05/28/12

Erinnerungen an Paul Elze

28.05.2012 | von Bruno Rütsche

Paul Elze war seit er Ende der 1980er Jahre als politischer Flüchtling in die Schweiz kam, ein aktives Mitglied der Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien und vielen Menschen ein Freund. Anlässlich des ersten Jahrestages seines Todes am 27. Mai habe ich einige Personen, die Paul nahestanden gebeten, ihre ganz persönlichen Erinnerungen oder ein Ereignis oder irgendetwas, das ihnen an Paul wichtig war, niederzuschreiben. Ich habe die verschiedenen Beiträge so übernommen, wie ich sie bekommen habe. Es sind Zeugnisse von verschiedenen Personen, aus verschiedenen Blickwinkeln und aus verschiedenen „Epochen“ zwischen 1988 und 2011.

Am Schluss des Monatsberichtes folgt meine Würdigung zum Leben von Paul, welche am Abschiedsgottesdienst vom 3. Juni 2011 verlesen wurde.

Drei unauslöschliche Bilder von Paul in meiner Erinnerung (Annemarie Jesse)

Annemarie Jesse hat Paul während des Asylverfahrens und bei seinen ersten Schritten in der Schweiz und in Basel begleitet. Sie wurde zu einer treuen und engen Begleiterin von Paul und seiner Familie.

(1 ) Paul, St. und ich sitzen an einem kleinen Tisch in der Beratungsstelle für Asylsuchende, damals an der Drahtzugstrasse in Basel. St. hatte etwas zu trinken und einige Gutzi hingestellt. Nun begann er, Paul zu seinem Asylgesuch Fragen zu stellen.

Wenn ich mich recht erinnere, war das Asylgesuch bereits formuliert. Es sollte nun durch St. nachgeprüft werden, ob alle Details stimmten und die Sachlage richtig gewichtet und dargestellt war. Ich war als Kontaktperson und Übersetzerin dabei. Wegen meinen nur umgangssprachlichen Spanischkenntnissen musste ich öfters nachfragen oder das Wörterbuch zu Hilfe nehmen. Paul sass mit einem feinen Lächeln dabei und wiederholte geduldig seine Aussagen. Sein Lächeln übertrug sich auch auf uns zwei und bewirkte ein konzentriertes Arbeiten in einer dichten und gleichzeitig gelösten Atmosphäre. Ab und zu wanderte ein Gutzi zu St. oder zu mir. Paul war zu bescheiden um zuzugreifen, vielleicht wollte er auch noch zuerst unsere diesbezüglichen Bräuche beobachten. Erst eine nochmalige Aufforderung, sich doch zu bedienen, liess ihn zugreifen.

In diesem Gespräch haben St. und ich viel aus Pauls Leben erfahren. Wir spürten alle drei eine freundschaftliche Verbundenheit und teilten gemeinsam die Hoffnung, das Asylgesuch möge Erfolg haben. Diese Hoffnung erfüllte sich ja dann auch. (1988)   AJ

( 2) Ich war während vieler Jahre Mitglied im Regio-Chor. Da ich Paul von den Konzerten erzählte, erfuhr ich von seinem Interesse an klassischer Musik und von seinem Wunsch, ein solches Konzert zu besuchen. Da die Kosten für eine Konzertkarte damals Pauls Budget überstiegen, kamen wir eines Tages überein, er könnte die jeweiligen Hauptproben besuchen.

Ich musste jeweils eine 3/4Stunde vor der Hauptprobe im Konzertlokal sein, konnte mich also mit Paul nicht verabreden. Umso spannender war es für mich dann, und ich spähte von meinem Chorplatz aus in den dunklen Konzertsaal hinunter. Ob Paul wohl wieder kommen würde? Er liess fast kein Konzert aus. Wenn er nicht Schichtarbeit hatte, kam er immer, schlich sich auf leisen Sohlen hinein und blieb meist bis zu Schluss. Ich freute mich sehr über diesen treuen Zuhörer.

Jahre später vergrösserte  sich dann der Zuhörerkreis, Liliana kam ab und zu, Paul war wegen Schichtarbeit manchmal verhindert, später kamen auch die  Kinder mit.   AJ

Eine Woche vor dem Tod von Paul organisierte Liliana ein Konzert mit vielen befreundeten Musikern mit lauter frohen Stücken, kolumbianischen und klassischen. Es war ein wunderschönes Konzert im Hospiz, in dem Paul zuletzt war. Auch alle drei Söhne spielten Musikstücke. Paul war ganz dabei und genoss dieses Konzert. Eine Woche danach starb er. (BR)

(3) Eine geballte Ladung:  Der Jüngste im Kinderwagen, der Mittlere auf dem vorgehängten Brettchen, der Älteste dicht daneben - er wäre am liebsten auch noch aufgestiegen - und der „arme-reiche“ Vater, der mit Anstrengung das Gefährt vorwärts  bewegt… es geht leicht aufwärts. Alle sind in Regenjacken verpackt, denn es regnet und gegen den kalten Wind ist schwer anzukommen.

