Kolumbien-Monatsbericht No.09
September
2004
Erfolgreicher Kampf einer Gewerkschaft
gegen Privatisierungen
Von Stephan Suhner
Luis Hernández Monroy, Präsident
der Gewerkschaft der Arbeiter der Stadtwerke von Cali SINTRAEMCALI,
weilte vom 18. September bis zum 3. Oktober in der Schweiz.
SINTRAEMCALI kämpft seit Jahren gegen die Privatisierung
der Stadtwerke EMCALI und hat dafür einen hohen Preis
bezahlt. In den letzten zwei Jahren unter der Regierung Uribe
hat sich der Konflikt um eine allfällige Privatisierung
noch verstärkt. Luis hat deshalb während seinem
Aufenthalt in der Schweiz eine Klage bei der Internationalen
Arbeitsorganisation ILO in Genf deponiert, da die kolumbianische
Regierung verschiedene ILO - Konventionen verletzt hat.
Die ASK führte mit Luis Hernández ein längeres
Gespräch.
ASK: Luis,
ich begrüsse dich herzlich zu diesem Gespräch. Wir
haben gehört, dass deine Gewerkschaft im Moment
eine schwierige Phase durchlebt und auch die Bedrohungen gegen
dich wieder zugenommen haben. Wie ist eure Lage momentan?
Luis: Wie du
weißt, kämpft SINTRAEMCALI seit 12 Jahren gegen
die Privatisierung der Stadtwerke von Cali EMCALI. In
diesen 12 Jahren wurden 16 führende Gewerkschaftsmitglieder
ermordet und viele weitere überlebten Attentate,
wurden verhaftet oder mussten ins Exil gehen. SINTRAEMCALI
ist auch permanent verschiedenen Verleumdungen und Anschuldigungen
ausgesetzt. Fast täglich erreichen uns irgendwelche
Drohungen. Besonders schlimm ist es jeweils nach Protestaktionen
der Arbeiter. Die Regierung strebt mit allen Mitteln eine
definitive Lösung im Streit um die Privatisierung an,
und das schlägt sich auch auf unsere Bedrohungslage durch.
Als Letztes haben wir vom 26. bis 29. Mai 2004 eine permanente
Versammlung durchgeführt, um gegen den korrupten
Verwalter von EMCALI und gegen den Bruch einer Vereinbarung
zwischen dem Präsidenten Uribe und der Bevölkerung
von Cali und SINTRAEMCALI zu protestieren. Uribe hat auf diesen
Protest rein militärisch reagiert. Danach wurden Dutzende
Arbeiter entlassen, darunter auch ich. Zudem wurde gerade
in diesen Tagen ein Plan aufgedeckt, die ganze Gewerkschaftsspitze
in Cali und alle oppositionellen Kongressabgeordneten sowie
den Bürgermeister Bogotás, Lucho Garzón,
und den Gouverneur des Departements Valle, Argelino Garzón,
zu ermorden.
ASK: Kann
man sagen, dass diese Entlassungen etwas mit eurer permanenten
Versammlung zu tun haben?
Luis: Ja klar.
Ich kann erklären, was passiert ist. Am 26. Mai 2004
morgens um 6.00 Uhr erklärten sich 1600 Arbeiter von
EMCALI in permanenter Versammlung. 100 von uns besetzten das
Verwaltungsgebäude von EMCALI. Kurze Zeit später
kreiste ein grosses Polizeiaufgebot das Gebäude ein,
riegelte es ab und hinderte die Personen am Betreten wie auch
am Verlassen des Gebäudes. Familienangehörige, die
den Arbeitern im Verwaltungsturm Nahrungsmittel oder persönliche
Gegenstände bringen wollten, wurden schikaniert
und geschlagen, und auch die Arbeiter konnten das Gebäude
nicht verlassen. Zudem veranlasste das Management, dass Strom
und Wasser im Gebäude abgestellt wurden, was uns
vor grosse hygienische Probleme stellte. Man kann also sagen,
dass es weniger eine Besetzung als vielmehr eine Einsperrung
war. Uribe setzte sich auch über die Autorität der
lokalen Behörden (Bürgermeister und Gouverneur)
hinweg, indem er direkt aus Bogotá einen Polizeikommandanten
schickte, der dann für die öffentliche Ordnung zuständig
war. Trotzdem gelang es dem Bürgermeister von Cali, ein
Abkommen auszuhandeln, das uns Arbeitern im Verwaltungsgebäude
Sicherheit für das Verlassen des Gebäudes garantierte
und uns zusicherte, keine Sanktionen zu ergreifen. Dieses
Abkommen sah auch vor, dass die Nationalregierung weiter mit
den Arbeitern und der Bevölkerung eine einvernehmliche
Lösung für die Zukunft von EMCALI suchen soll.
