter und Vertreterinnen der Zivilgesellschaft zusammenfinden, um zu definieren, was sich in welche Richtung verändern müsste.

Wie die konkreten Schritte aussehen und die Mandate umgesetzt werden sollen, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die Mandate  sind jedoch eine Richtlinie, welche alle Organisationen, Bewegungen und Gruppen mitumsetzen wollen, jede auf ihre Art, sei es alleine oder aber in einer der vielen Allianzen. Zudem wird auch der Vorbereitungsprozess für den Volkkongress, welcher in einem Jahr zum Thema „Frieden“ stattfinden wird, behilflich sein, Positionen zu klären und der Zivilgesellschaft ein klareres Profil zu geben.

Persönliche Eindrücke

Es ist sehr eindrücklich, den Willen der kolumbianischen Menschen zu sehen, welche für ihre Rechte kämpfen, auch wenn dies oft enorm erschwert wird oder gar unmöglich ist. Die Stimmung war wahnsinnig gut, trotz traurigem Anlass eigentlich: viele sehen ihre Heimat verschwinden, werden unterdrückt und in ihren Freiheiten beschnitten. 

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08.12.2016


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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com