Ich komme den Vieren entgegen und gemeinsam steuern wir auf den Münsterplatz zu. Dort im  Eingangsbereich des Lesesaals ist es merklich wärmer und wir schälen uns gegenseitig aus den nassen Kleidern.

Mit lauter Willkommensfreude steigt Liliana die Treppe zu uns hinunter. Sie hatte im Saal im 1. Stock eine Lesung organisiert. Nun schliesst sie ihre Familie in die Arme. (2007) AJ

Gerne erinnere ich mich seiner (Pfarrer Franzisco Gmür)

Franzisco Gmür war lange Pfarrer im Stadtviertel, in dem Paul wohnte. Franzisco war es, der Paul in seinem Pfarrhaus ein Zimmer gab. Und nicht nur das, Franzisco war auch von allem Anfang weg bis zum Tod für Paul ein wichtiger Gesprächspartner. Dazu mag sicher beigetragen haben, dass Franzisco viele Jahre im Altiplano von Peru gelebt hatte und ein Teil seines Herzens lateinamerikanisch geworden war.

Irgendwann im Frühjahr 1990 kam die damalige Sekretärin der Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien und fragte, ob irgendwo in diesem grossen Haus noch ein Zimmer leer sei und Platz wäre für einen Mann aus Kolumbien. Sogar zwei Zimmer konnte Paul Elze belegen. Jetzt kann ich also meine Spanisch-Kenntnisse warm halten. Wir trafen uns gelegentlich im Treppenhaus oder in der Küche und assen aus dem selber Topf. Er interessierte sich für meine Tätigkeit in Peru und ich fragte nach der Situation in Kolumbien. So lernten wir uns mehr und mehr kennen. Er fragte auch nach Kontaktmöglichkeiten im Quartier. Kontakte aufnehmen, war ihm wichtig. Nach einiger Zeit bekam er Asyl zugesprochen. Er freute sich riesig. Seine Reise zurück nach Kolumbien erfolgte zwecks Heirat. In Begleitung kehrte er zurück. Ein Umzug stand bevor. Erstens brauchte er mehr Platz und zweitens wurde unser Pfarrhaus abgerissen. Alles musste raus. Und bei ihm kamen im Lauf der Jahre drei Buben. Das hiess natürlich auch drei Taufen. So kam ich in seine Wohnung – mehrmals, immer ganz herzlich willkommen – wie unter Freunden. Bei Quartiermittagessen trafen wir uns. Er kam mit Frau und Kinder. Und dann – fast wie aus heiterem Himmel – kam seine Krankheit. Ihr hat er sich gestellt, auch für den Ernstfall. Gerne erinnere ich mich seiner.

Erinnerungen an Paul Elze (Manuela Giaggiotti)

Manuela Giaggiotti ist als Mutter eines ganz guten Freundes von Paul Andrés, dem ältesten Sohn von Paul und Liliana, seit vielen Jahren mit der Familie eng verbunden. Als Ärztin war sie aber auch wichtige Ansprechperson für Paul und die ganze Familie. Eindrücklich in Erinnerung bleibt mir auch ihr Engagement, die Abschiedsreise von Paul nach Kolumbien trotz aller Widrigkeiten zu ermöglichen.

Für Paul-Andres, Manuel-Felipe und Camillo Ernesto

Wir haben  Paul und Liliana im Jahre 2005 in Basel kennen gelernt. Paul-Andres und unser Sohn Gian besuchten denselben Kindergarten. Sie wurden gute Freunde und sind es heute noch. So haben wir seither immer Kontakt zu Eurer Familie gehabt, im Quartier, auf Spielplätzen und vor allem an Geburtstagsfesten. Mit Paul führte ich auf dem Matthäusspielplatz interessante Gespräche über das Leben im Allgemeinen, über seine Biografie, über Beziehungen und Geschlechterrollen (amüsant) und natürlich über die Kinder. Er war ein engagierter Vater und sehr viel mit seinen Söhnen zusammen und unterwegs.