ASK: Wie
kam es dann aber zu den Entlassungen?
Luis: Die Nationalregierung hat sich nicht
an dieses Abkommen gehalten. Schon am 31. Mai 2004 hat der
Bevollmächtigte von EMCALI das Arbeitsministerium ersucht,
eine kollektive Arbeitsniederlegung (das heisst unsere
permanente Versammlung) als illegalen Streik zu erklären,
da angeblich durch die Besetzung des Verwaltungsgebäudes
die Dienstleistungen von EMCALI unterbrochen worden seien.
Sehr beflissentlich hat das Arbeitsministerium schon am 2.
Juni 2004 eine Verfügung erlassen, in dem es wie gewünscht
unsere friedliche Versammlung als illegale Arbeitsniederlegung
qualifizierte. Dabei wissen wir sehr genau, dass es uns als
Arbeiter der öffentlichen Dienste verboten ist, zu streiken.
Das Arbeitsministerium behauptet in der Verfügung, dass
die Dienstleistungen von EMCALI unterbrochen gewesen seien.
Das ist absoluter Unsinn. Der Arbeitsminister selbst
war in jenen Tagen in Cali und konnte feststellen, dass die
Wasser- und Stromversorgung einwandfrei funktionierte. Zudem
haben verschiedenste staatliche Stellen wie der Gouverneur
des Dep. Valle, der Bürgermeister von Cali, der Menschenrechtsbeauftragte,
verschiedene Quartierkommissionen usw. bestätigt,
dass es zu keinem Zeitpunkt eine Beeinträchtigung
des Service Public gab. Das ist auch unser Hauptargument in
der Klage, die ich bei der ILO eingereicht habe. Durch dieses
Verhalten hat die Regierung immer wieder die ILO - Konventionen
Nr. 87, 98 und 151 in Bezug auf gewerkschaftliche Rechte und
die Versammlungsfreiheit verletzt. Gestützt auf diese
fragwürdige Illegalerklärung des Arbeitsministeriums
hat EMCALI das Recht, die am Protest beteiligten Arbeiter
zu entlassen. Deshalb wurden am 14. Juli 2004 60 Arbeiter
entlassen, darunter ich als Präsident der Gewerkschaft,
sowie der Vizepräsident, der Buchhalter, der Generalsekretär,
der Revisor , sowie ein weiteres Vorstandsmitglied.
ASK: Ihr
steht ja in einem schweren Kampf mit der Regierung um die
Privatisierung von EMCALI. Wie führt die Regierung diesen
Kampf?
Luis: Ich möchte
zuerst betonen, dass wir als Gewerkschaft immer einen politischen
Kampf der Ideen mit absolut legalen Mitteln gefochten haben,
darin eingeschlossen direkte Aktionen wie Besetzungen
von Gebäuden. Nie haben wir jedoch zu illegalen Methoden
gegriffen. Die Regierungen haben uns jedoch immer mit schmutzigen
Methoden angegriffen. Einerseits produzieren sie pseudolegale
Verfügungen wie in Bezug auf den angeblichen illegalen
Streik, um so unliebsame Arbeiter oder Gewerkschafter entlassen
zu können. Andererseits bedrängen und bedrohen uns
permanent die staatlichen Sicherheitskräfte, und wir
müssen mit den absurdesten Anschuldigungen leben.
Das führt dazu, das Berufsmörder und Paramilitärs
Attentate und Morde gegen uns verüben. Bei praktisch
allen Protestversammlungen, Märschen und Gewerkschaftstreffen
begleitet uns ein grosses Polizei- und manchmal Armeeaufgebot.