Einen grossen Eindruck machten auf mich Pauls Würde und Integrität. Wegen seiner politischen Überzeugungen hat er seine Heimat Kolumbien und das dort aufgebaute Leben als Anwalt verlassen und in der Schweiz neu angefangen. Obwohl es nie mehr dazu kam, dass er hier wieder als Jurist arbeiten konnte, hat er nie resigniert und sich über die veränderten Lebensumstände beklagt. Jetzt war die Familie da und für sie musste gesorgt werden.

Mit grosser Würde hat Paul das Leben gemeistert und auch seine Krankheit bis zum Schluss. Selbst schwer erkrankt, interessierte er sich noch lange für seine Umwelt und zeigte grosse Dankbarkeit selbst für kleine Gesten.

Die Erinnerungen an Paul -  sie machen deshalb nicht vor allem traurig. Es war und ist bereichernd, ihn und seine Familie zu kennen und mit ihnen einen Lebensabschnitt gemeinsam zu begehen – hoffentlich noch lange.

Mit Liebe und Dank

Manuela Gaggiotti

Riehen, April 2012

„Für mich ist Heimat dort, wo Menschen solidarisch dafür kämpfen, damit niemand mehr fliehen muss!“ (Peter Stirnimann)

Peter Stirnimann, aber auch seine Frau Bernadette, gehörten als Mitglieder und Mitbegründer der Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien von Beginn weg zum Freundeskreis von Paul. Sie haben – zusammen mit anderen Mitgliedern der ask – von Beginn weg versucht, Paul hier auf seinem Integrationsprozess zu begleiten, ihm zur Seite zu stehen, ihm aber auch eine Möglichkeit zu geben, sein Engagement für soziale Gerechtigkeit und Frieden in Kolumbien auch hier weiter zu leben.

Eigentlich hatten wir einen wunderschönen Herbstmorgen erwartet. Als ich die Fensterläden öffnete und aus dem Fenster blickte, kam mir eine dicke Nebelsuppe entgegen. Ich war mit Paul für ein verlängertes Wochenende nach Sörenberg gefahren. Er ging gerne aufs Land und in die Berge. Er wollte nach seinen Operationen wieder einmal wandern gehen, „ denn wer weiss, wie lange ich dies noch kann,“. Beim Hören des Wetterberichtes erhellten sich unsere Gemüter. Der Nebel sollte sich langsam auflösen, wenigstens bis auf zwölfhundert Meter. Ich schlug Paul deshalb vor, eine Wanderung in Richtung Schrattenfluh zu machen. Dort kann man das ganze Alpenpanorama sehen, welches sich beim Aufsteigen hinter der Brienzer Rothornkette langsam auftut. Paul wollte dieses Schauspiel mitbekommen und meinte spasshaft, dass ihn unsere Hündin Nela sicher hinaufziehen würde, wenn er nicht mehr möge.

Unsere Wanderung begann im etwas gelichteten Nebel, was darauf hindeutete, dass wir bald in die Sonne kommen würden. Paul kämpfte sich mit grosser Anstrengung Meter um Meter in Richtung Sonne. Und siehe da: wie ein Akt der Auferstehung standen wir plötzlich in der prallen Sonne und tiefblauem Herbsthimmel mit Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau. Wir setzten uns schweissgebadet hin und liessen uns von der imposanten Bergwelt und der Stille beeindrucken. Wir begannen eine Konversation über Heimat. Ich fragte Paul, ob ein solcher Anblick bei ihm als kolumbianischer Flüchtling auch so etwas wie Heimatgefühl auslösen würde. Er überlegte aktiv und büschelte lange seine Gedanken, denn aufgrund seiner Krankheit ging sein Denken nicht mehr so schnell. Er meinte dann: „ Die Berge und die Schweiz sind sehr schön, ich bin gerne hier. Für mich ist Heimat aber vor allem dort, wo ich Menschen um mich habe, die solidarisch für eine Welt kämpfen, in der niemand mehr flüchten muss.“ Sein freundlicher Blick zu mir wollte wohl sagen, dass auch ich zu seinem Kreis seiner Beheimatung gehöre.

Nach dem Abstieg kehrten wir in der Alpwirtschaft Schlund ein. Wir diskutierten bei einem reichhaltigen Zvieriplättli mit Alpkäse, -wurst und Trockenfleisch wie so oft über seine Erst- und meine Wahlheimat Kolumbien. Paul verfolgte intensiv und regelmässig im Internet die Geschehnisse in seinem Land.  Seine jugendliche Hoffnung auf strukturelle Veränderung und Abschaffung der grossen Ungerechtigkeiten durch eine revolutionäre Allianz zwischen dem Volk und bewaffneter Aufständischer war im Laufe der Jahre verflogen. Die politische Verwirrung der Guerillas und der Linken aber auch die hartnäckige Unveränderbarkeit des Systems lösten bei ihm zunehmend Ernüchterung aus. Wir fragten uns, ob wir einmal ein neues Kolumbien erleben würden. „Das letzte, was stirbt, ist die Hoffnung“, zitierte Paul das in Kolumbien oft gehörte Sprichwort und die neue Regierung Santos stimmte ihn wieder etwas hoffnungsvoller. Paul hat das neue, gerechtere Kolumbien nicht mehr erleben dürfen, denn die Geschichte entwickelt sich langsamer als bösartige Krebszellen.

Ich sitze heute wieder in der Alpwirtschaft Schlund, beende meinen Text und lasse meine Blicke über das immer noch tief verschneite Brienzer-Rothornmassiv in der Nachmittagssonne gleiten in Angedenk an meinen guten Freund Paul. 

Karwoche 2012, Peter Stirnimann (Freund der Familie, ehemaliger Fachstellenleiter der Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien und Koordinator von SUIPPCOL)

 

Abschiedsgottesdienst für Paul Elze

Basel, St. Josefskirche, 3. Juni 2011, 13.30 Uhr

 

 

 „Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt,

der ist nicht tot, der ist nur fern;

tot ist nur, wer vergessen wird.“

(Immanuel Kant)

 

Lieber Paul, letzte Freitagnacht hast du uns verlassen. Du konntest nicht mehr, die Krankheit hatte dich besiegt. Du bist sanft eingeschlafen und dorthin gegangen, wo es kein Zurück gibt. Du hast lange gegen die heimtückische Krankheit gekämpft, warst optimistisch, obwohl dir bewusst war, wie unwahrscheinlich eine Heilung oder zumindest ein Stillstand der Krankheit war. Am Schluss hast du dich dem Tod ergeben, so wie du gelebt hast: Aufrichtig und mit Würde.

 

Um dein Leben und dein Wirken zu würdigen und von dir Abschied zu nehmen, haben wir uns heute eingefunden. Der Schmerz über deinen zu frühen Tod und über die Lücke, die er in uns allen, und ganz besonders in deiner Familie hinterlässt, sitzt tief. Paul, du fehlst uns.

 

Du bist in Cúcuta, im Osten Kolumbiens an der Grenze zu Venezuela im Jahr 1954, als zweitältestes von fünf Kindern zur Welt gekommen. Dein Vater arbeitete sein Leben lang bei der kolumbianischen Fluggesellschaft Avianca. Dein Grossvater war aus Deutschland eingewandert und als Ingenieur im Eisenbahnbau tätig. Deinen Eltern war eine gute Ausbildung wichtig. Du studiertest Recht an der Nationaluniversität in Bogotá. Und spätestens hier erwuchs dein Sinn für Gerechtigkeit und deine Empörung über die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Kolumbien. Du durchschautest den Zynismus der Mächtigen und begannst dich für soziale Gerechtigkeit, Mitbestimmung und die allen Menschen zustehende Würde einzusetzen. Du begannst, dich politisch zu engagieren und als Anwalt dich für politisch Verfolgte einzusetzen. Dies machte dich selber zum Verfolgten und aufgrund massiver Drohungen und Verfolgung, sahst du dich gezwungen, in der Schweiz um Asyl nachzusuchen. Der Menschenrechtsanwalt Eduardo Umaña Mendoza, der 1998 in seinem Büro von gedungenen Mördern erschossen wurde, und Amnesty International halfen dir, Kolumbien zu verlassen. Dies inmitten des schmutzigen Krieges in Kolumbien, der jährlich Tausende von zivilen Opfern forderte und fordert.

 

So kamst du als junger Anwalt in die Schweiz und musstest hier zuunterst auf der sozialen Stufe neu beginnen. Dein Anwaltstitel, deine bisherige Ausbildung, dein Wissen, dein Können, deine Sprache – all das zählte plötzlich nicht mehr und du musstest dein Leben allein auf deine Person abgestellt neu aufbauen. Es war keine einfache Zeit für dich. Dein Weg in der Schweiz begann hier, in dieser Pfarrei, wo du ein Zimmer im alten Pfarrhaus beziehen konntest und in Francisco Gmür einen Gesprächspartner fandest, der nicht nur Spanisch konnte, sondern zu einem Freund wurde, der bis heute der ganzen Familie nahe steht und auch die drei Kinder taufte. Auch die Basisgemeinde mit ihrem langjährigen Engagement zu Kolumbien hat versucht, dir diesen Beginn zu erleichtern. Wenn ich mich an diese Gespräche erinnere, so waren sie gezeichnet von einem Wesenszug von dir, der dich bis zu deinem Tod auszeichnete: Du verlorst den Optimismus nicht und hast dich nie unterkriegen lassen. Immer versuchtest du den Blick auf das Positive zu richten, und dich daran zu halten.