Dabei werden wir und unsere Angehörigen auch offen
bedroht, Teilnehmer an Märschen wurden z.B. am vergangenen
1. Mai brutal zusammen geschlagen, die Polizei setzt
Pfeffer- und Tränengas und manchmal sogar Gummischrot
ein und nimmt willkürliche Festnahmen vor. Am schlimmsten
sind aber die dauernden Anschuldigungen, wir seien eine
terroristische Gewerkschaft. So kamen beispielsweise bei der
Explosion eines Sprengsatzes in einem Wasserwerk am 8. Mai
2003 drei Wächter von EMCALI ums Leben. Die Polizei behauptete
dann, dass diese drei Arbeiter den Sprengsatz dort anbringen
wollten und durch Fehlmanipulationen die vorzeitige Explosion
auslösten. In einem Schreiben der Interpol Colombia
an eine dänische Amtsperson wurde erklärt, Jorge
Eliécer Ramírez Velásquez, eines der
Opfer, habe vom ELN eine Ausbildung für den Bau von Sprengsätzen
erhalten, und es sei bekannt, dass einige Mitglieder
von SINTRAEMCALI von den FARC und dem ELN Unterweisungen erhielten,
um Sprengsätze in Einrichtungen von EMCALI zu platzieren.
Zudem wird in der Presse häufig zweideutig über
uns berichtet, z.B. dass wir diese oder jene Aktion mit militärischer
Präzision durchgeführt hätten, oder dass man
bewaffnete Personen gesehen habe. Mein Gott, diese bewaffneten
Männer sind ja die vom Innenministerium zugeteilten Leibwächter!!
Aber all diese Anschuldigungen und Zweideutigkeiten machen
uns extrem verletzlich. Seit 12 Jahren wird gesagt, wir seien
Terroristen. Ich frage aber, warum uns das denn nie in einem
sauberen Prozess nachgewiesen und nie jemand unserer Gewerkschaft
wegen Subversion tatsächlich verurteilt worden ist?
ASK: Was
sind eigentlich die Gründe, dass ihr euch gegen die Privatisierung
von EMCALI wehrt? Die Privatisierung öffentlicher Dienstleitungen
wie Wasser- und Stromversorgung wird ja heute als Allheilmittel
für ineffiziente Staatsbetriebe angepriesen!
Luis: Es gibt
mehrere Gründe. Zum einen sind da die bisherigen negativen
Erfahrungen mit anderen Privatisierung öffentlicher
Dienstleistungen. Die Qualität des Service Public nahm
meistens ab, während die Gebühren für die Benutzer
stiegen und sich einige wenige korrupte Politiker und (ausländische)
Banken und Unternehmen eine goldene Nase verdienten. Entgegen
den Behauptungen der verschiedenen Regierungen ist EMCALI
im Grunde genommen eine sehr rentable staatliche Industrie-
und Handelsfirma und ist für die Zukunft gerüstet.
Der sogenannte technische Bankrott hat zwei Hauptgründe:
einerseits die grassierende Korruption, andererseits krasse
Fehlinvestitionen und schädliche Verträge.
Es wird in Dutzenden von Korruptionsprozessen über viele
Milliarden Pesos gegen korrupte Politiker ermittelt. Durch
den Bau des Wärmekraftwerkes Termocali und die Abwasserreinigungsanlage
Cañaveralejo gingen Hunderte von Millionen US$ durch
Korruption und Fehlplanung verloren. Diejenigen Sektoren,
die an einer Privatisierung Interesse haben, wissen genau,
dass EMCALI ein grosses Geschäft ist, deshalb ja auch
das Interesse an einer Privatisierung! EMCALI hat in Cali
und den umliegenden Städten und Gemeinden insgesamt drei
Millionen Kunden und nimmt täglich 3,5 Milliarden Pesos
ein (1.75 Mio. CHF). EMCALI ist zusammen mit den Stadtwerken
von Medellín EEPPMM das einzige städtische Dienstleistungsunternehmen,
das noch alle drei Dienste, nämlich Wasserversorgung,
Strom und Telekommunikation anbietet. Vor allem in kleineren
Städten sind die öffentlichen Dienstleistungen zu
99% privatisiert, grössere staatliche Beteiligungen gibt
es nur noch in Grosstädten. 80% der Elektrizitätsversorgung,
70% der Telekommunikation und 40% der Wasserversorgung sind
privatisiert.
ASK: Was
für Firmen stehen hinter der Privatisierung?
Luis: Einerseits ist es die Politik von Weltbank
und IWF, die die Privatisierung dieser Staatsbetriebe
fordern. Unserer Ansicht nach begünstigen die Privatisierungen
einseitig nationale und internationale Banken sowie multinationale
Unternehmen, obwohl manchmal nationale Firmen oder Investoren
dazwischen stehen, um den Volkszorn zu besänftigen. Im
Falle Kolumbiens ist z.B. Agua de Barcelona in Cartagena aktiv,
in Palmira in der Nähe von Cali ist es Lyonnais des Eaux,
auch Général des Eaux ist in der Region tätig.
In Cali selbst hat Unión FENOSA aus Spanien (gehört
zur Bank BBV) starke Interessen, und Bechtel ist an Termocali
beteiligt, zusammen mit Intergen.
ASK: Wie
steht die Bevölkerung eigentlich zur geplanten Privatisierung?
Kann sie auf die Entscheidungen Einfluss nehmen?
Luis: Für
uns als Gewerkschaft ist es nicht einfach, in diesem polarisierten
Umfeld auf die Bevölkerung zuzugehen, da wir häufig
als die Schuldigen für die (angeblichen) Probleme von
EMCALI dargestellt werden, da wir übermässige Privilegien
hätten, zu viel verdienen würden. Wir haben einerseits
jedoch versucht, der Bevölkerung die Wichtigkeit einer
staatlichen Energie- und Wasserversorgung darzulegen
und sie für unseren Kampf zu gewinnen, andererseits haben
wir als Gewerkschaft auch Gemeinschaftsarbeiten in den ärmsten
Vierteln Calis durchgeführt. Die Gewerkschaftsmitglieder
geben einen kleinen Teil ihres Lohnes ab, und damit organisieren
wir sogenannte "mingas", durch die wir Ärzte,
Zahnärzte, Anwälte, Coiffeurs usw. in die Armenviertel
bringen, so dass die Leute gratis Untersuchungen, medizinische
Versorgung, juristische Beratung etc. erhalten können.
Ein grosser Teil der Bevölkerung ist
gegen die Privatisierung, wahrscheinlich die Mehrheit. Die
Bevölkerung hat aber praktisch keinen Einfluss auf die
Entscheidungen und ist in den verschiedenen Kommissionen
kaum vertreten. Wir haben letztes Jahr 380'000 Unterschriften
gegen die Privatisierung gesammelt und der Regierung übergeben,
aber die Regierung hat das nicht zur Kenntnis genommen.
ASK: Kannst
du uns das Seilziehen um die Privatisierung während der
letzten Jahre zusammenfassen und den momentanen Stand
der Dinge erklären?
Luis: Ich beginne im Jahr 2001: damals wollte
Präsident Pastrana EMCALI privatisieren. Dies zwang uns,
mit einer direkten Aktion, nämlich der Besetzung des
Verwaltungsgebäudes von EMCALI, Druck auf die Regierung
auszuüben. Diese Besetzung dauerte vom 24. Dezember 2001
bis zum 29. Januar 2002, 36 Tage. Danach konnte mit Pastrana
und den Einwohnern von Cali ein Abkommen über die Zukunft
von EMCALI unterzeichnet werden, wobei von einer Privatisierung
abgesehen wurde. Alvaro Uribe respektierte dieses Abkommen
aber nicht und reiste schon am 9. August 2002, zwei Tage nach
seiner Amtseinsetzung, nach Cali, um im Rahmen eines Sicherheitsrates
über die Privatisierung von EMCALI zu sprechen. Die Gewerkschaft
präsentierte einen sozialen Gegenvorschlag, und als Uribe
spürte, dass dieser viel Unterstützung genoss, beschuldigte
er die Gewerkschaft, sie sei wegen ihrem kostentreibenden
Gesamtarbeitsvertrag (GAV) am Bankrott von EMCALI schuld Er
schlug vor, dass sie auf den GAV verzichte. Uribe dachte wohl,
dass wir darauf nicht eingehen werden, und er dann einen Vorwand
hätte, EMCALI zu liquidieren, genau wie er es mit Telecom
machte. Zudem wurde EMCALI der Zwangsverwaltung durch die
Nationale Überwachungsbehörde des Service Public
unterstellt, was die Korruption jedoch verschärfte.