 

Und so wurdest du vielen ein guter Freund, ein interessanter Gesprächspartner, ein Mensch, mit dem man gerne ein Glas Wein trinkt und dem man gerne zuhört. Von Beginn weg hast du dich tatkräftig in der Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien engagiert und du warst ein zutiefst solidarischer Mensch: Ob Mithilfe gefragt war bei der olla comun, bei einem Kolumbienfest, im Quartier, bei den Nachbarn, wo auch immer, du warst immer bereit mitzuhelfen. So warst du dir auch nicht zu schade, bei der Kartoffel- oder Zuckerrübenernte bei Freunden zu helfen. Deine Hilfsbereitschaft, dein Interesse an den Menschen und an der Welt hat dir viele Türen geöffnet.

 

Kolumbien hat dich nie in Ruhe gelassen. Du hast die politische Situation stets aufmerksam und kritisch beobachtet und sicher warst du trotz all dieser Freundschaften auch allein. Die Heirat mit Liliana gab dir ein Stück deiner Heimat zurück und gemeinsam habt ihr nicht nur eine Familie mit Paul Andrés, Manuel Felipe und Camilo Ernesto aufgebaut, sondern ein gemeinsames, breites und tragfähiges Netz von Freundinnen und Freunden gewoben, weil ihr alle einfach wunderbare, herzliche, grosszügige und liebevolle Menschen seid.

Und ihr habt es verstanden, als Familie Nähe und Ferne, Weltoffenheit und Familiensinn in einer einzigartigen und bewundernswerten Weise zu verbinden. So ist Kolumbien genau so präsent, wie die Elterngruppe Bläsi, ein Kindertheater, die Mithilfe beim Matthäusplatz-Fest und bei der Quartierzeitung Mosaik. Ihr habt es verstanden, Fernes und Nahes zusammen zu bringen – und eure Familie wurde zu einem Begegnungsort verschiedenster Menschen.

 

Die Familie war dir sehr wichtig. Nie hast du, lieber Paul, über die sicher nicht leichte Schichtarbeit bei La Roche geklagt. Auch hier warst du dir nicht zu schade, statt als Anwalt jetzt als Arbeiter dein Brot zu verdienen. Dies, obwohl du dich enorm um eigene Weiterbildung bemüht hast und erfolgreich das Nachdiplomstudium Ökologie und Umwelt an der Universität Zürich absolviertest. Du hast gesagt, dass dir diese Arbeit erlaube, deine Familie zu ernähren und dir ein Auskommen gibt. Ich habe dich für diese Fähigkeit, ohne jegliche Verbitterung diese Situation zu akzeptieren, stets bewundert. Du hast deinen Kindern viel über die Welt erzählt, hast ihnen die Welt nahe zu bringen versucht und du hast zusammen mit Liliana nicht nur ein immer offenes Haus gepflegt, sondern auch ein offenes Herz gehabt. Du hast den Kindern Zusammenhänge erklärt und sie in einem weltoffenen Geist zu erziehen, war dir ganz wichtig. Deine Familie war für dich deine wirkliche Heimat. Umso schmerzhafter war es für dich zu wissen, dass dir der Krebs auch diese Heimat entreissen wird.

 

Lieber Paul, du hast deine Krankheit erhobenen Hauptes hingenommen. Du hast dich nicht beklagt und du wolltest niemanden belasten. „Das sind Nachrichten, die man nicht geben möchte“, sagtest du. Und du hast dich immer bedankt. Es war ein Dank, der aus dem Herzen kam. Es tat weh, dich auf dieser letzten Reise ohne Wiederkehr zu begleiten – doch immer hast du es verstanden, wie ist mir selber ein Rätsel, einem auch Kraft zu geben.

 

Jetzt müssen wir dich gehen lassen. Vergessen werden wir dich nicht. Und du wirst in unseren Herzen verbunden bleiben mit Musik, sei es klassische oder typisch kolumbianische, die du so geliebt hast und mit der du dich verabschiedet hast. Und die Erinnerung an einen liebevollen, herzensguten, treuen, einmaligen und unvergesslichen Freund und solidarischen Menschen kann uns auch dein Tod nicht nehmen.

 

Paul, danke für alles!

 

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08.12.2016


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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com