Am 15. Mai 2003 wurden dann aber zwischen
der Regierung Uribe, den Behörden und der Bevölkerung
Calis sowie unserer Gewerkschaft in einer Übereinkunft
"Todos Ponen" ("Alle tragen dazu bei")
die folgenden Punkte vereinbart: Zur Rettung von EMCALI sollte
eine umfassende finanzielle Lösung gefunden werden; wir
Arbeiter verpflichteten uns, das Anstellungsreglement zu flexibilisieren,
den GAV aufzugeben und das Pensionsschema zu revidieren; Uribe
seinerseits schlug die Äufnung eines grossen Sozialen
Kapitalisierungsfonds vor, der die finanziellen Risiken von
EMCALI abfedern und langfristig zur unternehmerischen
Stärkung beitragen soll; dieser Fonds sollte durch seine
Kapitalgeber - u.a. auch die lokale Regierung und die Bevölkerung
- zu einem strategischen Partner von EMCALI werden; zudem
sollte die Verwaltungsautonomie von EMCALI, sowie das Mitspracherecht
von Behörden und Kunden garantiert werden; auch die Gläubiger
sollten ihren Teil zur finanziellen Rettung EMCALIs beitragen
und die Grossrisiken wie der Vertrag über Termocali sollten
überprüft werden. Die Regierung verpflichtete sich,
die Untersuchungen wegen Korruption rasch abzuschliessen.
Uribe schuf dann auch eine präsidiale Kommission, in
der Unternehmensverbände sowie soziale und politische
Kräfte der Stadt und der Region vertreten waren.
Es kam dann jedoch alles anders. Der präsidiale
Rat und das beratende Komitee wurden systematisch übergangen
und nicht angehört, und Uribe vereinbarte mit den Gläubigern
schliesslich ein Abkommen, das der Übereinkunft "Todos
Ponen" vom Mai 2003 total widersprach. Nicht alle trugen
zur Rettung bei; der Bürgermeister und die Stadtregierung
verlieren die administrative und finanzielle Autonomie
sowie die politische Kontrolle über EMCALI, während
der Kapitalisierungsfonds nicht EMCALI absichert, sondern
den Gläubigern den Schuldendienst garantiert und auf
Grund seiner Zusammensetzung im Endeffekt den Gläubigern
für 20 Jahre die Handhabung EMCALIs überträgt.
Die finanziell nachteiligen Energieabnahmeverträge mit
Termocali-INTERGEN werden nicht zu Gunsten EMCALIs verändert,
die staatliche Finanzspritze wurde gestrichen und die Gläubiger
konnten ihre Ansprüche erhöhen, anstatt auf Teile
zu verzichten. Dadurch erhöhen sich die finanzielle Belastung,
die Schulden und das Risiko für EMCALI. Die Kunden von
EMCALI werden zudem gezwungen, durch massive Tarifaufschläge
zwischen 25% und 40% und durch eine Zwangsabgabe von 2% des
Rechnungsbetrages diese einseitige Kapitalisierung zugunsten
privater Gläubiger zu berappen. Zudem werden die
Subventionen für die ärmsten Bevölkerungsschichten
um bis zu 50% gekürzt. Viele Haushalte werden so die
Rechnungen für Strom und Wasser nicht mehr begleichen
können. Die Kritik verschiedener Sektoren und Amtspersonen,
so des Gouverneurs Argelino Garzón, des Ombudsmannes
von Cali, verschiedener Bürgergruppen, und unsererseits,
liess nicht auf sich warten. Dieses Abkommen, das Uribe hinter
unserem Rücken mit nationalen und internationalen Gläubigern
und Kapitalgebern abgeschlossen hat, ist der Anfang einer
schleichenden Privatisierung.
ASK: Angesichts
dieses doch düsteren Panoramas: Was für Möglichkeiten
siehst du? Wie soll es weitergehen?
Luis: Einerseits haben wir die Hoffnung,
dass diese Klage bei der ILO rasch an die Hand genommen
wird und wir Recht bekommen. Andererseits ist ja trotz aller
Repression der Widerstand gegen die Privatisierung in Cali
immer noch sehr gross und verschiedenste Stimmen haben sich
entschieden gegen das Abkommen vom 5. Mai 2004 zwischen Uribe
und den Gläubigern ausgesprochen. Ich werde auf
jeden Fall nach Cali zurück kehren und weiter kämpfen,
für den Erhalt von EMCALI und für meine entlassenen
Arbeitskollegen. Wir werden erneut starke Protestaktionen
durchführen müssen. Und die internationale Solidarität
ist sehr wichtig!
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